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auch an uns. Der Wille des Helden hat uns mit unwidersteh- licher Gewalt in seine Kreise gezogen, in Bahnen, die zum Tode führten. So setzen sich die Gefühle der Unlust aus sym- pathischen, transzendenten, persönlichen Empfindungen zusammen.
In unsere trübe Stimmung aber mischt sich, das Düster verscheuchend, ein heller Lichtstrahl der Erhebung. Wohl ist der Held gefallen; doch ist er mit staunenswerter Kraft, mit seinem vollen Lebensinhalte für sein edles Ziel eingetreten, er hat die grosse Aufgabe seines Daseins siegreich gelöst; oder er hat im Tode Sühne gegeben für seine Schuld, verheissungsvoll bricht eine neue Epoche an. Mit berechtigtem Selbstbewusstsein fühlen wir uns als Glieder der grossen Menschheitsfamilie, die solch willenskräftige, starkmütige Persönlichkeiten ihr eigen nennt. In ahnungsvollem Schauer aber erkennen wir über dem Ganzen das unerforschliche Walten der Vorsehung, die aus dem frischen Schutte des Grabes neue lebenskräftige Formen hervorspriessen lässt, die den Frevelthäter bestraft und den Reuigen durch nächtige Dämmerung zum Lichte geleitet. Mithin sind auch die Gefühle der Lust sympathischer, transzendenter, per- sönlicher Art. ¹)
Damit sind wir beim Schlusse der Arbeit angelangt. Werfen wir noch einen kurzen Rückblick auf den wesentlichsten Unter- schied zwischen dem heiteren und ernsten Spiel! Während uns die Komöcdie in die ergötzliche Welt des Widerspruchs versetzt, in der nicht um hohe Interessen der Allgemeinheit gekämpft wird, sondern um die alltäglichen Fragen des Daseins, stellt uns der tragische Dichter die ringende Menschheit vor Augen, wie sie teils in abenteuerlich selbstsüchtiger Hast die ewigen Gesetze der sittlichen Welt abstreift oder im Streben nach grossen, oft unerreichbaren Aufgaben zusammenbricht. Höchste Tugenden und unergründliche Laster werden in diesem Irrgarten der Poesie wunderbar gezeitigt, und Tausende schöpfen daraus Erleuchtung und Belehrung.
¹) Aus der ästhetischen Wirkung folgt organisch die moralische.


