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Es gehört alſo die größte Willkühr dazu, zwc oder öxas in ſolchen Stellen für ein exgcaraon zu nehmen, wo der Inhalt für die vorgefaßte Meinung unbequem wird. Wie auch das von Mehrern für enpcraöv gehaltene ömcs zurückgewieſen werden müſſe, hat Winer in d. angef. Gr. S. 543. gut gezeigt. Indeſſen nicht blos in der Erklärung dieſer beiden Partikeln, auch in der Auffaſſung vieler andrer herrſcht wider alles rationale Verfahren bei gewiſſen Interpreten eine unbegreifliche Willkühr, welche nicht genug in die Schranken gewieſen werden kann. Schon 1826 hat Winer in einem beſondern Programme dagegen geſprochen: Conjunctionum in N. T. accuratius explican- darum caussae et exempla. Erlang. 1826. 4.*) Von einer Enallage andrer Art läßt ſich reden in folgenden Stellen:
Joh. 14, 15.: 2lν œs us, rds evro²d 1ds d&uναε iονœᷣe und Joh. 15, 4.: duslvdre 2u εαο⁶τ, οᷣeνω&ν νμ. Die Imperativi des Aoriſtus und Präſens ſind bekanntlich in der Bedeu⸗ tung nicht ohne Unterſchied, und doch iſt die unkritiſche Verfahrungsweiſe ſofort geneigt, zu behaupten, in unſern Stellen ſtehe oycœærs und uelvare für die Präſentia rygerre und uévere, alſo eine enal- lage temporum anzunehmen. Der Imperativus Aoriſti ſteht a) von einer unverzüglich zu begin⸗ nenden, b) von einer ſchnell vorübergehenden und c) von einer nur ein Mal vorzu⸗ nehmenden Handlung; der Imperativus Präſentis a) von einer bereits begonnenen und fort⸗ zuſetzenden und b) von einer öfters wiederholten Handlung.**) Welche Gründe ſollen uns nun beſtimmen, von dieſem Kanon abzuweichen und ihn nicht auf unſre Stellen anzuwenden? Etwa weil der Imperativus Präſentis in ſcheinbar ähnlicher Verbindung anderwärts ſteht, wie Luk. 9, 4.: els v dy olxlcy eioεννõe, axs? usvsre acl ausiev 25ℳνεκιαεν˙ od. 1 Joh. 2, 28.: xl⁴ vöv, rexvid, usvers sv dαᷣ IIαο]²? Aber, könnte man hier einwenden, in unſern Imperativen verlangt doch wol die Natur der Sache eine öfters wiederholte, oder wenigſtens fortzuſetzende Handlung; gewiß nicht eine ſchnell vorüber gehende, oder nur ein Mal vorzunehmende. Dagegen wäre an ſich Nichts zu ſagen, wenn wir es nicht für eine anerkannte exegetiſche Pflicht hielten, den Schriftſteller, von welchem wir annehmen müſſen, daß er mit Bewußtſein und Kenntniß ſeiner Sprache ſchrieb, nichts
*) Wir wollen aus der neueſten Ausgabe ſ. Grammatik des neuteſt. Sprachidioms([Leipz. 1844.] eine Bemerkung hier mittheilen.„Es iſt in der That, ſagt er S. 527, ſeltſam anzuſehen, wie die Commentare (bis vor einem Decennium) einmal über das andre die Apoſtel meiſtern und ihnen faſt immer eine andre Con⸗ junction unterſchieben, als wirklich im Terte ſteht. Wollte man zuſammenrechnen, gewiß es blieben z. E. in den Pauliniſchen Briefen nicht 6 bis 8 Stellen übrig, wo der Apoſtel die rechte Partikel getroffen hätte und der Interpret ihm nicht nachzuhelfen brauchte. Das hat große Willkühr in die N. T. Exegeſe gebracht! Und ſollten Paulus und Lukas nicht mehr Griechiſch verſtanden haben, als manche ihrer ſie meiſternden Ausleger? Aufs Hebräiſche kann ſich diesfalls nur der berufen, der in einer ganz unvernünftigen Anſicht von dieſer Sprache befangen iſt. Solche willkührliche quid pro quo ſind in keiner menſchlichen Rede möglich. Uebrigens war die Willkühr der N. T. Interpreten um ſo augenſcheinlicher, da oft eine ſolche Conjunction an derſelben Stelle von Verſchiedenen ganz verſchieden gefaßt wurde; ſo ſoll 2 Kor. 8, 7. 14³ nach Einigen für„⁴ο,‧ nach An⸗ dern für oby u. ſ. w., Hebr. 5, 11.«A⁴ nach Einigen fuͤr 11 geſetzt ſein, nach Andern licet bedeuten. Hebr. 3, 10. läßt Kuinöl die Wahl frei, ob man 06 für a oder in der Bedeutung nam nehmen will.“
**) Die Belege dazu ſ. bei Winer in ſ. Gr. S. 366. folg.
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