15 gar bei Hofe„präsentiert“ werden! Genug, der Oberst nimmt nach längerem Schwanken, nach eindringlichem Zureden der Deputation, die seine Achillesferse wohl kennt, die Wahl an. Das Dramatische beschränkt sich natürlich nicht einseitig auf die Vertreter der Hauptrollen, sondern es ist in den höchsten Schöpfungen dramatischer Kunst über die ganze Haupthandlung ausgebreitet, und selbst episodische Figuren sind mit dem Geiste desselben erfüllt. Unwillkürlich fällt mir die groteske Szene im „Julius Cäsar“ ein, in der Cinna der Poet auftritt: Mir träumte heut', dass ich mit Cäsarn schmauste,
Und Missgeschick füllt meine Phantasie.
Ich bin unlustig, aus dem Haus zu gehn,
Doch treibt es mich heraus.
Und so verfällt er seinem tragikomischen Geschicke. Eine glückliche Parodie zu Cäsars Schwanken, bevor er an den ver- hängnisreichen Iden zur Senatssitzung aufbricht! Immer aber steht das Dramatische in enger Beziehung zur Haupthandlung, teils fördernd, teils hemmend, während es in der Episode den besonderen Zwecken derselben dient.
In welchem Verhältnisse nun steht das Dramatische zum Tragischen und Komischen? Ich kann und will nicht auf die zahlreichen Theorien des Tragischen eingehen. Der geheimnisvolle Zauber dieses Begriffes hat immer seine Anziehungskraft auf Denkende ausgeübt. Freilich hat der logische Zwang des Systems und die subjektive Art der Weltanschauung meist zu einseitigen Ergebnissen geführt. Am umfassendsten ist die Definition Vischers. ¹)
Der bekannte Asthetiker unterscheidet drei Formen des ragischen: das Tragische als Gesetz des Universums, das Tragische der Schuld, das Tragische des sittlichen Konflikts. Freilich geht bei dieser Bestimmung die Einheit des Begriffs verloren. Auch die geläufige Verquickung des Tragischen des Lebens mit dem Tragischen der Dichtkunst hat manche Ver- wirrung angerichtet. Was in der Wirklichkeit tragisch erscheint, ist dies noch nicht im eigentlichen Drama. Denn während wir im Leben nicht immer die tiefausholenden Wurzeln, die feinen Fäden überblicken, aus denen sich das verderbliche Netz zu- sammenstrickt, herrscht im Drama straffer, ursächlicher Zusammen- hang. Ein Baustein nach dem andern wird gelockert, und wenn
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¹) Vischer, Asthetik I, p. 301 ff.


