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ist. Gesänge des Schülerchors und Deklamationen leiten die Feier ein, deren Mittelpunkt die Festrede des Herrn Oberlehrers Bartke über die Entwickelung der höheren Schulen unter Wilhelm II. bildet. Die von Seiner Majestät gespendete Buchprämie wird dem Schüler der Klasse IIA Ernst Ay zugeeignet und überreicht.
Die vaterländischen Gedenktage, die Geburts- und Sterbetage der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. werden im Anschluss an die Morgenandacht der Schulgemeinde gefeiert.
Die Anregung der Handwerkskammer zu Frankfurt a. O., die Unsitte der Zugabe im Buchbindergewerbe zu bekämpfen, wird am 19. November dahin beantwortet, dass wir gern bereit sind, zu gemeinsamem Vorgehen aller Schulen der Stadt die Hand zu bieten.
Der Vorstand des hiesigen Volksbildungs-Vereins übersendet am 22. Oktober zwölf Freikarten für Schüler der oberen Klassen zu den Vorträgen des Herrn Prof. Dr. Schmitt über Friedrich den Grossen und am 13. Februar acht Eintrittskarten zu den Vorträgen des Herrn Dr. Pohlmeyer über Schiller.
Am 18. März wird in der Aula das Festspiel von Kriegskotten„Lieder und Klänge vom Rhein“, allerdings nach erheblichen Aenderungen, zu Gunsten des Schülerunterstützungs- fonds aufgeführt.
Die Hoffnungen auf den Ausbau unserer Anstalt zur Oberrealschule, die sich an die Anerkennung der Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der drei höheren Schulgattungen, des Gymnasiums, des Realgymnasiums und der Oberrealschule, knüpften, sind leider noch nicht erfüllt worden, obwohl die Forderung des KReifezeugnisses*) nicht nur bei den Staats- anstalten, sondern auch für den Privatdienst von Jahr zu Jahr allgemeiner wird. So verlangt der Kaufmannsstand zum Eintritt in die Handelshochschulen in erster Linie das Abiturienten- examen und erschwert bei seinem Fehlen die Aufnahme durch eine Reihe anderer Bedingungen. Ferner legen die Vertreter der Privatindustrie und der Privattechnik**) immer mehr Wert auf das Bestehen der KReifeprüfung, und wahrscheinlich werden ihre Bestrebungen dahin führen, dass an den technischen Hochschulen junge Leute mit Primareife nicht mehr als Studierende, sondern nur als Hörer eingeschrieben werden können, falls sie nicht eine längere praktische Beschäftigung nachweisen können. Was kann da der Schüler höherer Lehranstalten überhaupt noch werden für den Fall, dass er die Schule noch vor der Reifeprüfung verlässt?
Oberprimareife wird verlangt für die Zahlmeisterlaufbahn und das Intendantur- Sekretariat bei der Marine, ferner für das Verwaltungssekretariat bei den Kaiserlichen Werften und für das Supernumerariat bei der Verwaltung der indirekten Steuern.
Bei der Marine sind in den letzten Jahren wirklich noch Leute mit Oberprimareife angekommen, bei der Verwaltung der indirekten Steuern können noch nicht einmal alle Abiturienten unter den Bewerbern, und diese werden in erster Linie angenommen, einberufen werden.
Primareife reicht, nachdem für den Tierarzt nunmehr das Maturum vorgeschrieben werden wird, nur noch aus für die Annahme bei der KReichsbank, für den Geometer, den Markscheider und Zahnarzt. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass schon in allernächster Zeit die Geometer, Zahnärzte und vielleicht auch die Apotheker, für die zur Zeit noch KReife nach Obersekunda ausreicht, mit ihren Bestrebungen bei der Regierung Erfolg haben, die dahin gehen, die Zulassung zu diesen Berufen ebenfalls an die bestandene KReifeprüfung zu knüpfen.
Die Reife nach Obersekunda oder der sogenannte„Einjährige“ ist nõtig für den Zeichen- und Turnlehrer und berechtigt zu der Aufnahme in die akademische Hochschule für Musik und die akademische Hochschule für die bildenden Künste. Nach den allgemeinen Bestimmungen soll sie auch genügen zu allen Zweigen des Subalterndienstes, d. h. zur Zahl- meister- und Intendantursekretärlaufbahn beim Landheere, zu dem Zivilsupernumerariat bei den Provinzialverwaltungen und der Justizverwaltung, sowie für den mittleren Post- und Eisenbahn- dienst. Sieht man sich aber die Annahmebedingungen der einzelnen Verwaltungszweige noch näher an, und achtet man auf die bei der Annahme befolgte Praxis, so kommt man zu der
*) Wir folgen den Ausführungen des Hannoverschen Couriers. **) Am 20. August bittet der Verein Deutscher Chemiker, Nichtabiturienten vor dem Studium der Chemie schon auf der Schule zu warnen.


