Jahrgang 
1850
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gr. N. T.'s aus dieſen trefflichen Werken ein Vortheil zuflöſſe; überhaupt daß die in ihnen nieder⸗ gelegten, bis dahin nur als Eigenthum der Gelehrten anzuſehenden, Forſchungen ein Gemeingut für diejenigen würden, denen es nicht gegeben iſt, Neues zu erforſchen. Nach unſrem Dafürhalten könnte es ein Hülfsbuch geben, durch welches der jüngere Leſer des gr. N. T.s in den Stand geſetzt würde, über jedes Wort in demſelben in grammatiſcher, lexikaliſcher und ſachlicher Beziehung ſich hinreichend zu belehren. Daſſelbe müßte aber in deutſcher Sprache und ſo abgefaßt ſein, daß von dem philologiſchen Apparate, womit der Bearbeiter ausgerüſtet ſein muß, nicht eben viel zu ſehen iſt; es müßte bei aller Gründlichkeit und nöthigen Ausführlichkeit doch in angemeſſener Kürze ſich halten: Eigenſchaften, die ſonſt gute Speziallexika für klaſſiſche Profanſcribenten auch haben, wie etwa das vollſtändige griechiſch-deutſche Wörterbuch von G. C. Cruſius über die Gedichte des Homer und der Homeriden u. ſ. w.[dritte Auflage, Hannover 1849], oder Ebendeſſelben Wörterbücher zu Tenophons Cyropädie, Memorabilien u. a. m.

Da der Verfaſſer dieſer Zeilen zunächſt Vermöge ſeiner amtlichen Thätigkeit den Mangel eines ſolchen Hülfsbuches in Schulen lebhaft verſpüren mußte, auch in weitern Kreiſen außerhalb der Schule denſelben wahrzunehmen Gelegenheit hatte, ſo war er ſchon ſeit Jahren darauf bedacht, dieſem Bedürfniſſe in irgend einer Art entgegenzutreten. Er arbeitete deshalb ſein ſo eben vollendetes Griechiſch⸗Deutſches Wörterbuch zum N. Teſtament*) zunächſt für jenen weitern Kreis, aber doch in der Art aus, daß auch noch Anfänger in den Schulen davon ſchon einen Gebrauch machen könnten, wie etwa der griechiſchen Wörterbücher eines Paſſow, Pape u. A. nicht blos die Weitergeförderten, ſondern auch Schüler der beiden obern Claſſen ſich mit Nutzen bedienen. Dabei ſchwebte ihm der leitende Gedanke vor, daß der dieſes Wörterbuch Gebrauchende zu der neu⸗ begründeten Kenntniß neuteſtamentlicher Gräcität, wie ſie in den oben angeführten größern Werken niedergelegt iſt, geführt werden müſſe und im Beſitze derſelben ein ſelbſtſtändiges Urtheil über den Charakter der neuteſtamentlichen Gräcität gewinnen könne. Dadurch hofften wir, der ſo oft zum Vorſchein kommenden Unſelbſtſtändigkeit bei Beurtheilung bibliſcher Gegenſtände in geeigneter Weiſe entgegen zu treten. Wir mußten daher freilich ſelbſt den rechten Standpunkt zu unſrer Arbeit ein⸗ nehmen. Derſelbe war ein doppelter; einmal mußten wir, was die Grundanſchauung des neuteſta⸗ mentlichen Sprachidioms anbetrifft, gleichweit von dem einſeitigen Hebraismus, wie von dem excen⸗ triſchen Purismus entfernt bleiben, wieferne jener die neuteſtamentlichen Schriften in Form und Materie nur zu Ueberſetzungen aus hebräiſch Gedachtem macht, dieſer hingegen das geſammte Griechiſch des N. Teſtaments dem claſſiſchen gleichgeſtellt und Alles gethan zu haben glaubt, wenn er jedes neuteſtamentliche Wort, jede Phraſe in dem N. T. mit einer Stelle aus Profanſcribenten belegt; andrerſeits durften wir, was die exegetiſche Grundanſicht, wovon auszugehen war, anbetrifft, dem rohen Empirismus der griechiſchen Sprachforſchung, welcher bis in den Anfang des gegenwär⸗ tigen Jahrhunderts herrſchte, und vorzüglich darin beſteht, daß er die ſprachlichen Erſcheinungen, weil er ſie für todte Maſſen nimmt, mit der allergrößten Willkühr behandelt und demgemäß aus⸗

*) Das im Verlage der Ferber'ſchen Univerſitäts⸗Buchhandlung in Gießen erſcheint.