Aufsatz 
Zur Auffassung und Erklärung des Dramatischen
Entstehung
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gegengesetzte Welt versetzt, eine Welt, in der jedoch ebenfalls Willensentzweiung mit Willensentschliessung Hand in Hand geht. An diesem Grundgesetze haben die besseren Komödiendichter immer festgehalten.

Wir wenden uns nunmehr zur Darstellungsform des Drama- tischen, die häufig genug zum Nachteil für die Erklärung als das spezifisch Unterscheidende desselben aufgefasst wurde. Mit Un- recht. Wenn man ein lyrisches Gedicht mit allem Aufwand dra- matischen Ausdrucks vorträgt, wird es dadurch nicht dramatisch, und ebensowenig eine epische Erzählung, ausser wenn wirklich dramatisches Leben darin pulsiert. Das äussere Darstellungsmittel für jede Gattung der Poesie bildet das Wort. Der Inhalt der epischen Dichtung ist die Erzählung, also ist die Ausdrucksform für das ernste Heldengedicht der festliche Vortrag, die Rezitation, so wie sie in alter Zeit die Rhapsoden handhabten, so wie in neuester Zeit Wilhelm Jordan seineNibelungen unter grösstem Beifall in vielen deutschen Städten vortrug; denn keine der drei Dichtungsarten ist ursprünglich für das Lesen bestimmt; sonst geht ein wichtiger Teil ihrer Wirkung(auf das Ohr des Zu- hörers) verloren. Die Lyrik bringt die Empfindungen des Dichters zur Darstellung. Genügt nun der einfache, sprechmässige Vor- trag, um die reichen Gefühlsschattierungen vomhimmelhoch Jauchzenden bis zur Betrübnis des Todes wiederzugeben? Ge- wiss nicht! Wie der empfindende Mensch, wenn sein Herz ein ungewohntes Gefühl schwellt, im Liede Lösung und Erquickung sucht und findet, so ist die Ausdrucksform der Lyrik überhaupt der Gesang. Das Dramatische dagegen postuliert aus zwei Gründen eine wesentlich verschiedene Vortragsform. Da nämlich der Wille sich nur im Widerspiel mit gegnerischen Mächten auslebt, er- fordert es dialogische Form und damit unter verschiedene Per- sonen verteilten Vortrag. Da ferner die ganzen Willensprozesse als werdende Vorgänge, nicht als fertige Thatsachen zur Dar- stellung gelangen, so bedingt das Dramatische ausserdem eine gegenwärtige, lebensvolle Veranschaulichung auf der Bülme, ein der Wirklichkeit abgelauschtes Spiel. Entsprechende Aktionen und Gesten, die auch im Leben die inneren Bewegungen des Willens begleiten, dienen zur Steigerung des unmittelbaren Ein- drucks. Beide Forderungen, die aus dem innersten Wesen des Dramatischen von selbst hervorgehen, lassen sich unter der Be- zeichnungAusdrucksform des Dramatischen zusammenfassen.