Jahrgang 
1903
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VI. Zur Geschichte der Anstait.

Das Schuljahr begann am 16. April 1903. Der Probekandidat Herr Dr. Siebert führte die Verwaltung der neuphilologischen Oberlehrerstelle weiter, die ebenso wenig wie die etats- mässige wissenschaftliche Hilfslehrerstelle hatte besetzt werden können. Auch war es nicht möglich gewesen, einen Lehrer zur Trennung der Vorschulklasse l, die mit Rücksicht auf die Frequenz vom Patronat als notwendig anerkannt und rechtzeitig beschlossen war, bis zum Schulanfang zu gewinnen. Daher mussten mehrere Meldungen zur Aufnahme in diese Klasse zurückgewiesen werden. Erst am 1. Juli konnte Herr Vogt, der die Leitung der neu ge- gründeten Klasse 1b aushilfsweise übernehmen sollte, eintreten. Zum Herbst folgte Herr Dr. Siebert dem Rufe als Oberlehrer an das Gymnasium zu Steglitz b. Berlin. Im Laufe seiner nur einjährigen Tätigkeit an unserer Schule hat der junge Pädagoge sich unter Lehrern und Schülern viel Liebe und Anerkennung erworben; für seine Mitarbeit sei ihm auch an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen.

Zu Beginn des Winters, am 13. Oktober, wurde Herr Oberlehrer Dr. Joh. Weiske vom Gymnasium in Waldenburg in sein neues Amt eingeführt. Die wiss. Hilfslehrerstelle konnte auch jetzt noch nicht besetzt werden. Leider steht am Schlusse des Schuljahres eine weitere Veränderung im Lehrerkollegium bevor: Der Lehrer a. d. R. Herr Kussmann ist für die höhere Mädchenschule mit Lehrerinnen-Seminar in Potsdam gewählt und hat den Wunsch, zu Ostern dorthin überzusiedeln. Nur ungern sehen wir den Herrn scheiden, dem die Anstalt zu grossem Danke verpflichtet bleibt.

Am 29. September starb Herr Archidiakonus Vierkorn. Dreissig Jahre hat er sein Seelsorgeramt an der Oberkirche verwaltet. Den Lehrern und Schülern der Realschule hat er seit deren Gründung nahe gestanden. Fast fünfhundert unserer Zöglinge hat er auf die Konfirmation vorbereitet und die Herzen der Knaben durch seine Güte und Freundlichkeit, durch seine Teilnahme an ihren Plänen und Aufgaben leicht gewonnen. Daher bleibt sein Andenken gesegnet.

An die vaterländische Gedenktage, die Geburts- und Sterbetage der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. wurde in der letzten Unterrichtsstunde am Vormittage erinnert. Am Sedan- tage wurde ein Schauturnen veranstaltet, zu dem sich erfreulicher Weise auch die Eltern unserer Schüler eingestellt hatten, obgleich eine öffentliche Einladung des beschränkten Raumes in unserer Turnhalle wegen nicht hatte ergehen können. Die Ansprache hielt Herr Dr. Siebert. Einem Schüler der III. Klasse wurde in Anerkennung seines Fleisses und Wohlverhaltens eine Prämie(Handwörterbuch von Sachs-Villatte) verliehen. Eine Turnfahrt der oberen Klassen in den Spreewald schloss sich an das Schauturnen an.

Den Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs feierte die Schulgemeinde am 27. Januar vormittag 11 Uhr gemeinsam mit den Spitzen der städtischen und kirchlichen Behörden und den Eltern unserer Schüler. Gesänge des Schülerchors und Deklamationen leiteten auf die Festrede des Oberlehrers Herrn Dr. Weiske hin. Von dem französischen Charakter des Fridericianischen Kunstlebens ging der Redner aus, sprach von dem Aufschwung deutschnationaler Kunst, von den Denkmalbauten der letzten Jahrzehnte, wies auf den ver- edelnden Einfluss solcher Schöpfungen hin und deutete die Notwendigkeit und zugleich die Mittel an, unsere Jugend, unser Volk mit Kunstwerken intimer bekannt zu machen. An der Hand bekannter Bilder, insonderheit hiesiger Kunsthandlungen, führte Redner die Schüler auf den Begriff der Stimmung, zumal in der Landschafterei, und hier wieder der Worpsweder Schule. Hierauf wurden als praktische Beispiele für die Kunst in der Natur einzelne Stimmungs- bilder hiesiger Gegend sowie der Schönheiten unserer Stadt skizziert. Nach der Festrede wurde die BuchprämieDeutsche Schiffahrt in Wort und Bild von Bohrdt aus einer Spende Sr. Majestät an die Schüler der mittleren Klassen einem besonders guten Schüler der Klasse III. zugeeignet.

Ebenso erfreulich wie der Besuch dieser Feier war der Besuch der musikalischen Aufführung am Abend vor Beginn der Weihnachtsferien, die zu Gunsten der Schülerunter-