Jahrgang 
1835
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für den oben bezeichneten Zweck völlig hinzureichen. Ich denke aber ſelbſt in philologis ſcher Hinſicht dem Manetho einen Dienſt erwieſen zu haben, in wiefern die Ueberſet⸗ zung auch nur eines Theiles von einem ſchwierigen hart darniederliegenden Schriftwerke ein nicht unbedeutender Beitrag zu ſeiner Kritik und Erklärung ſein kann, vorzüglich wenn der Inhalt des Werkes von der Art iſt, daß die Bearbeitung eines Buches an und für ſich dem Ganzen zu Gute kommen muß.

Ob ich meinen Zweck erreicht habe, darüber mögen kundige und billige Richter urtheilen; ich bin mir nur eines gewiſſenhaften Strebens bewußt. Wer den Manetho kennt oder meine Ueberſetzung mit dem Originale vergleichen will, der wird finden, daß ich mir keine leichte Aufgabe ſtellte, als ich es unternahm, von keinem Vorgänger und Erklärer*) unterſtützt, zwar in der Voſſiſchen, den Sachen hier recht wohl anſtehenden Manier, und mit den bei einer proſodiſch reinern Haltung unumgänglichen Hexametris⸗ men, aber ohne Härten und Monſtroſitäten und Mißhandlung der deutſchen Etymologie und Soyntax*), von einem ſolchen Poeten eine Ueberſetzung anzufertigen, die nicht nur im allgemeinen ſprachlich und rhythmiſch das ganze eigenthümliche Gepräge des Urtextes aufzeigte, ſondern auch im einzelnen dem Sinne, Worte und Bilde ſo nahe als möglich käme.

Nimmermehr aber dürfen wir es uns einfallen laſſen, ſtets dieſelben Füße und Cäſuren beibehalten zu wollen, wenn man nicht dieſer Fliegenfängerei, deren Nutzen bei der verſchiedenen Organiſation der griechiſchen und deutſchen Sprache doch illuſoriſch iſt, anderes Nöthigere und Erſprießlichere aufopfern will, was ſelbſt F. A. Wolf*s) in den Paar Verſen aus der Odyſſee oft genug erfahren hat. Es genügt, wenn die vom Dichter gebrauchten Cäſuren im allgemeinen wieder angewendet werden**rs), mit Aus⸗ nahme derjenigen Stellen, wo eine beſtimmte Cäfur oder ein beſtimmter Fuß etwas Mahleriſches hat. Möchten nur nicht an der Stelle der vertriebenen Trochäen nun Dac⸗ tylen ungebührlich dominiren! Was oft ſchlimmer iſt, als ein Trochäus im erſten und vierten Fuße, wo man ihn in der That im deutſchen Herameter nicht unangenehm ver⸗ merkt. Doch was hilft's, es iſt ihnen nun einmal der Tod geſchworen und wir wollen

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*) Dorville z. Chariton behandelt die Nealien nur kurz und beiläufig; J. Gronovs la⸗ tein. Ueberſ. aber iſt ein Wuſt von Unſinn und Barbarei, und hat dem Manetho vielmehr geſchadet.

**) Als da ſind: Liebtreu, Ehrſtellen, anzieh'nd, langegeſtreckt, gluͤck⸗ herbringend, der neue Vermählte, Ficehtbäume, entgegene En⸗ den ꝛc., alles Fabrikate von Meiſtern, die uns hoffentlich nächſtens auch mit

Lampdöchten und Gurkbeeten u. ſ. w. verſehen werden. 3

**) Analekten 3. S. 137. Ich führe nur V. 90 und V. 48 an, wo das matteſte Ci⸗

ceroniſche quasi eingeflickt iſt.

****) Alſo ſindet ſich bei mir natürlich auch nicht die bei den Alten äußerſt ſeltene, nur hie und da entſchlüpfte, von den Neueren aber zu einer ſolennen erhobene ſehr garſtige: Brennend das koͤniglich prangende Haar und brennend das Stirnband. Voß Aeneis, 7, 57..