Aufsatz 
Zur Auffassung und Erklärung des Dramatischen
Entstehung
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Hauses vorbereitet, der ferner den Helden niederwirft, um ihn desto glorreicher zu erheben, dann werden alle Vorgänge in eine höhere Perspektive gerückt, auch unser moralisches Gefühl wird be- friedigt. Xhnlich verhält es sich in der Braut von Messina. Was hätte beispielsweise die Mutter thun sollen, um dem unabänder- lichen Fatum zu entrinnen? So oder anders, das Ende bleibt das gleiche. Ich finde mich dabei in völliger Übereinstimmung mit Bellermann: ¹)Noch reiner steht Isabella da. Zwar hat man auch dieser hohen und edlen Gestalt, ähnlich wie dem Odipus, ein schweres Sündenregister vorgehalten, um nur ja die Gerechtig- keit des Schicksals zu retten.Zu solchen Abenteuerlichkeiten kann man kommen, wenn man, anstatt dem Sinne des Dichters in seinen Worten zu lauschen, mit einer vorgefassten Meinung an ihn herantritt.

Es bleiben noch die Fälle festzustellen, in denen unbedingt eine tragische Schuld anzunehmen ist. Ich gehe dabei von dem unanfechtbaren Satze Volkelts²) aus, wonachdas Vor- handensein von tragischer Schuld stets von der in der vorliegenden Dichtung zum Ausdruck kommenden Auffassung des Dichters aus beurteilt werden muss.

Selbstverständlich ist eine Schuld anzunehmen, wenn sie mit der Katastrophe in ursächlichem Zusammenhange steht. Gewöhnlich hat der tragische Held in diesem Falle auch das subjektive Bewusstseiu seiner Verschuldung. Othello geht in den Tod, weil er im blinden Wahn Desdemona ermordet hat, und- nur deswegen. Aber schon im Koriolan ist die Motivierung der Katastrophe anderer Art. Der Held geht unter nicht etwa wegen des Verrates an seiner Vaterstadt allein, sondern wegen seiner liebenswerten Nachgiebigkeit gegen seine Mutter. Allerdings ist dieser erschütternde Seelenkampf eine weitere Folge seiner Ver- schuldung. Noch eine dritte Möglichkeit ist gegeben. Der Held zieht sich eine objektive Schuld zu, ohne dass er zu voller Er- kenntnis durchdringt. In diesem Falle ist nur der Standpunkt des Dichters massgebend. Unter allen Umständen ist es verkehrt, willkürlich seine eigene moralische Anschauung, und wenn sie sich auf ungleich höherer Bahn bewegte, in das Kunstwerk hineinzutragen; dadurch dringt fremdes Blut in den lebendigen

¹) Schillers Dramen II, p. 350. ) A. 91l. O., p. 161.