Jahrgang 
1848
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und hatte ſeinen Weg überall mit Mord und Brand bezeichnet. Dieſe Schmach zu rächen, ruͤſtete daher der Ordensmarſchall Konrad von Thierberg d. J., an des Landmeiſters Stelle, ein bedeutendes Streitheer aus. Das Gebiet von Kiemenau unterlag; aber am Walde Winſe mußten die Ritter einen theueren, blutigen Sieg erkaufen. Nun breitete ſich der Aufruhr weithin im Lande aus, und ungeachtet ſeiner Freibeuter, die der Orden errichtete, war ſeine Kriegsmacht im J. 1278 nicht ausreichend zur völligen Bezwingung des kriegeriſchen Volkes. Ueberdieß erlag der Landmeiſter Konrad von Thierberg einer langen Krankheit im Frühling 1279 und ſein Nachfolger Konrad von Feuchtwangen, zugleich auch zum Landmeiſter von Livland ernannt, verweilte kaum ein Jahr in Preußen und beſchränkte ſich dann mit Bewilligung des Hochmeiſters, indem er an den Gefahren in Preußen verzweifelte, nur allein auf Livland.

Der ritterliche Mangold von Sternberg folgte im J. 1280 als Landmeiſter in Preußen, ein tüchtiger Mann, der Sudauens gäͤnzliche Bezwingung als ſeine erſte Aufgabe erkannte; denn immer wieder erneuten ſich von dort die Raubzüge des wilden Volkes. Eine bedeutende Macht wurde geſam⸗ melt und im Winter des Jahres 1281 brach mit ihr der Landmeiſter in's feindliche Gebiet ein. Die Wohnburg des Häuptlings Skomand wurde erſtürmt, eine blutige Schlacht gewonnen; aber noch mancher heiße Kampf mußte folgen, bis der tapfere Häuptling überwältigt, Schutz und Taufe von dem Orden annahm. Auch die anderen Häuptlinge, die noch in Sudauen an die Spitze des Volkes traten, wurden in dem J. 1282 nach dem tapferſten Widerſtande bezwungen und, dem Chriſtenthum gewonnen, mit den Ihrigen auf ſamländiſches Gebiet übergepflanzt; nur der Häuptling Skurdo wanderte nach wiederholten blutigen Kämpfen, da ſeine Heimath weithin verwüſtet worden, im J. 1283 mit den Seinen nach Litthauen aus und ließ das ſonſt volkreiche Land wie eine Grabesöde zurück, darum fortan die große Wildniß genannt.

So hatte nun der Orden durch Ausdauer und Beharrlichkeit ſein Hauptziel, die Unterwerfung Preuſſens, nach 53 Jahren des ſchwierigſten Kampfes erreicht; acht Hochmeiſter und vierzehn Landmeiſter hatten bis dahin die Leitung geführt; aber ſie waren eine blutige Bahn gegangen; über Tauſende von Leichen, über verödete Dörfer, Burgen und Ländereien waren ſie hingeſchritten; ein freies Volk hatten ſie in die Feſſeln der Knechtſchaft geſchlagen. Doch die Vorſehung wollte es alſo; denn es war zugleich der Grund gelegt zu einer chriſtlich-deutſchen Bildung, einer deutſchen Herrſchaft an den Küſten der Oſtſee, einer Herrſchaft, die alsbald eine weltgeſchichtliche Bedeutung gewinnen ſollte.

Anhang.

Nach der völligen Unterwerfung Preußens beginnt der Orden im J. 1283 den lang dauernden Krieg gegen das heidniſche Litthauen und verlegt, nachdem Akkon, der letzte chriſtliche Beſitz im Morgenlande, im J. 1291 in die Hände der Türken gefallen, unter dem Hochmeiſter Konrad von Feuchtwangen ſeinen Hauptſitz nach Venedig, wo er ſchon längſt einen Ritterconvent hatte, und unter dem Hochmeiſter Siegfried von Feuchtwangen, nachdem der Papſt über Venedig den Bannfluch ausgeſprochen und der Erzbiſchof von Riga den Orden vielfältig bedrängte, im J. 1309 nach Marien⸗ burg. Um dieſelbe Zeit gewinnt er durch Gewalt und Kauf, der Anſprüche Polens ungeachtet, Pomme⸗ rellen, und wird im J. 1327 in den ſchon lange drohenden Krieg gegen Polen unter König Wladislaw I. verwickelt. Der Orden erreicht unter den Hochmeiſtern Winrich von Kniprode(1351 82) und Konrad von Jungingen(1394 1407) ſeine höchſte Blüthe; aber in ſeinem Glanze und