Aufsatz 
Zur Auffassung und Erklärung des Dramatischen
Entstehung
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27 er leidenschaftlich begehrt, der wird keine Augen für die Schön- heiten seines Weges haben und für das Schönste, Witzigste, was ihm ein Begegnender mitteilt, für die geistreichste, amüsanteste Unterhaltung kaum ein halbes Ohr; ja er wird den Begegnenden, der ihn aufhalten will, und dem er unter andern Umständen stunden- lang lauschen könnte, los zu werden suchen, je schneller je lieber.

Freilich wird diese Anteilnahme, je nach der Art der dra- matischen Persönlichkeit, verschieden sein, bald ungeteilt, bald. einseitig. Wenn Maria Stuart in berechtigtem Stolze ihrer Gegnerin gegenübertritt, wenn sie dieselbe mit flammenden Worten nieder- schmettert, da endet jeder Missklang zwischen Heldin und Zu- schauer, ihr Wille, ihr Gefühl sind die seinigen.)) Wenn da- gegen Richard III. von Verbrechen zu Verbrechen schreitet, senkt sich kein Gefühl in unsere Seele; denn der Usurpator selbst hat kein Herz als für seinen Moloch. Aber unser Wille wird angespornt durch seine ungemessene Kraft und unsere Phantasie.

Über die Wirkung des Komischen und der Komõödie kann ich mich kurz fassen. Sobald die Illusion uns einmal in die eigene Welt des Helden getragen hat, gehen wir gerne mit ihm; aber weil der Hinblick auf das Gegenspiel uns eine Reihe ergötzlicher Verwicklungen ²) in Aussicht stellt, so bemächtigt sich unser ein sich steigerndes Gefühl des Wohlgefallens und frohgemuter Er- heiterung, das am Schlusse mit der Lösung der Spannung seine höchste Stufe erreicht.

Eine genauere Behandlung erfordert die tragische Wirkung als eine der mächtigsten Kusserungen der Kunst überhaupt. Auch hierin bildet das Dramatische die Unterstufe des Tragischen. Schon in ersterem haben wir mit dem Helden, wenn er den Ent- schluss fasst, die Empfindung einer Befreiung von einem Drucke; dieses Gefühl der Erlösung gewinnt im Tragischen gesteigerte Bedeutung; deshalb scheide ich zwischen tragischer Stim- mung während der Handlung und tragischer Schluss- wirkung. In der Tragödie ist alles in die Sphäre des Grossen, Gewaltigen gerückt. Darum wird der Wille des Zuschauers mit unwiderstehlicher Wucht fortgerissen, sein Gefühl schwankt zwischen höchstem Entzücken und tiefstem Schmerze; daneben

¹) Doch schon hierin kann der persönliche Standpunkt cine gewisse Rolle spielen.

²) Leider kann ich auf eine genauere Darlegung der Quellen des Komischen nicht eingehen.