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legt, ebenſowenig irgend eine Berechtigung einräumen, als wir es für unſre Pflicht halten mußten, der neuen, immer mehr Geltung ſich verſchaffenden rationalen Behandlung, deren Hauptaufgabe es iſt,„die Gründe aller Spracherſcheinungen, ſelbſt der Abnormitäten, in dem Denken der Völker und Schriftſteller aufzuſuchen“*), gehörige Rechnung zu tragen, ohne der Subtilitätenkrämerei irgend wie Vorſchub zu leiſten.
Dieſe rationale Behandlung nun, welche wie überall, ſo auch in unſrem Wörterbuche mehr dem innern als äußern Auge entgegentritt, beabſichtigen wir für unſre jüngern Leſer hier etwas umſtändlicher zu beſprechen, zugleich mit der Hoffnung, die Grundloſigkeit der öfters laut gewordenen Befürchtung, daß jene irgend wie der gläubigen Schriftauslegung im Wege ſtehe, auf überzeugende Weiſe darthun zu können.
§ 2. Purismus. Hebraismus.
Um die Sache, welche in Rede ſteht, in das rechte Licht zu ſetzen, müſſen wir vorerſt einen Blick auf das Gegentheil derſelben, auf die unkritiſche Empirie, welche der rationalen Behandlung vorausgegangen iſt, werfen. Im vorigen Jahrhunderte noch betrachtete man die griechiſche Sprache in einem ganz eignen Sinne als eine todte, d. h. nicht als eine Sprache, die nicht mehr als Mutterſprache von einem Volke geredet wird, ſondern als eine Sprache ohne innern Organismus. Die ſprachlichen Erſcheinungen, Formen, Conſtructionen und ſyntactiſchen Verhältniſſe ſah man als ein hiſtoriſches Conglomerat an; mit einer allgemeinen Kenntniß von ihnen, die durch die alten Grammatiker überkommen war und durch Ueberlieferung ſich weiter fortgepflanzt hatte, ſich begnü⸗ gend verfuhr man bei Erklärung vorliegender Stellen ganz nach Willkühr und vorgefaßter Meinung. Wollen wir dieſen unkritiſchen Empirismus näher ſchildern, ſo müſſen wir mit Winer lim ang. W. S. 9.] ſagen:„er faßte, was den grammatiſchen Organismus der Sprache anbetrifft, dieſen „nur in den roheſten Umriſſen auf; ließ das Verhältniß verwandter Formen, in welchen gerade die „Eigenthümlichkeit des Griechiſchen hervortritt, z. E. des Aoriſtus und Perfects, des Conjunctivs „und Optativs faſt ganz unbeſtimmt; ſtatuirte in Beziehung auf alle Sprachformen, deren Bedeu⸗ „tung man wol im Allgemeinen erkannt hatte, eine gränzenloſe Enallage oder Vertauſchung, wornach „ein Tempus für das andre, ein Caſus für den andern, eine Partikel für die andre, ja ſelbſt das „Entgegengeſetzte mit einander vertauſcht werden konnte; man klügelte ein Heer von Ellipſen aus „und fand in den einfachſten Sätzen Etwas zu ſuppliren.“ Dieſe Verfahrungsweiſe iſt noch ganz zu finden in den Animadverss. ad Welleri Grammaticam[Lips. 1798], und fand um ſo mehr Anwendung auf die neuteſtamentliche Gräcität, als man dieſelbe öfters nur für eine Nachbildung des Hebräiſchen hielt. Von dieſem galt aber vorzugsweiſe die Vorſtellung, die vielleicht noch hin und wieder hervortritt, es finde in demſelben gar keine Beſtimmtheit der Formen und keine Regel⸗
*) Vergl. die ſchon angef. Winer'ſche Gram.§. 4, S. 9.


