Aufsatz 
Zur Auffassung und Erklärung des Dramatischen
Entstehung
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ihr möglichstes, um auch hierin ihren Schülern eine sichere Grundlage zu geben. Mit wieviel Schwierigkeiten und Hemm- nissen dabei zu rechnen ist, davon kann jeder Fachmann ein Lied singen. Wenn übrigens auch Begabte in dieser Kunst bedauer- licherweise keine weiteren Fortschritte machen, so trifft die Schuld nicht die Lehrer, sondern die selbst, welche die Gelegenheit zu gründlicherer Ausbildung versäumen.

Verbindung des Dramatischen mit dem Epischen und Lyrischen.

Epische Thatsachen und lyrische Motive finden eine aus- gedehnte Verwertung im Drama, oft in breiterer Ausführung. Ich brauche nicht an Kampfszenen, Botenberichte, eingestreute Lieder zu erinnern. Aus der Definition des Dramatischen, die das eigentliche Gebiet desselben scharf gegenüber dem Epischen und Lyrischen abgrenzt, ergibt sich von selbst die Notwendigkeit der Verknüpfung mit den beiden anderen Dichtungsarten. Denn jeder Zwiespalt des Willens setzt gewisse Ereignisse, Handlungen, überhaupt Thatsachen voraus, über die der Dichter den Zuhörer unterrichten muss. Dies geschieht entweder in der einfachen Form der Erzählung oder in bewegtem Zwiegespräche. Somit bedingt jede dramatische Einzelaktion ihrerregendes Moment. Be- merkenswert ist, wie in den gewaltigsten Kusserungen drama- tischer Kraft sich der epische Anfang sofort in dramatisches Leben umsetzt. König Lear enthüllt in der Eingangsszene seinen folgeschweren Entschluss. Umvon seinem Alter Sorg' und Müh' zu schütteln, hat er sein Reich in drei Teile geschieden und willJüngrer Kraft die Bürde der Regierung anvertrauen. Zu- gleich fordert er seine Töchter auf, zu bekennen, welche von ihnen die grösste Liebe zu ihm hege. Sofort wirft diese Pröffnung nach drei Seiten ihre Schatten. Während Goneril und Regan sich in Liebesbeteuerungen zu überbieten suchen, schwankt die edle Dordelia unschlüssig hin und her. Wohl liebt sie ihren Vater aus dem Grunde ihrer Seele; aber das wahre Gefühl kleidet sich nicht in prunkende Worte und leicht verletzt flüchtet es sich in den tiefen Schrein des Herzens:

Ich lieb Eu'r Hoheit Wie's meiner Pflicht geziemt, nicht mehr, nicht minder.