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Zu Oſtern erhielt die Anſtalt den Cand. der Theologie und Philologie Theodor Hanſen*) zum pro⸗ viſoriſchen Hülfsarbeiter. Derſelbe trat ohne weitere Aenderungen des Lectionsplans in die Functionen des Cand. Weller ein.
Vom 2. bis 27. Juni fanden Reviſionen der ſchriftlichen Arbeiten durch den Referenten, nebſt Claſſen⸗ beſuchen in den meiſten Unterrichtsfächern, ſtatt.
Am 4. Juni fielen wegen des hierſelbſt ſtattfindenden Synodal⸗Gottesdienſtes, am 11. wegen des hier gefeierten Bibel⸗ und Miſſionsfeſtes die Vormittags⸗Lectionen aus, und am 12. wegen der feierlichen Beerdi⸗ gung des ehemaligen Directors des Gymnaſiums, Profeſſor Dr. Hantſchke.**) Die Trauer der Stadt über dieſen unerwarteten Todesfall— ein Schlagfluß, am 8. Abends eingetreten, machte binnen 24 Stunden dem irdiſchen Leben ein Ende— war allgemein. Ratürlich blieben auch die Schüler mit den Lehrern bei dem Be⸗ gräbniſſe nicht zurück; Schüler trugen den Sarg, ließen über ihn die Trauerflöre wehen, ſangen entſprechende Lieder am Grabe, unter Begleitung würdiger Trauermuſik. Vor dem Beginne des Zuges hatte Prof. Dr. Schir⸗ litz in der großen Aula des Gymnaſiums vor den verſammelten Schülern der Verdienſte des Verewigten um die Anſtalt gedacht. Dieſer hatte leider ſeine glückliche Muße noch keine 2 volle Jahre genoſſen, während er ſich vorausſichtlich noch recht lange derſelben hätte erfreuen können.
Unterm 1. Juli zeigte der bisherige Religionslehrer für die katholiſchen Schüler am Gymnaſium, Caplan Rademacher, der Direction ſeine ſtattgefundene Verſetzung nach Neuwied und ſeinen Abgang von hier an. Eine officielle Mittheilung über die Ernennung ſeines Nachfolgers in der hieſigen Gymnaſial⸗Function iſt Refe⸗ renten bis jetzt nicht zugekommen; indeß iſt der katholiſche Religionsunterricht bis dahin privatim von dem Herrn Caplan Theiß in ſeiner Wohnung ertheilt worden.
Am Sonnabend den 5. Juli wurden die Quartal⸗Cenſuren durch die Claſſen⸗Ordinarien in der letzten Vormittagsſtunde mitgetheilt(wie oben zum 22. Dec. vor. J.).
Am 10. Juli, als an dem Tage der Feſtfeier des landwirthſchaftlichen Vereins des Kreiſes, die an hieſigem Orte ſtattfindet, wurde mit Erlaubniß Hoher Vorgeordneter Behörde der Unterricht ausgeſetzt.
Am Sonnabend den 12. Juli beehrte Herr Dr. Wieſe, Geheimer Regierungsrath und vortragender Rath in der Unterrichts⸗Abtheilung des Cultus⸗Miniſteriums, unſere Anſtalt die Vormittagsſtunden hindurch mit dem Beſuch verſchiedener Lehrer und Claſſen.
Am 15., 16. und 17. Juli hatte ſich das Gymnaſium des Beſuchs und einer ſehr eingehenden Prüfung der Schüler aller Claſſen in ihren mündlichen und ſchriftlichen Leiſtungen durch den Herrn Regierungs⸗ und Schulrath Landfermann zu erfreuen.
Vom 19. bis 25. Juli wurden von den beiden dießjährigen Abiturienten die ſchriftlichen Prüfungsarbeiten angefertigt.
*.) Aus dem Holſteiniſchen, welcher auf den Univerſitäten Kiel, Erlangen und Bonn ſtudirt, in Lübeck die zweite theo⸗ logiſche Prüfung pro ministerio und in Bonn die Lehrerprüfung pro facultate docendi abgelegt, und zuletzt in Neunkirchen un⸗ weit Saarbrück 2 ½ Jahre in einem Privatverhältniß als Hauslehrer und Kapellenprediger geſtanden hatte. Zwei Schriften von ihm ſind: a) Die lutheriſche und reformirte Kirchenlehre von der Kirche. b) Die Methode und Stufenfolge des Religionsunter⸗ richts auf Gymnaſien. Beide: Gotha, bei Andr. Perthes, 1855.
.**) Für ſeine zahlreichen nahen und fernen Freunde geben wir hier die allgemeinſten Notizen über ſeine amtlichen Lebensverhältniſſe. Johann Carl Leberecht Hantſchke, geboren in Zinnitz(Niederlauſitz) 6. Auguſt 1796, bezog Oſtern 1816 die Univerſität Leipzig, die er bis Oſtern 1819 beſuchte; promovirte daſelbſt; ward im Juni 1819 fünfter ordentlicher Leh⸗ rer an dem Gymnaſium zu Luckau; 1823 vierter Oberlehrer daſelbſt; im November 1824 dritter Oberlehrer an dem Gymna⸗ ſium zu Elberfeld; im Auguſt 1829 erſter Oberlehrer daſelbſtz vom Januar 1832 bis zum März 1842 proviſoriſcher Dirigent jener Anſtalt; von Oſtern 1842 bis Herbſt 1854 Director des hieſigen Gymnaſiums. Er wurde Königlicher Profeſſor durch Patent vom 5. November 1834¼, und erhielt von der Huld Sr. Majeſtät des Königs unterm 21. November 183 die goldene Medaille für Kunſt und Wiſſenſchaft, ſowie bei ſeiner Emeritirung im September 185¾ den Rothen Adlerorden IV. Cl.


