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mene, geiſtig Wahrgenommene zu überlegen, berechnen, unter ſich zu vergleichen, in die rechte Stel⸗ lung zu bringen, um ihm dadurch das nöthige Licht zuzuführen, das ſo klar Gewordene zu ordnen und in ſyſtematiſche Form einzukleiden.*) Wie nun bei denjenigen Gegenſtänden, die ſich auf den Inhalt oder die Materie beziehen, hierdurch die Vernunft das Recht erhält, eines Theils die Gründe zu unterſuchen und zu prüfen, auf welche die Anſprüche der heiligen Schrift, die ſie wegen ihres höhern Urſprunges macht, ſich ſtützen, andern Theils die Lehrſätze ſelbſt ſowol mit einander, als auch mit den unleugbaren Wahrheiten, welche durch die Betrachtung der Welt und durch eignes Nachdenken gefunden werden, zu vergleichen und zuſammenzuhalten; ſo erhält ſie auch was die Form, namentlich die ſprachliche, anbetrifft, das Recht, die heilige Schrift auszulegen d. h. den Sinn der Worte, wie ihn die Schriftſteller gehabt haben, zu offenbaren. Denn die Geſetze der richtigen Auslegungskunſt ſind ja lauter Ausſprüche der menſchlichen Vernunft, und das feine Gefühl, welches den Interpreten vorzüglich leiten muß, iſt nichts anderes, als eine durch viele Uebung zur ſchnellen Em⸗ pfindung des Wahren und Falſchen gewöhnte Vernunft.**) Und wie in materieller Beziehung, was die bibliſchen Ideen anlangt, ſich die gläubige Schriftauslegung auf die Analogie des Glau⸗ bens**n) ſtützt, ſo ſtützt ſie ſich in formeller Hinſicht, was die Sprache anbetrifft, auf die Ana— logie des Sprachgebrauchs und der grammatiſchen Erſcheinungen. Denn ſo wie jeder Schriftſteller ein gewiſſes Syſtem von Meinungen und Sätzen hat, die unleugbar in ſeinen Schrif— ten ſtehen und aus den deutlichſten Stellen derſelben zu erkennen ſind, ſo hat er auch ſeinen eigen⸗ thümlichen Sprachgebrauch, ſowie beſondere Redeweiſen, welche zuſammengenommen die Analogie deſſelben ausmachen. †) Daſſelbe gilt auch von den heiligen Schriftſtellern; ſie haben ihre Ana⸗
*) In der angef. Abhandlung meines Vaters heißt es S. 13.: nec igitur fides omnibus destituta est argu- mentis, et in his quaerendis, examinandis comparandisque sanae rationis opera versatur. Quin de iis, quae Deus vel agi ab hominibus, vel credi per religionem Christianam iusserit, quaestionem instituere liceat, dubitandum non est. ſcf. Röm. 2, 18. Epheſ. 5, 10. Phil. 1, 10. 1 Theſſ. 5, 21. 1 Joh. 4, 1.]
**) Siehe Fr. V. Reinhard's Dogmatik. Vierte von Schott beſorgte Aufl. S. 83.
***) Dieſe Benennung iſt aus Röm. 12, 6., wo jedoch das Wort ducloylc einen andern Sinn, als in der theologiſchen Sprache hat; dychoyia nämlich[von dνα‿ο νοs,— ov,= dem 76„0⸗¹ entſprechend, verhältniß⸗ mäßig, übereinſtimmend] bedeutet das richtige Verhältniß, Proportion, Uebereinſtimmung; daher xdτd iuo uα oyicv rijs nlorews in d. angef. St. iſt= nach Verhältniß, nach dem Maße des([dem Weiſſagenden] verlie⸗ henen Glaubens, vergl. mit V. 3.: 2ᷣτd 0 ⁵μ‿οον ijs alœrecs; oder nach anderer Auffaſſung= nach Ver⸗ hältniß der xlores im objectiven Sinne= des chriſtlichen Glaubens, wie er von Allen in der Gemeine bekannt wird. Die wiſeenſchaftliche ſtheologiſche] Bedeutung iſt aber die im Texte im Ver⸗ folge angegebene.
†) So giebt es eine analogia Platonis, Ciceronis u. A. Belehrendes hierüber hat ſchon Quintilianus in ſ. Instit. orat. Libr. 1. c. 6.§ 1. 4. 5.: est etiam sua loquentibus observatio, sua scribentihus. Sermo con- stat ratione, vetustate, auctoritate, consuetudine. Rationem praestat analogia, nonnunquam et etymo- logia cet.... Consuetudo certissima loquendi magistra; utendumque plane sermone, ut nummo, cui publica forma est. Omnia tamen haec exigunt acre iudicium, analogia praecipue, quam proxime ex Graeco transferentes in Latinum, proportionem vocaverunt. Eius haec vis est, ut id quod dubium est, ad ali-
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