Jahrgang 
1850
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auch der rechte Eifer für die claſſiſche Bildung, welche den künftigen Trägern des Staates und der Kirche ſo nothwendig iſt, wie die Achtung des Volkes. So iſt alſo das Bedürfniß, die Bibel in den Schulen fleißig zu treihen, ſie unmittelbar und unverkümmert zu leſen, hinreichend begründet und hat ſich, wie ſchon vor Jahren, ſo beſonders jetzt bei dem Ernſte der Gegenwart lebendig ausgeſprochen. Die Bibel wird allerdings jetzt vorſchriftsmäßig in den Schulen geleſen. In den Gymnaſien tritt für Diejenigen, welche Griechiſch lernen, noch die Anforderung hinzu, das Neue Teſtament auch in der Grundſprache zu leſen. Sie iſt ſchon in dem Reglement für die Prüfung der zu den Univerſitäten übergehenden Schüler. Berlin 1834.§ 23. 5. enthalten und verdient alle Anerkennung. Es ſollen durch Befolgung dieſer Anforderung unſre Zöglinge nicht zu eigent⸗ lichen Theologen herangebildet werden; auch ſoll das Neue Teſtament nicht zu einem Schulbuche herabgewürdigt werden, aus welchem der Anfänger die Elemente des Griechiſchen zu erlernen habe, wie dieſes wol in früherer Zeit in den ſogenannten pietiſtiſchen Schulen geſchah. Nach unſrer Anſicht von der Sache ſoll, was den erſtern Punkt angeht, der junge, künftige Vertreter kirchlicher Intereſſen eine hinlängliche Kenntniß der Quellen ſich erwerben können, aus welcher alles kirchliche Leben und das Intereſſe für daſſelbe fließt; er ſoll die Bibel, namentlich das Neue Teſtament ſo viel wie möglich nach allen Seiten hin kennen lernen. Für die tiefere Erkenntniß reicht aber die Ueberſetzung des Grundtextes nicht aus; denn auch die beſte Ueberſetzung, ſelbſt dieim Weſent⸗ lichen unübertreffliche Dolmetſchung von Luther kann das Original nicht entbehrlich machen, ſchon darum nicht, weil demjenigen, welcher eine ſelbſtſtändige, begründete Einſicht haben will, es nicht genug ſein kann, zu wiſſen, wie Luther überſetzt hat; es muß ihm auch daran gelegen ſein, zu erkennen, warum er ſo und nicht anders überſetzte; wobei ſich die Frage von ſelbſt dazwiſchen drängt, ob nicht eine andre Ueberſetzung oder Auffaſſung hin und wieder möglich, oder nothwendig iſt. Wie kann man aber der Anforderung an ein ſelbſtſtändiges Urtheil entſprechen, ohne das Original zur Hand zu nehmen? Wird nicht öfters durch einen Blick in dieſes ein neues Verſtänd⸗ niß einer Stelle, eines Ausdruckes in ihr erſchloſſen? Was den andern Punkt anbetrifft, ſo ſoll durch Einführung des griechiſchen Neuen Teſtamentes in die Schulen gerade das Gegentheil bewirkt werden, alſo nicht Geringſchätzung, ſondern Hochachtung gegen das lebendige Wort Gottes, das darum oft von ſonſt brauchbaren und angeſehenen Männern im Staate mit Theilnahmloſigkeit, Geringſchätzung, ſelbſt Verachtung betrachtet wird, weil ſie daſſelbe nicht in rechter Weiſe kennen gelernt haben, und es gilt auch hier die alte Wahrheit: ars non nisi ignorantem habet osorem. Wir wollen den Grundtext des N. T's nicht zum Experimentiren in rebus grammaticis der griechi⸗ ſchen Sprache in der Schule gebrauchen; man weiß ja, wie dem Schüler Bücher zuwider werden, in und an welchen er die erſten Anfänge erlernt. Fiat experimentum in re vili iſt ein alter pädagogiſcher Grundſatz, den wir hier nicht aus dem Auge verlieren.*) Nein nach unſrem Wunſche

*) So hat ſich auch Karl von Raumer in ſeiner Geſchichte der Pädagogik in des dritten Theiles erſter Abtheilung[Stuttgart 1847], über die Leſung des N. T.'s in der Grundſprache auf Gymnaſien S. 40 folgg. ausgeſprochen. Nachdem er von den Vortheilen geredet hat, welche die feinere Sprachforſchung der