Jahrgang 
1913
Seite
XIII
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Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gieeßen

XIII

mehrmals von den Franzosen berannt, er⸗

obert und bis 1763 besetzt gehalten wurde. Aus jener Zeit stammen die Erdwälle hinter dem Wirtschaftsgebäude waldes. In den Jahren 1796 bis 1799 kamen die Franzosen wieder, und abermals lag ihre Hand schwer auf der Stadt. Der Universität ist es zu danken, daß damals Schlimmeres von den Bürgern abgewendet wurde.

Die Festung beschloß mit dem alten Jahr hundert ihr Dasein, 1805 10 wurden die Werke geschleift. Damit hatten jedoch die

des Philosophen

kriegerischen Erlebnisse der Stadt noch nicht

ihr Ende erreicht, aber es waren nur deutsche Truppen, deren Bekanntschaft sie hinfort machen sollte.

Mit dem Fallen der Festungswerke war der Gürtel, der die Stadt einengte, gesprengt. Nicht nur konnten jetzt neue schöne Stadtteile

entstehen, es waren auch dem Gewerbfleiß neue Bahnen erschlossen, und so wurde Gießen das, was es heute ist: eine blühende Stadt, in der Wissenschaft, Handel und Gewerbe einen gesegneten Boden finden.

Sehenswürdigkeiten. Badeanstalten. Das Gießener Volks⸗

bad A.⸗G.(Seltersweg 58 Wn in den K.

Jahren 1897 98 für 200 000 errichtet. Die Bausumme ist inzwischen durch Neu anlage von 9 Brausebädern, mechanischer Ein richtung der Wäscherei und elektrischer Anlage auf 210 000 Mk. gestiegen. Der in deutscher Renaissance gehaltene Blendsteinbau ist von den Architekten Stein& Meyer errichtet und die maschinellen und Badeeinrichtungen sind nach modernen hygienischen Gesichtspunkten von der Firma H. Schaffstaedt hergestellt. Das allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Badehaus enthält in der Schwimmhalle mit 32 Einzelauskleidezellen und mehreren Reini gungszellen ein Schwimmbecken von 9,8 mn Breite und 19,5 m Länge bei einer Tiefe von 0,82,8 m, ferner 18 Wannenbadezellen und 8 Zellen für römisch-irische Bäder, sowie 21 Brausebadezellen. Verabfolgt werden

Schwimm-, Wannen⸗, Dampf⸗, römisch-irische

sowie medizinische Bäder, Brausebäder und Massagen. Preise und Badezeiten Seite 344.

Bädern benutzt. Ferner sind an der Lahn

siehe Das städtische Freibad an der Lahn wurde im Sommer 1911 zu 31292

noch zu erwähnen das Männerbad des

Männerbadevereins, die früher Rübsam

sche Badeanstalt von Philipp Müller und

das Luft⸗, Licht- und Sonnenbad. Bibliotheken.

Die Gr. Universitäts⸗

Bibliothel(Keplerstraße 2) ist 1901- 1904 in modernisiertem deutschen Barockstile nach

den Plänen des Baurats Becker erbaut. Die Bauhöosten, einschließlich der Einrichtung,

betragen 526 000 Mk. Gegründet 1612, zählte die Bibliothek am 1. April 1912 253 465 Bände, 135 520 Dissertationen und Pro gramme, 1250 Wiegendrucke, 1500 Hand schriften, 550 Urkunden. Vermehrungsetat: 34 100 Mk. Ausgeliehen außer Haus in 1911/12: 46 207 Bände. Geschäftsstunden siehe Universitätsbehörde Seite 296.

Der öffentlichen Bücher- und Lese halle des Gießener Lesehalle-Vereins in den Torhäuschen Seltersw. 93 u. Neuenbäuen 30, gegründet 1898, werden von der Stadt die Räume unentgeltlich gewährt, sowie ein Bar zuschuß von jährlich 400 Mak. Die Bezirks sparkasse Gießen bewilligt jährlich 1000 Mh., die Kreiskasse 200 Mäk. und die Gewerbe bank 100 Mk. Von Mitgliedern ꝛc. gehen an Jahresbeiträgen ca. 1400 Mäk. ein. Die Bücher ausgabe befindet sich im Torhäuschen Neuen bäuen 30, das Lesezimmer Seltersweg 93. 1911 12 wurden rund 27000 Bände ausge liehen. Die Anstalt besitzt 6500 Bände und 157 im Lesezimmer aufliegende Zeitungen und Zeitschriften aller Richtungen. Das Lese zimmer hat außerdem eine Handbibliothek von ca. 1000 Bänden und Broschüren, sowie einen Schreibtisch mit Briefpapier usw. zur freien Benutzung der Besucher. Es ist täglich ununterbrochen von morgens 10 bis abends 10 Uhr geöffnet. Die Benutzung steht jedem unentgeltlich frei; Schüler sind ausgeschlossen. Der neue Katalog, für 50 Pfennig erhältlich, erscheint 1913. Ausleihestunden sieheVereine Seite 317.

Denkmäler. Das Standbild des großen Chemikers Justus von Liebig ist 1890 in der Ost-Anlage errichtet, ausgeführt in weißem Marmor von dem Berliner Bildhauer Schaper. Zur weiteren Erinnerung an Liebigs Tätigkeit in Gießen wird jetzt das von ihm als Labora torium benutzte Gebäude in der Liebigstraße als Liebigmuseum eingerichtet. In der Nord Anlage, vor dem Neubau der höheren Mädchenschule befindet sich der 1892 errichtete Marmor-Denkstein für den um die Forst wirtschaft hochverdienten Professor Heyer. Auf dem Marlktplatze steht das vom Darmstädter Bildhauer Habich 1900 ent worfene und ausgeführte Kriegerdenkmal. In der Vorhalle des gegenüber stehen den alten Rathauses sind auf zwei metallenen Tafeln die Namen der Offiziere und Soldaten aus Gießen verzeichnet, die als Angehörige des damaligen 2. Infanterie Regiments am Feldzuge 1870,/71 teilgenom men haben. An dem neuen Schlosse ist ein großer Sandsteinblock eingelassen, auf dem das Hessische Wappen ausgehauen ist. Das Wappenschild trägt die Inschrift:Zum Ge dächtnis Landgraf Philipps des Groß⸗ mütigen, der im Jahre 1533 dieses Haus errichtet hat. Den 13. November 1904. Es