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behindert werde. Da wir von jener hier nur mehr eine vorläufige Anſchauung geben konnten, weil wir durch den Raum beſchränkt ſind, von dieſer aber im Verhältniſſe zu jener unſern jüngern Leſern noch Einiges vorzutragen haben, ſo brechen wir dieſen exegetiſchen Theil unſerer Arbeit ab.
§ 5. Die gläubige Schriftauslegung.
Wie ferne die gläubige Schriftauslegung, oder mit andern Worten der gläubige, nicht ſchon von vorne herein mit Vorurtheilen ſich nahende, Leſer der heiligen Schrift,*) dieſe nicht als Menſchen Wort empfängt und aufnimmt, ſondern, wie es denn wahrhaftig iſt, als Gottes Wort,**) in ſofern geht ſie von folgenden Principien aus: a) die heilige Schrift hat einen gött⸗ lichen d. i. übernatürlichen Urſprung, iſt alſo etwas hiſtoriſch Gegebenes; b) dieſelbe hat deshalb normatives d. i. Maß gebendes Anſehen und iſt für menſchliche Auffaſſung vollkommen geeigenſchaftet d. i. ſie enthält ſowol rückſichtlich des Umfanges ihrer Offenbarungen das hinreichende Maß, als auch rückſichtlich des Inhaltes derſelben die nöthige Klarheit.***) Daher ſtellt ſich die gläubige Schriftauslegung nicht über, ſondern unter die heilige Schrift; ſie nimmt alſo nach den Worten des Apoſtels die Vernunft unter den Gehorſam Chriſti gefangen. †.) Damit ſoll nicht geſagt wer⸗ den, daß ſie ſich des Gebrauchs der Vernunft in Sachen der heiligen Schrift enthalte; es ſoll damit vielmehr die Art und Weiſe des rechten Gebrauchs feſtgeſtellt werden. † †.) Denn wenn ſie ſich unter Chriſtus oder das Wort Gottes, das uns Chriſtus und ſeine von ihm autoriſirten Apoſtel vortragen, ſtellt, ſo hat die Vernunft nur das doppelte Geſchäft, einmal, wie die Etymologie des deutſchen Wortes Vernunft ſchon zeigt, zu vernehmen, was ſie höret oder lieſet, † rt) ſodann nach der Etymologie des lateiniſchen und griechiſchen Wortes Ratio und Wonraa*†) das Vernom⸗
*) Alſo mit einer Geſinnung, ähnlich der der Einwohner von Beroe, welche„nahmen das Wort auf ganz williglich, und forſchten täglich in der Schrift, ob ſich's alſo hielte.“ Apoſtelg. 17, 10.
**) 1 Theſſ. 2, 13.
***) Das bibliſche Syſtem legt nämlich der heiligen Schrift bei auctoritatem[normativam et iudicialem], sufficientiam und perspicuitatem.
†) 2 Kor. 10, 5.
††) Vergl. De usu rationis in causa fidei, e locis Novi Testamenti asserto. Commentatio theologica von Car. Chr. Schirlitz, Dresd. 1794.— Die Anführung dieſer wiewol ſchon ältern Abhandlung möge nicht blos darin, daß ſie von meinem ſel. Vater herrührt, eine Entſchuldigung finden, ſondern auch deshalb gut geheißen werden, weil ſie den Gegenſtand ſpeciell und ſachgemäß behandelt.
†††) Matth. 15, 10. Mark. 13, 14.
*.†) Ratio, von reor ich berechne, eigtl. die Berechnung, nachh. der Ueberſchlag, zuletzt= Vernunft oder das Vermögen aus Gründen zu erkennen, zu ſchließen. Möyud, von vosc ich nehme wahr, eigtl. das Wahrgenom⸗ mene nur in geiſtiger Beziehung], daher der Gedanke, nachh. überhaupt die Denkkraft, der Verſtand oder das Vermögen der Begriffe, Urtheile und Schlüſſe= 16)„s.


