V. Zur Geschichte der Anstalt.
Das neue Schuljahr begann am 16. April 1912 um 8 Uhr morgens. Durch den von der Aufsichtsbehörde beauftragten Oberbürgermeister Werner fand in Anwesenheit des Bürger- meisters und anderer Magistrats- und Kuratoriumsmitglieder vor Lehrern und Schülern der Anstalt in der Aula die feierliche Einführung des neuen Direktors Dr. Suck statt. Dem Professor Bartke, der seit dem Tode des allzufrüh verschiedenen Direktors Dr. Ruch- höft die Anstalt in trefflicher Weise geleitet hatte, sei auch an dieser Stelle der ihm gebührende Dank der ganzen Anstalt und besonders des gegenwärtigen Direktors ausgesprochen.
Zur Ableistung seines Probejahres tritt in den Lehrkörper der Kandidat Johannes Krönitz ein, dem die Verwaltung einer wissenschaftlichen Hilfslehrerstelle übertragen wird.
Vorschullehrer Schreiber l wird für die Dauer seines Urlaubs durch Lehrer Porsch vertreten, dem auch hier für die der Vorschule geleisteten treuen Dienste herzlicher Dank aus- gesprochen sei.
Dem im jJahre 1912 heimgegangenen Schuldiener der Anstalt wurde vom Direktor und Lehrkörper folgender, wohlverdienter Nachruf gewidmet:
Nach Gottes unerforschlichem Ratschluss verschied am 29. Mai in Potsdam, wohin er sich zum Besuche seines Sohnes begeben hatte, der Kastellan der hiesigen Oberrealschule i. E., Herr Friedrich Tonke. 22 Jahre hindurch hat dieser rastlos tätige Mann sein verantwortungsreiches Amt in treuester Hingebung und Pflichterfüllung versehen, sodass er sich Liebe und Achtung bei den Schülern und freudige Anerkennung seitens der Lehrer erworben hat.
Nur ungern liess er sich bei seinem immer ernster werdenden Leiden hier und da eine kleine Erleichterung der nicht unbedeutenden Arbeitslast anbieten und zeigte bis zum Schlusse jenen eisernen Fleiss, der den wahrhaft treuen Beamten auszeichnet. So wird sein Andenken bei Lehrern und Schülern, die alle von seinem Tode schmerzlich berührt sind, stets in Ehren gehalten werden.
Seine Frau, die dem braven Schuldiener stets treu zur Seite gestanden hatte, wurde von dem Direktor in Anwesenheit der Lehrer und der Schüler durch eine teilnahmsvolle An- sprache geehrt und verabschiedet.
Am 14. Juni wurden trotz ungünstiger Witterung von den meisten Klassen die in jedem Jahre üblichen Schulausflüge in die Umgegend von Cottbus unternommen, während die Untersekunda unter Führung der Professoren Dr. Hentschke und Koch, denen sich auch der Direktor angeschlossen hatte, eine zweitägige Fahrt ins Riesengebirge unternahm.
Da infolge der sommerlichen PHitze der Unterricht wiederholt ausfallen musste, so konnten die Schüler besonders häufig dem Wassersport huldigen. Den Gipfelpunkt dieser äusserst gesunden körperlichen Betätigung bildete das am 20. August unter tatkräftiger Leitung des Lehrers an der Oberrealschule Kunert unternommene und wohlgelungene Schwimmfest. Die vom Magistrat wieder freundlichst bereitgestellten Badefreikarten wurden fleissig aus- genutzt, auch sollen von nahestehender Seite für die Zukunft zur Hebung dieses Sportes und zur Anregung aller Schüler besondere Schwimmprämien zur Verfügung gestellt werden. Durch das sogenannte Trockenschwimmen wird auch im Turnunterricht Gelegenheit ge- boten, die Freude am Wassersport zu steigern.
Das Sedanfest wurde gewohnheitsmässig am 2. September durch einen gemeinsamen Schulausflug begangen: Gegen 8 Uhr morgens versammelten sich in Gegenwart ihrer Ange- hörigen und Freunde die Schüler der Hauptanstalt auf dem grossen Hofe. In militärischer Ordnung wurden die Zöglinge aufgestellt, und, geführt von der Fahnengruppe, zogen sie unter den frohen Klängen einer städtischen Kapelle durch die Strassen. Der Weg führte zunächst nach der Maustmühle, wo man nach kurzer Rast einen Reigen und gemeinsame Freiübungen vornahm. In Peitz, dem Zielpunkt des Ausfluges, wurden die straffen turnerischen und sport- lichen Leistungen durch Preise belohnt, nachdem der Direktor in einer Ansprache die Fest- teilnehnmer begrüsst und auf die Bedeutung des Tages hingewiesen hatte.
Am 14. September wurde den Schülern auf freundliche Anregung des Militärkommandos die Besichtigung der am Südende der Stadt aufgeschlagenen Feldküche ermöglicht.
Mit dem Ende des Sommerhalbjahres verliess der Kandidat Otto Mühsam nach erfolgreicher Erledigung seines Probejahres unsere Anstalt, um nach Berlin überzugehen. Der Direktor entliess ihn mit den besten Segenswünschen und dankte ihm für seine unermüdliceh Arbeit und Pflichttreue, wodurch er sich die besondere Verehrung und Liebe seiner Schüler erworben hatle.


