17
Häuptlinge entmuthigt, in Ruhe. In Pogeſanien ergriff der alte Häuptling Auctumo nochmals die Waffen gegen Elbing; treulos mordete er durch Ueberfall die ihm entgegen gezogenen Bürger mit ihren Geißeln; aber auch ihn ereilte die verdiente Strafe; mit mächtigem Heere zieht der Landmeiſter und Marſchall heran, mit Feuer und Schwert raffen ſie Alles hinweg, was Widerſtand leiſtete; Gehorſam und Frieden waren in blutiger Strenge alsbald wieder hergeſtellt.
So wuchs nun mit dem äußeren Glück auch wieder der Muth und das Vertrauen des Ordens zu ſeiner heiligen Sache, und in ſeinen neu aufblühenden Ausſichten wurde er von dem Papſte Gregor X. wie von dem Kaiſer Rudolf von Habsburg treu und eifrig unterſtützt. Konrad von Thierberg war an Dietrich's Stelle Landmeiſter geworden, und von dem Ordenskapitel zu Marburg war nach dem im J. 1274 verſtorbenen Anno von Sangerhauſen der verdiente wohl erfahrene Ordensritter Hartmann von Heldrungen aus Thüringen zum Hochmeiſter gewählt worden. Ueberall regte ſich nun friſcher Geiſt und friſche Kraft für das Gedeihen des Ordens; die innere Verwaltung des Landes wurde mit Milde und Schonung gehandhabt, und Ackerbau und bürgerlicher Verkehr allmählig wieder hervorgerufen. In dieſer Zeit der neuen Erhebung konnte nun auch durch Konrad's Bemühungen in den Jahren 1274 und 75 die hochprangende Burg Sanct Marienburg an der Nogat in's Leben treten, die bald alle andere Burgen überſtrahlen ſollte; ihr erſter Komthur war der Ordensritter Heinrich von Wilnow, und das heidniſche Dörfchen Alyem ging in die Stadt Marienburg über.
9. Neuer Verwüſtungs⸗Sturm von Sudauen her. Harte Kämpfe in Nadrauen und Schalauen.
Neuer Aufſtand in Natangen, Ermeland und vorzüglich in Pogeſanien im J. 1276. Blutige
Kämpfe mit Sudauen im J. 1277 und 78. Erſt im J. 1281 folgt durch den Landmeiſter Mangold
von Sternberg die Bezwingung nach dem hartnäckigſten Widerſtand, und im J. 1283 völlige Ruhe in dem verödeten Lande. Ganz Preuſſen unterworfen.
Indeſſen Ruhe ſollte der Orden noch nicht haben. Von Oſten her aus Sudauen brach eine wilde Schaar in Bartien ein; Bartenſtein wurde erſtürmt; aber vor der Burg Beſelede erlitten die Heiden eine blutige Niederlage. So mußte der Orden ſchon zu ſeiner Sicherheit auch die letzten Landſchaften Nadrauen, Schalauen und Sudauen noch zu unterwerfen ſuchen. Zuerſt wurde Nadrauen nach harten und blutigen Kämpfen bezwungen; aber das Land glich einer Wüſte und bedurfte langer Zeit zu ſeiner Erholung. Eben ſo erging es der Landſchaft Schalauen; nach der hartnäckigſten Vertheidigung wurden ihre Burgen gebrochen, die Landes⸗Edlen ergaben ſich und das Volk folgte; aber das Land war verödet, und der Druck der Zwingherrſchaft dehnte ſich über blutige Trümmer immer weiter aus. An eine chriſtliche Belehrung wurde nirgends gedacht; daher auch der innere geiſtige Halt fehlte, und das Ganze bald wieder mächtig erſchüttert wurde.
In Samland begann durch eine geringe Veranlaſſung der Aufruhr von neuem und dehnte ſich raſch über Natangen, Ermeland und Pogeſanien aus. Es mußten wieder harte Kämpfe beſtanden werden; doch die rechte Einheit fehlte den empörten Heiden; ſie wurden von neuem überwältigt; nur Pogeſanien beharrte länger im Aufſtand; erſt im J. 1277 vermochte der Landmeiſter durch Raub und Brand die Ruhe wieder herzuſtellen. Noch blieb das ſtreitbare Volk von Sudauen zu bezwingen übrig; ein ſchwieriger, gefahrvoller Kampf, den der Orden in ſeiner bedenklichen Lage kaum wagen durfte. An die Hülfe eines Kreuzheeres war nach dem Tode des Papſtes Gregor's X. nicht zu gedenken; die ſonſt befreundeten Herzoge von Pommern und Polen waren durch innere Zerwürfniſſe abgehalten; auch das verbündete Livland war ſelbſt immer bedroht. Und doch war die Bezwingung der Sudauer ein unver⸗ meidliches Unternehmen; denn noch im J. 1277 war ihr Häuptling Skomand mit einer ſtarken Schaar in wilder Verwüſtung durch's Kulmerland und Pomeſanien bis nach Marienwerder hingeſtürmt,
3


