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Während im Sommer die übergrosse Hitze den ruhigen Fortgang des Unterrichts nicht unwesentlich beeinträchtigt hatte, mussten, nicht gerade zum Leidwesen der Schüler, infolge frühzeitig eintretender Kälte der Unterricht sogar um mehrere Tage gekürzt werden, da die neu errichteten Heizkörper noch nicht gebrauchsfähig waren; auch sah sich der Direktor genötigt, zur Verhütung von Erkältungserscheinungen die ganze Anstalt wiederholt zu straffen, turnerischen Marschübungen zusammenzuziehen.
Mit Beginn des Winterhalbjahres wurde anstelle des ins Ministerium berufenen Pro- vinzialschulrats Dr. Gräber zum Kgl. Dezernenten der Anstalt der bisherige Direktor des Göthegymnasiums zu Frankfurt am Main, Provinzialschulrat Dr. Bruhn berufen.
Auch treten zu dieser Zeit die beiden neugewählten Oberlehrer Dr. Philipp und Dr. Trautmann in den Lehrkörper ein, während Kandidat Johannes Krüger von Lands- berg a. W. zur Ableistung seines Probejahres der Anstalt überwiesen wurde.
Am 23. Oktober erhielten die Schüler durch praktische Vorführungen eines Fachmannes in der Aula einen Einblick in die Glasbläserei.
Das Reformationsfest fand am 31. Oktober in Gestalt einer Familienfeier im weiteren Sinne statt. Die Festrede des Oberlehrers Kalow bot ein fesselndes Kulturbild aus der Zeit Luthers dar und beleuchtete die Beziehungen seiner grossen nationalen Ideen zur Gegenwart. Vertreter der städtischen Behörden, sowie zahlreiche Angehörige der Schüler waren der Einladung hierzu gefolgt.
Im November begründete der Direktor im Einvernehmen mit den Lehrern der Ober- realschule i. E. zur Förderung körperlicher Tüchtigkeit und mannhafter, vaterländischer Ge- sinnung einen Schülerturnverein, dessen Vorsitz Lehrer an der Oberrealschule Kunert in dankenswerter Weise übernanm. Auch der Magistrat unterstützte den jungen Verein durch Gewährung einer einmaligen Gründungssumme von 50 Mk.
Gleichzeitig wurde einem Gesuch des Direktors um Bewilligung von Mitteln für die Begründung einer Trommel- und Pfeiferriege vom Patronat entsprochen.
Am 6. November erteilte Superintendent Kuhnert Lehrern und Schülern auf ihren Wunsch hin in der Oberkirche das heilige Abendmahl.
In einem wohlgeordneten Vortrage, an der Hand von Bildern und einem sorgfältig ausgeführten Schiffsmodell wurde die geschichtliche Entwicklung unserer Schiffstechnik zur Darstellung gebracht.
Der 2. Dezember brachte den stets mit besonderer Freude begrüssten Liederabend unter Leitung des Gesanglehrers. Die musikalischen Darbietungen wurden wiederum von den überaus zahlreich erschienenen Freunden und Gönnern der Anstalt mit lebhaftem Beifall auf- genommen, und die Unterstützungskasse wurde durch den Ertrag des Abends wesentlich be— reichert. Im Anschluss hieran äusserte der Direktor in einer Ansprache den Besuchern gegen- über den lebhaften Wunsch, die schlummernden Talente der Kinder auch auf diesem Ge- biete sorgfältig zu beobachten und nach Möglichkeit zu fördern.
Mehrere gutgelungene Alarmproben dienten als Vorsichtsmassregeln für den Fall eines etwaigen Feuerausbruchs.
Dem Andenken des allverehrten Prinzregenten Luitpold von Bayern widmete der Direktor am Morgen des 16. Dezembers eine kurze Ansprache.
In den Weihnachtsferien folgte der Lehrkörper einer freundlichen Einladung des Polizeiinspektors Bittner, der die Besichtigung des hiesigen Kriminalmuseums durch fesseln-— den Vortrag ergänzte.
Zur Förderung des guten Einvernehmens zwischen Schule und Haus veranstaltete der Direktor am 20. Januar 1913 einen Elternabend. Dieser wurde eingeleitet durch frischen Gesang des Schülerchors und die Schüler-Aufführung des Hans Sachs'schen Schwankes„Der Rossdieb zu Funsing“, der von Oberlehrer Gallus trefflich eingeübt war. Dann folgte ein längerer Vortrag des Direktors, dem das Thema„Beziehungen von Schule und Eltern— haus“ zugrunde lag.— Auf mehrfache Anregung hin wurden die Wesenszüge dieser Aus- führungen auch denen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, die aus Raummangel dem eigent- lichen Vortrag in der freundlichst bereitgestellten Neuen Loge nicht hatten beiwohnen können.
Die Kaisergeburtstagsfeier wurde durch gesangliche und deklamatorische Vorträge begangen. In seiner Festrede sprach Professor Koch über„Die Kaiserin als Mutter“, die er als leuchtendes Vorbild der deutschen Frauen hinstellte. Auch hierbei wurde den üb-


