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ſoll das griechiſche N. T. das angeſehenſte, koſtbarſte Schulbuch, welches der Griechiſch treibende Secundaner und Primaner in ſeiner kleinen Bibliothek beſitzt, ſein, das im Stande iſt, über die Schulzeit hinaus ihm große Dienſte zu leiſten. Ohne Anleitung jedoch und Unterſtützung kann er daſſelbe ſo wenig wie die Profanſcribenten leſen. Das ſprachliche Element, nicht ſelten auch das reale, bietet dem Anfänger mancherlei Hinderniſſe; denn wenn auch, was jenes anbetrifft, in den gewöhnlichen Schulgrammatiken, wie von Buttmann und Matthiä, nicht ſelten Hinweiſungen auf neuteſtamentliche Formenbildungen ſich finden, oder in den griechiſchen Handwörterbüchern von Reichenbach, Paſſow, Jakobitz, Pape u. a., welche wol in den Händen der Schüler ſind, hin und wieder Rückſicht auf neuteſtamentliche Wörter, beſonders auf die ſeltneren, genommen wird, ſo werden dadurch jene Hinderniſſe doch nicht beſeitigt, was auch gar nicht zu verwundern iſt, da dieſe Schulbücher andre Zwecke haben; und in Betreff der vielen Realia, welche das N. T. ent⸗ hält, ſieht ſich der Anfänger ganz verlaſſen. Nun iſt nicht zu leugnen, daß gerade fürs Neue Teſtament in der Grundſprache die gegenwärtige Literatur der ſogenannten heiligen Philologie ſehr ausgezeichnete Hülfsmittel darbietet, wir dürfen nur an die grammatiſchen und lexikaliſchen Werke von G. B. Winer(Grammatik des neuteſtamentlichen Sprachidioms u. ſ. w., neueſte, fünfte, verb. und verm. Auflage. Leipzig 1844. und Bibliſches Realwörterbuch, dritte ſehr vermehrte Auflage. Leipzig 1847.], J. Fr. Schleusner[Novum Lexicon graeco-latinum in Nov. Testamentum; editio quarta emendatior et auctior. Lipsiae 1819.], C. G. Bretschneider[Lexicon manuale graeco- latinum in libros Novi Testamenti; editio tertia emendata et aucta. Lips. 1840.] und Chr. Abrah. Wahl[Clavis Novi Testamenti philologica cet.; editio tertia emendatior et auctior, Lips. 1843.] erinnern;*) aber ſie haben keinen Zuſchnitt für Gymnaſien, ſondern ſind nur für die Männer vom Fache geſchrieben. Und doch wäre zu wünſchen, daß auch den jüngern Leſern des
neuern Zeit auch in Betreff eines gewiſſern und tiefern Verſtändniſſes der Bibel gebracht habe, fährt er fort: „Ein ſolches Leſen des Grundtextes thut der Erbauung ſo wenig Abbruch, daß ſie vielmehr durch dieſes Leſen „feſter und tiefer begründet und von Stimmungen unabhängiger wird. Man geht gewöhnlich davon aus: „beim Leſen der Lutheriſchen Bibelüberſetzung habe man es einzig mit dem Inhalte zu thun, könne ſich dieſem „ganz hingeben, während ſich der Leſer des Grundtertes erſt durch ſprachliche Schwierigkeiten hindurch arbeiten „müſſe, was ſeiner Erbauung hinderlich in den Weg trete.“—„Wie aber“— heißt es weiter—„wenn „der Erbauung etwas ganz Entgegengeſetztes Abbruch thäte? Bekanntlich werden die meiſten Menſchen von „den allergrößten Naturerſcheinungen, vom blauen Himmelsgewölbe, von Sonne, Mond und Sterne u. ſ. w. „ſehr wenig ergriffen, weil ſie alltäglich ſind. Die Einwohner des Chamounithales bewundern den Montblanc „ſo wenig, als der Genueſer und Neapolitaner das Meer.— Auf ähnliche Weiſe gewöhnt ſich der Menſch „nur zu leicht an die heilige Schrift; es tritt eine Art Abſtumpfung gegen das Höchſte ein, weil er es von „Jugend auf kennt, ja auswendig weiß. Dieſer Abſtumpfung wirkt Nichts ſo heilſam entgegen, als ein Ueber⸗ „gehen von der Ueberſetzung zum Grundtexte. Das längſt Bekannte wird plötzlich neu, und es geſellt ſich das „Gefühl hinzu, daß jener Text eine gewiſſe, zum tiefern Hineinſinnen und Hineinleben anregende Original⸗ „Tiefe und Unergründlichkeit habe, welche auch der beſten Ueberzeugung abgehe.“
*) Christ. Gottl. Wilke: Clavis Novi Testam. philolog., usibus scholarum et iuvenum theolog. studiosor. 2 voll. erſchien Dresd. u. Leipz. 1840— 41.


