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verschieden.“ Warum denn doppelte Begriffsbestimmung, wenn beide„Richtungen nicht grundverschieden“ sind? Betrachten wir zuerst die zweite Art der Erklärung genauer! Ist nicht jede „Seelenbewegung“ in der unverfälschten lyrischen Poesie durch äussere Einflüsse, also auch durch„eigenes und fremdes IIandeln“ hervorgerufen? Eigenes Verschulden, fremder Verrat, fremde Untreue und eigenmächtiges Handeln strömen oft in erschütternder Emnpfindung aus, ohne dass wir den Eindruck des spezifisch Dramatischen empfangen.
Ebenso entspringt auch aus jenen„Starken Seelenbewegungen, welche sich bis zum Willen und Thun verhärten“, nicht in allen Fällen das eigenartige Gefühl, das wir mit dem Dramatischen zu verbinden pflegen, wenigstens nicht in voller Stärke. In dieser Beziehung stehen Zriny und sein hochgemutes Weib an un- mittelbar dramatischer Wirkung erheblich hinter Soliman und Juranitsch zurück. An der Einheitlichkeit und Geschlossenheit scheitert gar häufig die Umbildung geschichtlicher Persönlichkeiten zu dramatisch wirkungskräftigen Charakteren. Wie glücklich hat Schiller im Tell diese Klippe gemieden!
Auch mit der Erklärung ist nicht viel geholfen, dass„das Drama die objektive Darstellung des Epos mit der subjektiven der Lyrik zu einer höheren Einheit verbinde“. Worin besteht eben diese„höhere Einheit“? Einen Schritt näher kommt Beller- mann ¹) dem eigentlichen Sachverhalte, wenn er das„unverkenn- bar Unterscheidende“ in der dialogischen Form findet. Gewiss liegt darin eine„differentia specifica“, jedoch nur der Ausdrucks- form. Dann verdiente auch manche Satire den Namen eines Dramas; denn diese Dichtgattung weist mit der griechischen Ko- mödie eine gewisse Verwandtschaft auf; aber es ist keine Bluts- verwandtschaft, sondern nur eine Verschwägerung. Unverständlich vollends erscheint es, wenn Lotze,²) indem er die äussere Form zum Einteilungsgrunde nimmt, nur zwei Arten der Poesie gelten lässt, die epische und ihr gegenüber als besondere Einheit das Lyrische und Dramatische. Die Kehrseite dazu bildet die Theorie Kerns,³) der Epos und Drama als Darstellungsformen des Handelns zusammenfasst, während er die Lyrik davon absondert. Jeder Unbefangene erkennt sofort: das sind leere rationale Abstraktionen,
¹) In seinem feinsinnigen Werke, Schillers Dramen I, p. 7 ff.
²) Geschichte der Asthetik.
²) Kern, Lehrstoff für den deutschen Unterricht in Prima.


