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Aber noch eine weitere Folgerung entspringt daraus. Die moderne Zeit gibt sich mit einem Bilde ohne Rahmen nicht mehr zufrieden wie Shakespeares Zeitgenossen; sie will neben dem eigentlichen Spiele auch die Darstellung der örtlichen Umgebung und der zeitlichen Verhältnisse auf sich wirken lassen. Darum gesellen sich zur Vervollständigung der IIlusion noch die Dekorationen, Nostüme, die Inszenierung, überhaupt das Theatralische hinzu,¹) worin heutzutage möglichste historische Treue angestrebt wird. Zum Schlusse dieses Abschnittes noch einige Worte über den dramatischen Vortrag in der Schule.„Ein schöner Vortrag einzelner Szenen durch den Lehrer,“ sagt Bettingen,²)„und das allmählich mehr und mehr Schüler erfassende Interesse an schönem Vortrag ist mehr wert als seitenlange philologische Kommentare, die es glücklich erreichen, dass der Schüler die Lust an der Schullektüre verliert und sein Lesebedürfnis auf andere Weise, oft mit Schund- litteratur befriedigt, die nicht»so gelehrt« ist.“ Über die tiefe, nachhaltige Wirkung des dramatischen Vortrags äussert sich ein berufener Kenner ³) folgendermassen:„Der dramatische Vortrag eines Stückes, wenn er in wirklicher Vollendung geboten wird, gehört zum Eindrucksvollsten und Lebendigsten, was unserer Phantasie durch das gesprochene Wort überhaupt vermittelt werden kann. Nur wer in seiner Kehle eine unendliche Mannig- faltigkeit von Nuancen der Stimme und in seiner Seele über einen raschen Wechsel der Empfindungen verfügt, wird sich dabei als wirklicher Künstler behaupten können.“ Gewiss ist er auch im vollen Recht, wenn er den hohen Bildungswert der Vortrags- kunst hervorhebt; denn„eine edle Dichtung, von einem Lehrer schön vorgelesen, dringt durch den Mund der Kinder, welche oft gar viele Anlage mitbringen, in die dunkle Hütte des armen Mannes und erscheint dort wie ein Lichtstrahl der Schönheit, wie ein fröhlicher Bote aus den Höhen der Menschheit.“⁴¹) Doch geht Zabel auf der anderen Seite entschieden zu weit, wenn er die Schuld für„das geringe Mass von Können und Wissen, das sich der Einzelne in Bezug auf die Kunst des Vortrags angeeignet hat“, mit einem wohlfeilen Seitenhieb auf die Lehrer abwälzt, „die selbst nicht viel davon verstehen“. Die Schule thut gewiss
¹) Ich fasse das Theatralische in diesem engeren Sinne.
²) Grundzüge der dramatischen Kunst, p. 13.
*) Zabel, Zur modernen Dramaturgie I, p. 21.
¹) So lautet das ideal gestimmte Urteil Palleskes, Kunst des Vortrags.
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