Jahrgang 
1904
Seite
VII
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wigs⸗Platz, von dem

an der

Fremdenführer

durch Gießen. VII

und Wasserwerk vorbei gelangen wir über die Wieseck-Brücke zum Lud⸗ aus links die Grünberger⸗- und Licher-Straße zur Neuen Kaserne und zu dem als Pavillongruppe erbauten und 1903 be⸗ zogenen Provinzial-Siechenhaus führen, während rechts die Ludwig

Straße uns in das akademische Viertel

Nahe nebeneinander stehen hier linken Seite der Straße das Gebäude für Realgymmnasium und Realschule, das chemische Labo ratorium und das Kollegienhaus der Universität. Hinter dem letzteren, an der Goethe-Straße, erhebt sich das neue modern eingerichtete Gebäude für dasphysikalische undphysikalisch chemische Institut. Nun verfolgen wir die Ludwig-Straße über den Körper der Oberhessischen Bahn hinaus bis zu

bringt.

ihrem Endpunkte und suchen von dort

aus die Frankfurter Sraße zu gewinnen, an deren höchstem Punkte eine kleine Stadt für sich die neuen Universi täts⸗Kliniken sich ausbreiten, die medizinische, die Frauen-, die psychia⸗ trische Klinik, sodann das hygienische und das pathologische Institut, endlich die Veterinär-Anstalt. Da wir einmal so weit gelangt sind, statten wir einen Besuch dem Braun- eisenstein-Bergwerk sinteressanter Tagbau) ab, dessen Drahtseilbahn wir vor uns laufen sehen. Dann aber eilen wir zurück, wenden uns an der Klinik⸗Straße links, überschreiten den Bahnübergang und kommen dann rechts zum Güterbahnhof, von dem nicht weit entfernt am Lahnufer das städtische Slektrizitätswerk seine mächtigen Turbinen dreht. Am Ufer der Lahn utlang kommen wir schließlich an den luß⸗Schwimmbädern vorbei, von denen dir zum städtischen Schlacht- und Biehhofe jenseits des Flusses hin überblicken, zu dem Biebertal

ahnhof, von dem aus wir wenn

K. es uns gelüstet einen lohnenden Aus⸗

flug in das reizende Biebertal mit der Obermühle(Geburtsstätte des Pariser Kupferstechers Wille 1715- 1808) und zum Dünsberg(.u.) unternehmen können.

An herrlichen Ausflugspunkten hat Gießen überhaupt keinen Mangel. Jen⸗ seits der Lahn ragen die Trümmer des oben oft genannten Gleibergs, den ein deutsches Königsgeschlecht um's Jahr 1000 erbaute und die Schweden 1646 zusammenschossen, und des Vetzbergs,

der still und melancholisch dahinter liegt.

Fern aus grünem Wald winkt die turm- gekrönte Kuppe des Dünsbergs, von dem man bei klarem Wetter die herrlichste Aussicht bis nach Wetzlar und Marburg genießt und von dem aus man fliegen möchte hinüber über Tal und Fluß und Stadt auf den waldigen Rücken des Schiffenbergs, der sich im Osten seltsam hinstreckt. Hier beteten einst fromme Augustiner, und stolz trugen nach ihnen die Brüder vom Deutschen Orden ihre weißen Mäntel mit dem schwarzen Kreuz zu Tal, wenn es galt, mit den reichen Cistereiensern in Kloster Arnsburg vorteilhaften Tausch zu schließen oder hartnäckig behauptete Rechte zu verteidigen. Noch einmal kehren wir zur Lahn zurück, folgen auf wärts ihrem Lauf und besuchen die malerische, am Ufer des Flusses ver steckte Badenburg und etwa eine Stunde weiter den hohen Staufenberg mit seinen beiden Burgen, die herab blicken auf das stille Kirchberg am Lahnufer und auf die rauchenden Schlote der Hochöfen Lollars.

Doch auch in größerer Nähe findet der Wanderer Erholung. Im Osten der Stadt breiten sich ausgedehnte Wäl⸗ der aus, Tannen- und Buchenwald, in reizvoller Abwechslung durchzogen von bequemen Pfaden. Da ist zunächst der parkartig gehaltene Philosophen⸗ wald, von dessen Rand man gar sehön hinüberblickt nach der Stadt und den Höhen des Gleibergs und Vetzbergs.