Jahrgang 
1850
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Andres ſagen zu laſſen, als was er geſagt hat. Oder iſt die Bedeutung des Imperativus Aoriſti, welcher die unverzüglich zu beginnende Handlung fordert, nicht vernünftig genug?Wenn ihr mich liebet lalſo unter dieſer Bedingung mit Annahme objektiver Möglichkeit, worüber die Erfah⸗ rung entſcheiden wird], ſo haltet ſohne Verzug] meine Gebote, oder ſobald ihr mich liebet ſofort haltet meine Gebote, iſt ein Gedanke, der genug beſagt, um den ganzen Sinn deſſen, der ihn vorträgt, zu begreifen; um zu fühlen, daß am Ende auch die Fortſetzung der Be⸗ folgung der Gebote eingeſchloſſen iſt, wenn die Bedingung immer dieſelbe bleibt. Eben ſo reihet ſich in der zweiten Stelle Joh. 15, 4. der Imperativus zelwers mit dem Begriffe des unverzüg⸗ lich eintretenden Bleibens recht gut an das Vorhergehende: ihr ſeid jetzt rein um des Wor⸗ tes willen, das ich zu euch geredet habe. Daß dieſe Auffaſſung der gläubigen Schriftaus⸗ legung nicht im Wege ſteht, bedarf keiner Crörterung; eben ſo wenig in folgender Stelle:

Joh. 15, 6.: 2cν 1*εm τ εtν⁵ ε‿μο⁴, ³*ν εεμα, ds 1 vnjuk, wxu eνν, wo die unkritiſche Methode ebenfalls eine Enallage Temporum annimmt und behauptet, die Aoriſti&11 und/ ννν ſtünden für das Futurum, weil man das erwarte, und es gewöhnlich in ſolcher Wortverbindung vorkomme, wie z. E. in V. 7. unſres Kapitels: dy uslvyrs duridsoo'e, aci eni- dsraw uusv. Daher überſetzen die Anhänger derſelben: wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen werden, der wird verdorren. Es iſt aber weder das Futurum, noch das Präſens[was in der Lutherſchen Ueberſetzung ſich findet! das rechte Tempus; man überſetze nur: der iſt weggeworfen der iſt verdorret und man wird fühlen, daß ein ganz beſonders enges Verhältniß zwiſchen dem Vorder- und Nachſatze damit angedeutet wird; nämlich wenn Je⸗ mand nicht in Chriſto bleibt d. i. in ſolchem Falle, ſo bald er eingetreten ſein wird, iſt der⸗ ſelbe bereits weggeworfen worden, iſt er als ein weggeworfener, verdorreter Rebe zu betrach⸗ ten. Es ſoll alſo die ſchnelle, augenblickliche Folge, die mit dem Nichtbleiben in Chriſto verbunden iſt, angedeutet werden: eine Auffaſſung, die ſowol im Sprachlichen vollkommen begründet iſt, als auch mit der gläubigen Schriftauslegung durchaus ſich verträgt. Wie man zu ſolcher Enallage kam? Vielleicht nur, weil man Stellen fand, in welchen der Verfaſſer hätte ein andres Tempus unbe⸗ ſchadet des Hauptſinnes ſetzen können, wie z. E. Luk. 14, 18., wo ſtatt οοᷣρσασα᷑ ÿ⁰= ich kaufte, eben ſo gut es heißen könnte%οαμα ς ich werde kaufen; wiewol nun der Schriftſteller den Aoriſt geſetzt hat, ſo kann man doch nicht mit Kuinöl z. d. St. ſagen, ww09 ſtehe für das Futurum; eher ließe ſich mit dieſer Stelle die Behauptung unterſtützen, der Aoriſt ſtehe fürs Per⸗ fect, wenn nicht auch dieſe Anſicht von Winer S. 319. ſchon beſeitigt worden wäre. Aber ganz unpaſſend iſt es Joh. 17, 18.: deorsdc ä= ich ordnete ſie ab fürs Futurum zu nehmen, da ja ſchon bei der Erwählung der Apoſtel die Abordnung derſelben ausgeſprochen war, und das vor⸗ ausgehende axsoreclas mit dem nachfolgenden asoreuc correſpondirt. Anders verhält es ſich freilich mit Joh. 8, 44., wo die Worte ev rc dete od gorwxs nicht perfectiſch gefaßt werden dürfen, wie die Vulgata und Luther dieſes gethan haben= in veritate non stetit und= iſt nicht be⸗ ſtanden in der Wahrheit ſnämlich der Teufel], weil gornaa zu denjenigen Perfectis gehört, die