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einmal soll scheiden“ schliesst die Feier. Die Schüler bilden von der Tür bis hinab zur un— tersten Stufe im Haupteingang auf beiden Seiten Reihen, bis der Sarg und das Trauergefolge das Schulgebäude verlassen haben. Nur Il A nimmt nicht an der Reihenbildung teil, diese Klasse hat sich inzwischen vor dem Leichenwagen aufgestellt und führt den Zug bis zur letzten Ruhestätte ihres Ordinarius.
Für die Vertretung des schwer Erkrankten hatte die Patronatsbehörde sofort die Mittel bereit gestellt und das Königl. Provinzial-Schulkollegium am 20. August den Kandidaten des höheren Schulamtes Herrn Schattmann überwiesen. Er wird bald darauf zum Oberlehrer in jüterbog gewählt und verlässt schon zum Herbst wieder die Anstalt, deren Dank er sich durch ernstes Streben erworben hat. Für ihn kommt zum Winter PFerr Dr. Heinrich.
Anfang November tritt Herr Vorschullehrer Heymann einen sechsmonatigen Erholungs- urlaub an, als Vertreter wird Herr Lehrer Hoehne von der Gemeindeschule in der Sandower Vorstadt berufen. Am 24. November erkrankt auch Herr Vorschullehrer Schreiber II so ernst, dass er erst am 4. Februar seinen Dienst wieder aufnehmen kann. Sein Unterricht wird zu einem Teil durch Zusammenlegen der beiden Grundklassen, zum anderen durch die Arbeits- freudigkeit der Kollegen gedeckt. So werden dank dieser und der Hilfe des Patronats und Schulkollegiums ernstere Störungen des Unterrichts glücklich vermieden.
Das Sedanfest wird am 1. September durch Reigen, Schau- und Kürturnen auf dem Schulhofe und in der Turnhalle gefeiert. Die Festrede hält Herr Oberlehrer Dr. Wächter. Der Magistrat, der dazu eingeladen ist, hat einen Vertreter entsandt, die Eltern unserer Schüler sind trotz der frühen Morgenstunde in grösserer Zahl erschienen
Während der Herbstferien weilt Herr Professor Koch zu Studienzwecken in Frankfurt a. M. Reisekosten und Tagegelder hat das Patronat ihm zur Verfügung gestellt.
Vom 12. bis 14. November eingehende Revision des ev. Religions-Unterrichtes durch den st. Generalsuperintendenten Herrn Oberpfarrer Pfeiffer aus Lübben.
Am 26. Januar 1907 wird in der Aula die Vorfeier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers und Königs unter reger Teilnahme der Eltern unserer Schüler und der Freunde der Schule veranstaltet. Herr Oberlehrer Völkner behandelt in der Festrede das deutsche Volks- tum, unsere nationale Eigenart, die uns als Gesamtheit von anderen Völkern unterscheidet. Diesem Thema entsprechende Deklamationen und Chorlieder leiten die Feier ein und schliessen sie. Auf die vier vaterländischen Gedenktage wird je in der nächsten Morgenandacht hin- gewiesen.
Am 15. Februar ist die Aula schon lange vor Beginn des„Volkslieder-Abends“, den Herr Vorschullehrer Kunert vorbereitet hat und leitet, bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Chorsänger tragen mehrere deutsche Volkslieder vierstimmig zum Teil mit Begleitung von Klavier und Violinen vor, darauf singt die Kasse Quinta einzelne deutsche Volkslieder zwei- stimmig und erntet warmen Beifall, endlich bringt der Chor fremdländische Lieder zu Gehör, darunter findet eine„Mazurka unter Pinien“ lebhaftesten Applaus, die von Dr. Weiske aus dem Provenzalischen übersetzt und von Max Kunert musikalisch arrangiert ist.
In den letzten Wochen vor der Schlussprüfung besichtigt die oberste Klasse die städtischen Wasser-, Kanal- und Elektrizitätswerke, den Betriebsbahnhof der Strassenbahn so- wie die Gasanstalt. Allen den Herren, die uns und unsere Schüler mit nie ermüdender Liebenswürdigkeit durch die ausgedehnten Betriebe geführt haben, sei verbindlichster Dank auch an dieser Stelle ausgesprochen.


