Jahrgang 
1906
Seite
V
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Geschichtliches und Statistisches von Gießen V.

Universität ist es zu danken, daß in dieser Zeit Schlimmeres von den Bürgern abgewendet wurde.

Die Festung beschloß mit dem alten Jahr⸗ hundert ihr Dasein, 1805- 10 wurden die Werke geschleift. Damit hatten jedoch die kriegerischen Erlebnisse der Stadt noch nicht ihr Ende erreicht, aber es waren nur deutsche Truppen, deren Bekanntschaft sie hinfort machen sollte.

Mit dem Fallen der Festungswerke war der Gürtel, der die Stadt einengte, gesprengt. Nicht nur konnten jetzt neue schöne Stadtteile entstehen, es waren auch dem Gewerbfleiß neue Bahnen erschlossen, und so wurde Gießen das, was es heute ist: eine blühende Stadt, in der Wissenschaft, Handel und Gewerbe einen gesegneten Boden finden.

Statistische Nachrichten.

Stadtgebiet und Bevölkerung. Der Flächeninhalt der Gemarkung Gießen betrug Ende 1904: 3418 ha 88 a 73 qm.

Die ortsanwesende Bevölkerung wurde

durch die allgemeine Volkszählung am 1. Dezember 1900 auf 25 491 Personen, einschl. der aus 1861 Personen bestehenden Garnison, festgestellt. Hiervon waren 13 142 männlichen und 12 349 weiblichen Geschlechts, nach Konfessionen getrennt 22048 Evangelische, 2464 Katholiken, 895 Jraeliten, 84 anderen Bekenntnisses und Konfessionslose. Nach den Mitteilungen der Zentralstelle für die Landesstatistiͤn hat sich die Bevölke⸗ rungsziffer unter Berücksichtigung der Zu⸗ und Wegzüge und des Ueberschusses der Ge⸗ burten gegenüber den Sterbefällen nunmehr auf etwa 28000 erhöht.

Die Bevölkerung bewohnte 1815 Gebäude und verteilte sich auf 4768 Haushaltungen von zwei und mehr Personen, 375 einzeln lebenden, selbständigen Personen und 32 An⸗ stalten.

Nach den Personenstandsverzeichnissen des Standesamts wurden im Jahre 1904 geboren 530 Knaben

480 Mädchen Zusammen 1010(1903: 980).

Die Zahl der Sterbefälle, einschl. der Totgeburten beträgt 619(1903: 651).

Ehen wurden geschlossen 189(1903: 182).

Vermögen und Schulden. Der Gesamt⸗ vermögensstand der Stadt Gießen stellt sich auf 16 360 341. 10 429 813

Die Schulden betragen sodaß ein Vermögensüber⸗

schuß verbleibt von 5 930 528. 3 Gemeindesteuern. Für 1904 wurden 120% chachlag zur staatl. Einkommensteuer und 1 ensoviel als Realsteuern(Grund⸗, Gewerbe⸗ nd Kapitalrentensteuer) erhoben.

Einkommensteuerpflichtige mit einem Ein⸗

Rommen von unter 500 4werden auf Be⸗ schluß der Stadtverordneten-Versammlung

zur Gemeindesteuer nicht herangezogen.

Veranlagt waren: zur Grundsteuer 3038 Personen

Gewerbesteuer 15⁵⁰ Kapitalrentensteuer 991 Einkommensteuer 6636

Der Gesamtausschlag an Gemeindesteuern bezifferte sich auf rund 800.000 A. Mit den Gemeindesteuern gelangten zur Erhebung rund 51.800 ν ev. Kirchensteuer, 5.400 5 kathol.

(ie 10% der Gemeindesteuer). Marktwesen. Es wurden abgehalten: an 41 Tagen Rindviehmarkt 14 Schweinemarkt

2Pferdemarkt 15 Krämermarkt. An Standgeld wurden vereinahmt: bei den Viehmärkten 2861.15% Krämermärkten 287.50 von Schaubuden ꝛc. 154.80 Unterrichts⸗ und Schulwesen. Die nach⸗ stehenden Unterrichtsanstalten weisen die bei⸗ gefügten Besuchsziffern auf:

Landesuniversität 11²2⁴4 Gymnasium 298 Vorschule 113 Realgymnasium241 Oberrealschule 4»464 Vorschule 14350 Höhere Mädchenschule. 380 Erweiterte 4 w'280 Stadtknabenschule 1091 Stadtmädchenschule. 1207 Fortbildungsschule 465 Kaufmännische Fachschule. 152

1. Gewerbeschule 79 2. Sonntags⸗ Danane zeichenschule 233 3. Meisterkursus 30 Alieeschulllk 110 Oeffentliche Bücher⸗ und Lesehalle. Vom 1. April 1904 bis dahin 1905 wurden zu⸗ sammen 26,371 Bücher ausgeliehen. Im Lesezimmer liegen etwa 1000 Bücher und 156 Zeitungen und Zeitschriften auf. Gas⸗, Wasser⸗ und Elektrizitätswerk. Der Gesamtgasverbrauch des Jahres 1904/05 betrung 1,539,271 ebm

der Wasserverbrauch 944,050 die Stromabgabe. 477,418 Kilowattst.

Schlachthof. Es wurden im Jahr 1904/05 geschlachtet: Ochsen. 1234 Fasel 159 Auh..2 Rinder 668

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