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Es giebt gewiſſe Handlungen bei dem Thiere, die von allen Individuen einer Klaſſe, oder Gattung, oder Species ohne Unterſchied auf eine und dieſelbe Weiſe ausgeführt werden. Das Thier zeigt bei der Ausführung derſelben eine blinde, äußere Hinderniſſe wenig berückſichtigende Beharr⸗ lichkeit und entwickelt dabei oft ungewöhnliche Körperſtärke. Bei den individuellen Handlungen (v. II.§. 15. f.f.) iſt immer ein Gefühl mit der darauf folgenden Strebung die Baſis, und die Realiſtrung des Strebens der Zweck der Handlung; bei dieſen dagegen ſind zwar auch häu⸗ fig Gefühle, beſonders Geruchs⸗, Geſchmacksgefuͤhle gleichſam die Leiter und Führer zur Wahl der Handlungsweiſe, der Zweck der Handlung liegt aber nicht in der Realiſirung des mit dieſen Gefüͤhlen verbundenen Strebens, das Thier iſt ſich vielmehr desſelben gar nicht bewußt: der Zweck der Handlung iſt Erhaltung der Art und ihrer Stellung im Thierreiche, alſo die Reali⸗ ſtrung einer Idee, die den pſychiſchen Horizont des Thieres völlig überragt und nur Fortſetzung derjenigen iſt, die bei der Schaffung der Elemente des Thieres Richtſchnur war. Häufig fällt dieſer Zweck mit der Realiſirung der Strebungen in den individuellen Handlungen zuſammen, z. B. beim Triebe zur Erhaltung des Lebens, inſofern eben mit dem Angriffe auf das Leben unangenehme körperliche Gefühle, und ſomit das Streben, dieſelben zu meiden und abzuwehren, verbunden ſind. Wo aber dieſe individuellen Handlungen nicht zureichen, ſehen wir. ſogleich von höherer Hand Vorſorge getroffen. So wehrt ſich zwar die Fiſchotter, wenn ſie angegriffen wird; baut aber doch immer ihre Wohnung mit zwei Ausgängen. Bei den niederen Thieren, wo alſo die individuellen Seelenäußerungen wenig entwickelt ſind, finden ſich demnach die zu⸗ ſammengeſetzteſten und kunſtvollſten Handlungsweiſen zur Realiſirung jenes Endzweckes, ſoge⸗ nannte Kunſttriebe.
Betrachten wir nun die hohe Zweckmäßigkeit der Wege, die zur Erreichung dieſes End⸗ ieles eingeſchlagen ſind, wie ſie in den mannichfaltigſten Variationen dasſelbe immer auf die eſte, kürzeſte Art erreichen, ſo ſehen wir uns genöthigt, hier denſelben Geiſt als Leiter und Füh⸗ rer zu bewundern, der bei der Schaffung der Elemente des Thieres über dem Keime ſchwebte.
Eine Handlung mit den Eigenſchaften und Merkmalen, wie wir ſie eben angegeben ha⸗ ben, nennen wir eine inſtinktartige. Welcher der pſychiſche Prozeß iſt, der in dem inſtinkt⸗ artig handelnden Thiere vorgeht, läßt ſich kaum durch Beobachtung beſtimmen. Der Erfolg der Handlung erregt dem Thiere immer äußerſt angenehme Gefühle, wie ſeine Mimik, ſo wie auch die Beharrlichkeit, mit der es die Handlung ausübt, zu beweiſen ſcheinen. Hätte daher das Thier die Vorſtellung vom Erfolge durch Erfahrung erworben, ſo wäre in der Erſtrebung des ange⸗ nehmen Gefühles ſchon der Antrieb gegeben. Warum ſchlägt aber eine Species immer eine und dieſelbe Handlungsweiſe ein? Warum haſcht nicht die Kreuzſpinne auch einmal eine Fliege, ebenſo wie die Jagdſpinne? Und wie geht es bei der erſten Ausübung einer inſtinktartigen Hand⸗ lung zu, wo das Thier noch gar nichts vom Erfolge weiß? Cuvier ſagt, dem Thiere ſchwebe traumartig das Thema zur Handlung vor. Die Spinne hat demnach traumartig die Vorſtel⸗ lung des fertigen Netzes und der darin gefangenen Fliege vor Augen, ehe ſie das Füßchen zum


