Aufsatz 
Zur Auffassung und Erklärung des Dramatischen
Entstehung
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Man kann immerhin diese Art der Verbindung als eine äusserliche bezeichnen: zur notwendigen Ergänzung, zu einem unentbehrlichen Bestandteile des Dramas wird das Lyrische in folgenden drei Fällen. Wie im Leben wirkt ein bedeutsames Ereignis gewöhnlich nicht unmittelbar auf den Willen nur wo rücksichtslose Willenskraft allein herrscht und selbstsüchtiger Thatendrang wie in Richard III., ist dies der Fall, sondern es geschieht dies erst durch das Medium des Gefühls. AlSo kann der Dichter von einer Darstellung dieser Empfindungen nicht absehen, wenn er lebenswahre Gestalten vor unseren Augen erstehen lassen will. In wunderbarer Weise beherrscht Grill- parzer diese Kunst. Als der Priester inDes Meeres und der Liebe Wellen Hero in den Turm am Meere geleitet, wo die PriesterinSammlung erhofft für ihren entsagungsreichen Beruf, preist er in prachtvollen Worten die himmlische Gabe der Samm- lung,die in den engen Kreis herniedersteigt. ¹)

Spricht's so in dir? Dann, Kind, Glück auf! Dann wirst du wandeln hier, ein sclig Wesen, Des Staubes Wünsche weichen scheu zurück;

Und wie der Mann, der abends blickt gen Himmel, Im Zwielicht noch, und nichts ersieht als Grau, Farbloses Grau, nicht Nacht und nicht erleuchtet, Doch schauend unverwandt, blinkt dort ein Stern, Und dort ein zweiter, dritter, hundert, tausend, Die Ahnung einer reichen, gotterhellten Nacht, Ihm nieder in die feuchten, sel'gen Augen.

Wir sind im Banne der weihevollen Stimmung. Irdische Wünsche müssen verstummen an der Tempelschwelle der strengen Aphrodite, eine ernste Mahnung an die Priesterin. Hero ist allein. Träumend blickt sie über die Meeresfläche zum fernen Abydos hin. Schon trübt die erste Begegnung mit Leander die Einheit ihrer Seele: das erste leise Anschwellen der verderblichen Sturmflut.

Wie ruhig ist die Nacht! Der Hellespont Lässt, Kindern gleich, die frommen Wellen spielen. Sie flüstern kaum, so still sind sie vergnügt.

Kein Laut, kein Schimmer rings; nur meine Lampe Wirft bleiche Lichter durch die dunkle Luft.

Lass mich dich rücken hier an diese Stäbe!

Der späte Wanderer erquicke sich

An dem Gedanken, dass noch jemand wacht,

Und bis zu fernen Ufern jenseits hin

Sei du ein Stern und strahle durch die Nacht!

¹) Vgl. das GedichtAn die Sammlung.