Jahrgang 
1913
Seite
XV
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1907 in Gebrauch genommen. Nunmehr sind alle medizinischen Institute auf dem Seltersberge vereinigt bis auf die Ohren klinik(Liebigstraße 20), das anatomische, zoolo gische(Bahnhofstraße 84) und phy siologische Institut(Senckenbergstraße 15). Die veterinär-medizinischen Institute sind jetzt ebenfalls großartig eingerichtet an der gegenüberliegenden Seite der Straße (Frankfurter Straße 94). In das bisherige Gebäude für die Univ.⸗Bibliothek(Brand platz 4) sind das botanische und das geographische Institut, sowie das mathe matisch-physikalische und das geo dätische Kabinett untergebracht.

Das Landgraf-Ludwig-Gymnasium besteht seit 1605, war zuerst im Rathause, dann in dem Hause Neuen Bäue 2, später im Senckenbergischen Hause am Landgraf-Philipp Platz(heute Kreisamtsgebäude) unterge bracht und befindet sich jetzt Süd-Anlage 6. Das 1837 gegründete Realgymnasium ist in einem Gebäude mit der Oberrealschule (Ludwigstr. 11), für die augenblicklich ein besonderer Bau an der Stephanstraße er richtet wird, vereinigt. Die höhere und erweiterte Mädchenschu le besitzt an der Nord-Anlage ein modernes Haus. Für die städtischen Knaben- und Mädchenvollsschulen sind zweckhmäßige und würdige Schulhäuser an der Nord-Anlage 8, West-Anlage 43 und Schillerstraße 8 vorhanden. Der Bau eines weiteren Schulhauses wird demnächst an der Crednerstraße begonnen werden. An gewerb

lichen und sonstigen Fortbildungsschulen sind

zu erwähnen die Aliceschule, für Frauen bildwung und Erwerb(Kirchstraße 20), Haushaltungsschule(Steinstraße 10), Fort⸗

bildungsschule(Stadtknabenschule, Nord⸗

Anlage 8), Kaufmännische Fachschule (Nord-Anlage 15). Das Gewerbe⸗ haus(Rirchstr. 16), in welchem die Großh. Gewerbeschule und die Handwerker Sonntagszeichen-Schule untergebracht worden ist, wurde vom Ortsgewerbeverein

Gießen für die Summe von rund 100 000

Mark(ohne Bauplatz) in den Jahren 1906- 1908 unter der Präsidentschaft des Kommerzienrats Heyligenstaedt erbaut. Das Gebäude an der Kirchstraße 16 enthält

Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gießen

im Erdgeschoß einen Fest- und Versamm⸗

lungsraum mit anstoßendem Beratungszimmer, die Schuldienerwohnung und bis auf weiteres eine Mietwohnung. Das 1. und 2. Ober geschoß dienen ausschließlich Schulzweckhen;

darin sind 8 Lehrsäle, Direktions- und Lehrer⸗

zimmer, Bibliothek, sowie Räume für Kon⸗ struktions⸗, mechanische und physikalische Modelle untergebracht. Das Kellergeschoß enthält große Modellierräume, die künftig praktischen Unterrichtszwecken dienstbar ge⸗ macht werden sollen. Die Beleuchtung ist

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insofern neu und für andere Schulgebäude beachtenswert, als nicht wie sonst üblich Deckenbeleuchtung, sondern Wandbeleuchtung und zwar hier nur an den Pfeilern zwischen den Fenstern angebracht worden ist, wodurch im ganzen Raume eine gleich mäßige Erhellung erreicht wurde. Eine Be sichtigung dieser vorzüglichen Einrichtung ist allgemein zu empfehlen.

Museen, Sammlungen, Ausstellungen ete. Das Museum des Oberhessischen Ge schichtsvereins ist 1905 aus dem alten Rathause in das alte Schloß(Brandplatz 2) verbracht. Es enthält eine Sammlung von Altertümern, insbesondere aus Gießen und Umgegend, darunter sehenswerte prähistorische Gegenstände, sowie hervorragende germanische und römische Funde. Besuchszeit von 11 bis 1 Uhr, an Sonn- und Feiertagen unentgeltlich, an Wochentagen für 50 Pfennig. Im neuen Schlosse(Candgraf-Philipp-Platz 2) ist das erst im Jahre 1911 aus Privatmitteln gegründete ethnographische Museum untergebracht. Besichtigung Sonntags von 111 Uhr unent geltlich, Mittwochs von 35 Uhr für 50 Pfg. Die Kunstausstellun g des Kunstvereins für das Großherzogtum Hessen, Zweigverein Gie ßen, im oberen Stock des Turmhauses(Brand platz 3) bietet drei- bis vierwöchentlich wech selnde Ausstellungen neuerer Meister, ist geöffnet von 111 Uhr, außer Samstag, für Mitglieder unentgeltlich, für Nichtmitglieder Sonntags gegen 20 Pfg., an Wochentagen gegen 50 Pfg., für Studenten gegen 20 Pfg. Eintrittsgeld. Gipssammlungdes archäologischen Instituts (Ludwigstraße 23) im Sommer geöffnet gegen freien Eintritt Montag, Mittwoch, Freitag von 11 12 Uhr, Dienstag, Donnerstag von 4- 5 Uhr, im Winter Dienstag 4-5, Freitag 11 bis 12 und Sonntag 121 Uhr. Botanischer Garten(Senckenbergstraße 6), 1609 angelegt, enthält manche Seltenheiten und ist neuerdings durch ein Palmenhaus und ein größeres Warmwasserbecken vervollständigt. Täglich geöffnet(außer mittags von 121 Uhr).

Das Stadttheater wurde in den Jahren 1905 1907 nach Plänen der Architekten Fellner und Helmer in Wien und H. Meyer in Gießen von Letzterem erbaut und am 23. Juli 1907, acht Tage vor dem 300jähr. Jubiläum der Universität, eingeweiht. Der Bau, dessen Außenarchitektur in Gliederung und Aufbau der Antike entlehnt ist, während die Formen modern sind, verdankt seine Ent stehung der Opferwilligkeit von 600 Gießener Einwohnern, welche insgesamt rund 400000 Mark ohne Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung stifteten; die Stadt Gießen gab dazu den Bauplatz und 50 000 Mark und lieh weiter ein zu verzinsendes Kapital von 200000 Mark. Mit der Summe von 650 000 Mark ist der ganze Bau einschl.