Jahrgang 
1835
Einzelbild herunterladen

3

logen und Quentin Durward, zu van der Velde's Horoſkop, zu Spind⸗ ler's Baſtard, zu A. Zeiſing's Wolken,*) und was ſonſt noch in der Poeſie, dem Aſyl aller emeritirten Dämonen, mehr oder weniger mit Sterndeuterei zu ſchaffen 31.) 3

p Wie bekannt, trieben in Rom, namentlich auf dem großen öffentlichen Platze Circusma⸗ rimus, Sternſeher und Gaukler aller Gattung ihr Unweſen, und der Dichter Horaz***) ſpa⸗ zirte oft darüber hin, um Menſchenkenntniß zu ſammeln, und durch eine heilſame Erſchüt⸗ terung des Zwerchfelles über die gravitätiſchen Grimaſſen der Wahrſager ſeinen Magen auf den abendlichen Salat und Pfannkuchen vorzubereiten: mit etwas Phantaſie ver⸗ ſetze ſich der Leſer auch dahin, denke ſich eine braune, grotesk decorirte ſpitzbübiſche Ae⸗ gyptergeſtalt,**nn) wie ſie unſer Gedicht der glotzenden Menge emphatiſch vordeclamirt, und faſſe dieſen antiken Redner des Menſchengeſchlechts ſcharf ins Auge, bis der Prophetenton allmählig ſinkt, und ſich endlich zu einem herausplatzenden halbärger⸗ lichen Lachen verkehrt, welches ſeitens der Zuhörer zu einem göttlichen unauslöſch⸗ lichen geſteigert wird.

Indeſſen wollen die unter dem Namen Manetho's auf uns gekommenen, anti⸗ quariſch, gramatiſch und metriſch gar nicht unwichtigen, ſechs Bücher über Sterndeuterei, keine Circuscharlatanerie von geſtern ſein, ſondern nichts mehr und nichts weniger als ein aſtrologiſches Lehrgedicht aus den Zeiten der Ptolemäer. Allein die ſechs Bücher machen kein zuſammenhängendes Ganze aus und ſcheinen von verſchiedenen Verfaſſern zu ſtammen, das Alterthum aber iſt wahrſcheinlich um der größern Auctorität willen erlogen; denn keines davon möchte über die römiſche Kaiſerzeit hinausreichen. Wer jedoch auch immer der urſprüngliche eigentliche Verfaſſer dieſes Werkes war, auf jeden Fall erſcheint er als ein gelehrter, ſprachlich und metriſch gewandter Mann, der ſeine epiſchen Collegen und den Homer wohl inne hatte. Alle dieſe Bücher aber ſind ſehr entſtellt durch Einſchiebſel und vielfache Verderbniſſe. Zu den noch am beſten erhaltenen gehört das ſechſte, welches ſelbſt ein unabhängiges kleines Ganze bildet, wenn es ſich auch im Eingange(Vers 1. und 7.) als ein letztes von früheren darſtellt: die logiſche An⸗ ordnung der Stoffe leidet wenigſtens nicht, es als ein zu den fünf vorhergehenden ge⸗ höriges zu betrachten; daher ich es denn auch zur Ueberſetzung gewählt habe.

Alle ſechs Bücher zu überſetzen mochte ich mir nicht füglich zumuthen, noch dem Publikum ſie zu leſen; vielmehr ſchien bei der Gleichformigkeit der Sachen ein Buch

*) Masndnanach von A. v. Chamiſſo und G. Schwab 1835. S. 323. ff.(S. **) Ein Paar artige aſtrologiſche Geſchichten ſtehen bei Petron. C. 35. und Appul. Met. Lib. 2, d. Anf. T. 1, p. 116. OQud. Siehe auch Horat. Od. II. 17, 17. ff. Propert. 4, 1,71. sqq.. *8) Satir 1 6, 113. Wiel. rr) Theocrit. 15, 48. Appul. Met. Buch 2. im Anf. u. geg. das End. Diog. Laërt. Vorrede.