Wer mag die Sonne der Falſchheit Schuldigen? Jen' hat oft die Gefahr des verborgenen Aufruhrs Angeſagt, und Verrath, und heimlich gährende Kriege. Jene blickt' auch auf Roma, nach Caͤſars Fall, mit Erbarmung, Als ſie das ſtrahlende Haupt in dunkele Röthe verhüllte, Und vor ewiger Nacht ſich fürchteten frevelnde Völker.— Niemals ſonſt entzuckten dem heiteren Himmel ſo viele
Leuchtungen; niemals brannten ſooft graunvolle Kometen.*) Virg. G. 1, 463. ff. 487. f. nach Voß.
Mahe dich mir, wie vorher, den Geſang hellklingend du fügteſt, Theuere Muſ' und Phoibos und goldumſchuheter Hermes,
Und ſetzt' jetzo den Tönen hinzu das erwünſchete Ende.
Aber ich ſelbſt, obgleich ſich der Geiſt abmühet im Tode,
5. Werd' ihn erregen, bis hin ich zur Grenze des Liedes gelangt bin: Denn unziemlich iſt alles, wenn nicht folgt löblicher Ausgang. Dieß denn winket mir zu im letzten der Bücher zu ſingen,
Ueber Ernährung der Kinder und leidigen Mangel der Nahrung; Und von denen, ſo viel vom Verhängniß getrieben mit eigner
10. Hand ſelbſt warfen dahin zu verderblichem Looſe die Eltern;
Und von erſehneter Ehe verkündiget und den Geſchwiſtern,
Und von der Kinder Geburt, und welchem Verderben der Menſchen Jeglicher ward vom Geſchicke beſtimmt durch Sternenbewegung; Auch des Berufes Geſchäft' und die Künſte beſingt und die Werke,
*) Sil. Ital. 8, 638. Lucan. 1, 539. Prud. Cath. 12, 21. wo jedoch tristis eine pro- lepsis ſein kann.— Cic. d. Nat. D. 2, 5. Plin. 2, 25, 22. Justin. 37, 2. V. 2. Phoibos) Apollo, als Gott der Weiſſagung und Dichtkunſt.— Hermes) Mer⸗ curius, als Gott aller klugen Erfindungen. 1 V. 4. Abm. im Tode) Er ſcheint ſchon alt oder krank geweſen zu ſein; oder ſchrieb er vielleicht 2auα? Vgl. 1, 8. 5, 11; 26. V. 9.) Verhängniß) Vgl. V. 20, 103, 304, 320. 633. 743. 750. und die Anm. zu V. 729. Horat. Od. II, 17, 16. Pers. 5, 48. 2


