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Professors Riegel ist ihm in den Anlagen vor der Klinik ein Denkstein gesetzt worden. Schließlich sei noch bemerkt, daß die 1859 gepflanzte Schillereiche auf dem Lutherberge am 12. November 1905 durch einen Schiller— stein gekennzeichnet ist.
Friedhöfe. Der alte Friedhof, am Nahrungsberg gelegen, gewährt eine präch— tige Aussicht auf Stadt und Umgebung. Er enthält viele interessante alte und neuere Grab⸗Denkmäler. Seit dem 1. Juli 1903 wird er nur noch für Beerdigungen in Familienbegräbnissen benutzt. Der gleich— falls schön gelegene neue Friedhof am Rodberge erforderte zur Gesamtanlage zirka 300,000 M˙k. Er ist am 1. Juli 1903 er⸗ öffnet worden, besitzt eine große Kapelle mit Leichenhalle für Protestanten und Katholiken, sowie eine besondere Leichenhalle für Israe— liten. Die Statuten und Tarife siehe Seite 332.
Kirchen und Synagogen. Die neuerdings umgebaute Stadtkirche auf dem Kirchen— platze wurde an Stelle der alten, 1520 ge— weihten Pankratiuskirche in romanischem Stile errichtet und 1821 eingeweiht. Der von ihr getrennt stehende Turm gehörte noch zur Panhratiuskirche, sein Bau ist 1484 begonnen worden. An der Süd— Anlage steht die von Grisebach und Dinklage im Renaissancestil für 220,000 Mk. erbaute Johanneskirche, die am 30. No— vember 1893 eingeweiht wurde. Inmitten der Anlagen kommt dieser schlanke Bau vor— teilhaft zur Geltung. Auf dem alten Fried— hofe befindet sich eine kleine Kirche, 1625 von Johannes Ebel zum Hirsch erbaut, die in ihrer schlichten Bauart, mit ihren Galerien, den vielen Grabsteinen und Gedenktafeln, den bemalten hölzernen Standbildern Gießener Theologen sehr stimmungsvoll wirkt. Die alte einfache, 1840 errichtete katho— lisch? Rirche ist an der Ecke der Frankfurter und Liebigstraße erhöht gelegen.
Das Gebäude ist für die katholische Gemeinde
jetzt zu klein und durch eine neue Kirche er— setzt, von der vorläufig nur Chor, Quer— schiff und ein Joch des Langschiffes vollendet ist, während drei weitere Langschiffjoche und die Türme später errichtet werden. Die erste Bauperiode des in spätgotischem Stil nach Plänen des Architekten L. Becker in Mainz er⸗ richteten Baues begann 1902 und endete 1905. Die Synagoge der israel. Religions- gemeinde(Süd-Anlage 2) ist ein ganz würdiger Bau. Schlichter wirkt die 1900 vollendete Synagoge der israel. Reli— gionsgesellschaft(Steinstraße 8). Lehranstalten. Die feierliche Eröffnung der Landesuniversität erfolgte am 7. Ok⸗— tober 1607. Das neue Universitätsgebäude, Kollegienhaus(Ludwigstraße 23), wurde 1880 eingeweiht und bezogen. Seitlich davon
Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gießen
(Ludwigstraße 21) befindet sich das 1888 er— richtete, modern ausgestattete chemische La— boratorium. Hinter dem Kollegiengebäude (Goethestraße 55) liegt der imposante, 1901 eröffnete rote Backsteinbau mit den vorzüglich eingerichteten Instituten, dem physikali— schen Institut und physikalisch-chemi— schen Laboratorium. Zwischen Kollegien— haus und den physikalischen Instituten ist für eine neue größere, etwa 800 Personen fassende Aula von Reg.⸗Baumeister Frey ein besonderes Gebäude in Barockstil errichtet. Zum ersten Festahte gelegentlich der dritten Centennar— feier der Landes-Universität wurde diese Aula zuerst benutzt. Fast alle medizinischen Institute befinden sich, neuzeitlich eingerichtet, auf dem Seltersberge hinter der Frank— furter Straße, einen kleinen Stadtteil für sich bildend. Die Klinik für psychische und nervöse Krankheiten(Frankfurter Straße 99 und 111) ist nach Pavillon— system 1894—- 96 errichtet, das hygienische Institut(Frankfurter Straße 101) 1897. Davor(Klinikstraße 32) liegen Frauen⸗ klinik, medizinische Klinik und patho⸗ logisches Institut. Die mit allen modernen Einrichtungen versehenen Neubauten der chirurgischen Klinik(Klinikstr.) und der Augenklinik(Friedrichstr.) sind im Herbst 1907 in Gebrauch genommen. Nunmehr sind alle medizinischen Institute auf dem Seltersberge vereinigt bis auf die Ohren— klinik(Ciebigstraße 20), das anatomische, zoologische(Bahnhofstraße 84) und phy⸗— siologische Institut(Senckenbergstraße 15). Die veterinär-medizinischen Institute sind jetzt ebenfalls großartig eingerichtet an der gegenüberliegenden Seite der Straße (Frankfurter Straße 94), in den alten Häusern (Frankfurter Straße 85) befindet sich nur noch das veterinär-pathologische Institut. In das bisherige Gebäude für die Univ. Bibliothek(Brandplatz 4) sind das bota— nische und das geographische Institut, sowie das mathematisch-physikalische und das geodätische Kabinet untergebracht.
Das Gymnasium besteht seit 1605, war zuerst in dem Hause Sonnenstraße 15 unter— gebracht, befindet sich jetzt Süd-Anlage 6. Das 1837 gegründete Realgymnasium ist in einem stattlichen Gebäude zusammen mit der jetzt zu einer Oberrealschule erhobenen Realschule untergebracht(Ludwigstr 11). Für die höhere und erweiterte Mädchen⸗ schu le ist jetzt ein stattlicher Bau in der Nord— Anlage errichtet worden. Das alte Schul— haus(Schillerstraße 8) wird für die Stadt— mädchenschule(Wes⸗Anlage 43) mitbenutzt. Für die Stadtknabenschule sind zwei Gebäude, Neustadt 61 und ein schöner Neu— bau Nord-Anlage 8 vorhanden. An gewerb— lichen und sonstigen Fortbildungsschulen sind


