Jahrgang 
1848
Einzelbild herunterladen

19

Reichthum wird auch ſeine fromme Begeiſterung und Sittenſtrenge untergraben. Nachdem der Litthauiſche Großfürſt Jagiel(Jagello) im J. 1386 ſich mit Hedwig, der Erbin Polens, der Tochter des Königs Ludwigs des Gr. von Polen und Ungarn, vermählt und nach ſeiner Taufe als Wladislaw II. Litthauen mit Polen zu Einer Herrſchaft(aber nicht Einem Reiche) vereint, ſo erleidet der Orden in dem mit beiden Völkern fortgeſetzten Kriege im Jahre 1410 bei Tannenberg eine große Niederlage(der Hochmeiſter Ulrich von Jungingen fällt) und muß im erſten Frieden zu Thorn 1411 Samogitien an Litthauen, und nach dem ſchon 1414 durch Jagello wieder erneuten Kriege im Frieden zu Brzesc im J. 1436 auch Sudauen an Polen abtreten. Dieſer Verluſte ungeachtet ſteigt die Entartung des Ordens und mit ihr die Unzufriedenheit des Landes immer mehr. Daher gründen der Adel und die Städte, des Druckes müde, zu Marienwerder 1440 unter Hans von Baiſen den preußiſchen Bund, und begeben ſich, vom Hochmeiſter Ludwig von Erlichshauſen und dem Kaiſer Friedrich III. nicht anerkannt, unter den Schutz und die Oberhoheit des Königs Kaſimirs II. von Polen. So folgt der neue Krieg gegen Polen von 1454 bis 1466, und der Orden muß nach dem Verluſte von Marienburg im Frieden zu Neſſau bei Thorn(zweiter Frieden zu Thorn) am 19. Okt. 1466 Weſtpreußen an Polen abtreten und Oſtpreußen als Lehen von Polen annehmen. Das Haupthaus wird durch den Hoch⸗ meiſter Ludwig von Erlichshauſen nach Königsberg verlegt.

Der Papſt hebt zwar ſchon 1470 durch eine Bulle den Lehnsvertrag wieder auf, aber deſſen ungeachtet ſuchen ihn die polniſchen Könige feſtzuhalten, und der Hochmeiſter Markgraf Albrecht von Brandenburg(1511 25), dadurch mit dem Könige Sigismund von Polen abermals in Krieg verwickelt, ſchließt, nachdem er zur lutheriſchen Confeſſion übergegangen, den 8. Apr. 1525 zu Krakau mit Sigismund den Frieden, wonach das preußiſche Ordensland in ein weltliches erbliches Lehns⸗Herzogthum von Polen verwandelt wird. Säculariſation des Ordens. Die wenigen damit unzufriedenen Ritter verlegen ihren Sitz nach Mergentheim an der Tauber im Würtembergiſchen, bis ſie 300 Jahre ſpäter gänzlich aufgelöſt werden. Albrecht verbreitet die Reformation im ganzen preußiſchen Lande und gründet 1544 die Univerſität zu Königsberg. Unter ſeinem geiſteskranken Sohne Albrecht Friedrich, der ihm 1568 folgt, wird die vormundſchaftliche Regierung an deſſen Vetter Markgraf Georg Friedrich von Anſpach und nach deſſen Tode 1603 an Churfürſt Joachim Friedrich von Brandenburg, ſeit 1608 aber an deſſen Sohn Churfürſt Johann Sigismund übertragen, der mit Anna, der Tochter Albrecht Friedrich's vermählt war, und mit dem Tode deſſelben 1618 das Herzogthum mit dem Churfürſtenthum förmlich vereint; doch erſt im Jahre 1656 erhält der große Churfürſt Friedrich Wilhelm im Vertrage zu Labiau von König Karl X. Guſtav von Schweden, den er in der Schlacht bei Warſchau gegen Polen unterſtützt, die Souveränität über das Herzogthum Oſtpreußen mit dem Bisthum Ermeland, und eben ſo 1657 im Vertrage zu Welau von König Johann Caſimir II. von Polen, anerkannt von den europäiſchen Mächten 1660 im Frieden zu Oliva(bei Danzig.)

Weſtpreußen wird mit dem Netzdiſtricte(außer Danzig und Thorn) im J. 1772 in der erſten Theilung Polens an König Friedrich den Großen wieder abgetreten, und 1793 erhält König Friedrich Wilhelm II. in der zweiten Theilung Polens den größten Theil von Südpreußen(Großpolen) mit Danzig und Thorn, ſowie 1795 in der dritten Theilung Polens Neuoſtpreußen, Warſchau und ganz Südpreußen. 1

3*