Aufsatz 
Zur Auffassung und Erklärung des Dramatischen
Entstehung
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That, die aus dem Entschlusse entspringt. Dabei verändert das Epische allerdings seinen ursprünglichen Charakter wesentlich. Es verliert das Gepräge breiter Fülle und erhabener Ruhe, indem es sich der Ausdrucksform des Dramatischen, dialogischer Form und lebendiger Aktion, anbequemen muss. Aus diesem Grunde erscheint das Episch-Dramatische so leicht als rein dramatischer Natur. Selbst wenn es in zusammenhängendem Flusse dahinströmt, bewegt es sich in schärferen Gegensätzen und schrofferer Gliederung. Hervorragende Beispiele sind der Bericht Judahs über seine Erleb- nisse zu Jerusalem in Otto Ludwigs Makkabäern und die epischen Ab- schnitte in Kleists Penthesilea. So erzählt der dramatische Dichter. Aber auch wenn das Dramatische und Epische zu fest- gefügter Einheit verbunden sind, so fehlt noch etwas, um den reichen, tiefgründigen Gesamteindruck einer dramatischen Szene zu erklären. Man mag das Dramatische dem starken Stamme vergleichen, aus dem die Wurzeln und Aste(das Epische) hervor- wachsen. Doch erst durch Blätter und Blüten gewinnt der Baum sein blühendes Leben, wie das Drama durch das Lyrische. Vor allem dient dieses dazu, um in die Grundstimmung nicht nur des ganzen Dramas, sondern jeder besonderen Aktion einzuführen. Was Otto Ludwig über die Stimmung der Szenen bei Shakespeare ausführt, gilt mit geringen Modifikationen von allen Dramen grossen Stils:Jedes seiner Stücke hat seine eigne hellere oder trübere Atmosphäre. Jede Szene hat wieder ihre Stimmung; seine wunder- barste Kunst, wie er alles, was sie nur erwecken kann, aneinander reiht, und so auch die Phantasie, nicht allein den Verstand, zum Kühnsten vorbereitet. Die Stimmungen aller Szenen setzen wiederum die Stimmung des Ganzen in ähnlicher Weise zusammen, eine Arte Kausalitätsnexus der Phantasie.¹) In dieser Hinsicht spielt das Lyrische eine wichtige Rolle. Denn während die Natur- und auch die Zeitstimmung vorwiegend durch das Theatralische in uns er- weckt werden, bringt uns das Lyrische die Seelenstimmung der handelnden Personen,I ihr Hoffen und Fürchten zum Bewusstsein. Ich verweise auf die Gartenszene in Maria Stuart. Wie neubelebt fühlt sich die unglückliche Schottenkönigin im frischen Waldesgrün, unter dem Baldachin des Himmels, an dem die weissen Wolkenschleier vorüberziehen! Ihr überquellendes Gefühl strömt aus in lyrischen Akkorden: Bilende Wolken, Segler der Lüfte!

¹) Studien I, p. 78.