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kann. Ja, die tragische Wucht verdichtet sich zu ihrer vollen Gewalt gewöhnlich nur in dem Haupthelden, und dieser reisst seine nächste Umgebung in seinem Falle unwiderstehlich mit sich fort, wie unter der stürzenden Eiche die schwächeren Nachbarn zerschmettert werden, ähnlich wie auch das Dramatische in un- mittelbarer oder mittelbarer Beziehung zum Haupthelden steht. ¹) Wie überhaupt, halten die grossen Dramatiker besonders in der Anlage des Tragischen den Kausalnexus fest, die innige Ver- knüpfung von Ursache und Folge. Je überzeugender der Dichter aus dem Charakter den Entschluss und aus diesem die Katastrophe hervorgehen lässt, desto tiefer ist der tragische Gehalt, desto mächtiger die Wirkung. Unvergleichlich ist dies der Fall in Shakespeares Koriolan. Nicht ein Zufall unterbricht den folge- richtigen Gang der Handlung, wir haben am Schlusse die un- bedingte Gewissheit, so und nicht anders musste der unbeugsame Held, der uns im höheren Sinne an das krankhafte Schlagwort modernen„Ubermenschentums“ erinnert, sein Ende nehmen. Freilich, wenn wir an diese selbstsüchtigen, saft- und kraftlosen „Ubermenschen“ neuester Erfindung denken, wird uns der Uber- gang zum Komischen, zu dem wir uns jetzt wenden, erleichtert. Auch das Komische hat seinen Anteil am Dramatischen, wenn auch hierin ein Sprung ins„Unmotivierte“, ins Reich der Phan- tasie verzeihlicher erscheint. Das Komische liefert uns in gewissem Sinne die Antipoden der tragischen Helden. Denn während es sich im ernsten Drama um Lebensinteressen des einzelnen Menschen, um hohe, unveräusserliche Güter der Menschheit handelt, stehen hier Dinge auf dem Spiel, Wünsche, Willensrichtungen, die uns von Anfang ab als leicht entwirrbar vorkommen oder auch gleich ein Lächeln entlocken. Wenn im„Kaufmann von Venedig“„ein Pfund Fleisch“ den Kernpunkt der Verwicklung bildet, so glaubt niemand im Ernst an einen tragischen Ausgang der Handlung, und es bleibt unbegreiflich, wie man diesem Muster eines Lust- spiels tragische Konflikte unterschieben konnte. Oder wenn der „Bourgeois-gentilhomme“, um seine bäuerische Erziehung aufzu- putzen, in seinen alten Tagen Anstands-, Tanz- und Fechtstunden nimmt, da fühlen wir uns in eine eigene, dem Tragischen ent-
¹) Darin beruht ein wichtiges Moment der Einheit des Dramas. Der Ver- fasser hatte ursprünglich die Absicht, die epische, lyrische, dramatische Einheit im Zusammenhange zu behandeln, doch aus Mangel an Zeit musste er davon Abstand nehmen. 2


