Jahrgang 
1848
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wurden eroffnet, Verträge für ein künftiges böhmiſches Königreich an der Oſtſee, in Galindien, Litthauen und anderem heidniſchen Gebiete wurden ſchon abgeſchloſſen zwiſchen dem Orden und König; der Herzog von Pommern gelobte ſchleunigſt Frieden und Freundſchaft; aber leider hatte Ottokar's Kreuzfahrt im J. 1268 keinen günſtigen Erfolg; die weiche Witterung des Winters verhinderte das tiefere Eindringen in's Land; einige Burgen wurden wieder aufgebaut, und der König eilte alsbald mit ſeinem Hauptheere wieder zurück; ein großer Nachtheil für den Orden. Das Vertrauen der Preußen in ihre Kräfte wuchs immermehr. In wilder Verheerung wird von neuem das Kulmerland durchſtürmt; die Stadt Marienwerder unterliegt zum zweiten Male der roheſten Zerſtörung; auch die neue Starkenburg an der Oſſa wurde wiederholt angegriffen und gebrochen, eben ſo die Burg Spittenberg in Pomeſanien; eine Stütze ſank nach der andern. Das Kulmerland war vorzüglich der Schauplatz gräßlicher Verwüſtung. Die Stadt Rheden wird zweimal erſtürmt; eben ſo mußte die Burg Wartenberg, die Stadt und Burg Löbau unterliegen; nur Kulm wird von ſeinen tapferen Bürgern gerettet. Ueberdieß brach plötzlich der Litthauiſche Großfürſt Troynat mit ſeinen raubgierigen Schaaren, ſowie in Maſovien, ſo auch in Pomeſanien und in's Kulmerland verwüſtend ein; die Burg Birgelau fiel. Zu gleicher Zeit ſtürmten die Sudauer und Barter mit ihren wilden Häuptlingen im Lande umher und verheerten oder ſchleppten weg, was andere noch übrig gelaſſen. So zeigte ſich überall nur das gräßliche Bild des Jammers und Elends, des Mordes und Verderbens; faſt zehn Jahre lang dauerte dieſer mörderiſche verwüſtende Kampf; denn die Preußen wollten um keinen Preis ihre Freiheit der drückenden Zwingherrſchaft aufopfern. Der in ſeinen Kräften ſchrecklich zuſammen geſchmolzene Orden ſah ſich ohne Ausſicht auf Hülfe in der troſtloſeſten Lage. Der Papſt Clemens war geſtorben, und die Kardinäle in ihrem eigenen Hader dachten nicht an den heidniſchen Norden. Deutſchland ſelbſt war in gräßlicher Verwirrung. Deſſenungeachtet ſollte endlich dem Orden für all' ſeinen Jammer, für all' ſeine Opfer und Anſtrengungen auch wiedet die Stunde der Erlöſung und Rettung ſchlagen.

8. Der Landkomthur Konrad von Thierberg ſtellt im J. 1270 u. 71 die Rube wieder her. Kreuz⸗ zug des Markgrafen Dietrich von Meiſſen im J. 1272. Pogeſanien, Ermeland, Natangen, Samland und Barterland geloben wieder Gehorſam. Unter dem Hochmeiſter Hartmann von Beldennsen friſches Aufbluͤhen des Ordens. Marienburgs Entſtehung in den Jahren 1274 u. 75.

Im Jahre 1270 hatte der Landmeiſter Ludwig von Baldersheim ſeinem kummervollen Amte entſagt, und der Landkomthur von Kulm, Konrad von Thierberg d. A., ein Mann von feſtem Charakter, von Tapferkeit und Beſonnenheit im Kriege, war ſein Stellvertreter geworden, und während die Biſchöfe von Samland und Kulm, Hülfe ſuchend, nach Deutſchland eilten, wußte Konrad durch ſeine klugen Anordnungen neben dem neuen, weniger tüchtigen Landmeiſter Dietrich von Gatersleben in dieſem Jahre ſo wie im folgenden 1271 die Preußen meiſtens in Ruhe zu halten, und allmählig das verwüſtete Gebiet wieder aufzurichten. Der Herzog Boleslaw von Polen wurde von neuem gewonnen, und da der Herzog Miſtwin von Pommern mit ſeinem Bruder und nachher mit den heran gerufenen Markgrafen von Brandenburg wegen des Beſitzes von der Stadt und Burg Danzig fortwährend haderte, ſo hatte der Orden von Pommern her nichts zu fürchten. Dazu kam, daß der neue Papſt Gregor X. wieder raſtlos, vereint mit jenen Biſchöfen und dem Hochmeiſter Anno, an einer Kreuzfahrt arbeitete, zu der endlich im J. 1272 eine bedeutende Schaar ſich ſammelte. Markgraf Dietrich von Meiſſen führte den Zug mit den Grafen Dietrich und Günther von Regenſtein und einer erleſenen Reiterſchaar. Pogeſanien und Ermeland werden wieder überwältigt; auch Natangen mußte ſich nach harten Kämpfen unterwerfen; an 12000 Preußen hatten ſich für ihre Freiheit muthig aufgeopfert. So kehrte nach glänzenden Siegen der Markgraf in ſeine Heimath zurück. Samland und Barterland verhielten ſich, nach dem Verluſte ihrer