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methode, die sich vor allem hüten soll, auch die Dichtwerke zu dürren Abstraktionen und UÜbungen des Verstandes zu miss- brauchen.“* ¹)
Aus diesen Gründen kann ich der Richtung, wie sie z. B. Unbescheid²) vertritt, wonach der ganze Apparat des Aufbaus zur Erläuterung Schillers aufgeboten wird, nur mit erheblichen Einschränkungen beistimmen. Diese deduktive Methode, die den Beurteilenden höher stellt als den Beurteilten, hat sich gottlob überlebt. Nicht von erhabener Warte aus sollen wir die Schöpfungen des Genius beurteilen— dieser Standpunkt ist freilich der be- quemere—, sondern wir sollen uns dankbar mit dem Dichter in die Höhe erheben. Auch die neuere Kritik hat längst die dogmatischen Fesseln abgestreift und kehrt auf dem Umwege der historischen Richtung zu ihrer wichtigsten Aufgabe, zur ästhetischen Würdigung, zurück. Eine eingehendere Begründung dieser An- sicht überschreitet den Raum der Arbeit. Nur eines sei hervor- gehoben. Zu leicht gewinnt der Schüler den Eindruck, als ob der wahre Dichter lediglich nach bekannten Regeln arbeite; da- mit aber schwindet unbewusst die Achtung vor dem Kunstwerke, und die kostbare Fähigkeit geht verloren, jeder eigengearteten Schöpfung ohne Vorurteil entgegenzutreten. Wenn heute eine geniale Persönlichkeit aufträte, wer ist sicher davor, dass die Theorien, die er gestern noch mit Emphase vertrat, in mancher Hlinsicht Lügen gestraft werden? Gottsched ist ein klassischer Zeuge dafür. Nicht unreife Kritiker soll die Schule erziehen, die mit veralteten Schulmeinungen ins Leben übertreten, zu kritisieren ist Sache des gereiften Mannes, sondern Freunde und Verehrer unserer Literatur, des köstlichsten nationalen Schatzes! Wenn nun der gleiche Verfasser ³) es„als eine die Grenzen der Schule weit überschreitende Aufgabe“ bezeichnet,„die noch(¹) Lernenden zur Erkenntnis der Wahrheit des Satzes(Freytag, p. 233) zu führen: dass das Schaffen in der Hauptsache mit einer Naturkraft geschieht, in welcher dem Dichter unbewusst derselbe logische Zwang thätig ist, den wir vor dem fertigen Nunstwerk durch Nachdenken als innewohnendes Gesetz des geistigen Schaffens erkennen“, so hat er allerdings recht. Dem
¹) Bettingen, p. 45.
²) Unbescheid, Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektürc*, zu ver- gleichen ist übrigens die Schlussbemerkung in der 2. Auflage.
²) Unbescheid, a. gl. O. p. 8.


