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friſt wieder heimgekehrt war. Aber das bezwungene Volk vermochte die Uebermacht der Deutſchen nur mit verſchloſſener Erbitterung zu tragen; die Zwingburgen, die ſie ſelbſt erbauen mußten, erregten vor⸗ züglich ihren Haß und Abſcheu, der gar oft in Mord und Todtſchlag ſich offenbarte; blutige Rache war die allgemeine Sehnſucht des ganzen Landes.
Dieſe ungünſtige Stimmung bemerkte gerne der ſchon längſt den glücklichen Fortſchritten des Ordens abgeneigte Herzog Suantepole von Hinter-Pommern 1¹¹) und bereitwillig ſagte er den Preuſſen ſeine Hülfe zu. Als Vermittler von dem Orden nicht beachtet, wies er die über ungerechten Druck deſſelben Klagenden an den Papſt nach Rom. Der Hochmeiſter Konrad von Thuüringen war eben daſelbſt im J. 1241 geſtorben und einige Wochen ſpäter auch der Papſt Gregor IX. So fand die Geſandtſchaft der Preuſſen nirgends Gehör, und nachdem ſich Suantepolc heimlich gerüſtet, brach in Warmien und Natangen plötzlich die Empörung los; furchtbar wüthete die Rache gegen die Deutſchen; Mord und Plünderung drängte Alles zur Flucht; die meiſten Burgen wurden im Sturme gebrochen. Herzog Suantepolc, vergebens von dem päpſtlichen Legaten mit dem Fluche der Kirche bedroht, hatte ſeine Kriegsmacht mit den Preuſſen vereint; nur noch fünf Ordensburgen vermochten ſich zu halten. Da rettete der Marſchall Dietrich von Bernheim durch ſeine Umſicht und Tapferkeit die ſchwer Bedrängten; die herzogliche Hauptburg Zartowitz wird von den Rittern im Dec. 1242 genommen und der Herzog, ſeinem verwüſteten Lande zu Hülfe eilend, mußte, nachdem die Herzoge von Maſovien und Kujavien, ſowie die von Groß⸗Polen und ſelbſt ſeine Brüder ſich mit dem Orden verbunden und der Papſt Inno⸗ cenz IV. zu einem Kreuzzug gegen ihn aufgefordert, nach harten Verluſten am Ende des Jahres 1243 Frieden geloben, die Feſte Zartowitz abtreten und Geißeln ſtellen.
Während nun der päpſtliche Legat die kirchlichen Verhältniſſe dahin ordnete, daß Preuſſen aus den 4 Bisthümern: von Kulm, von Pomeſanien, Ermeland und dem noch zu erobernden Samland, Schalauen
¹¹) Die Landſchaft Pommern an der Oſtſee⸗Küſte zwiſchen den Mündungen der Weichſel, Perſante, Oder und Peene war in der früheſten Zeithvon Gotbiſchen Völkerſtämmen, ſeit dem Ende des fünften Jahrhunderts von Wenden, Wilzen oder Leutizier und Kaſſuben bewohnt, welche von den Polen im 11. Jahrhundert Po⸗Morski, die an dem Meere, Pomeraner, Pommern genannt wurden. Schon frühe hatten die polniſchen Fuͤrſten des Piaſtiſchen Stammes, und namentlich Boleslaw I., der Sohn Miecislav's, ſeit 996 ihre Herrſchaft vis über Pommern ausgedehnt, und polniſche Vögte unter polniſcher Lehnshoheit verwalteten das Land, ſuchten ſich aber in wiederholten Empörungen unabhängig zu machen. Im 12. Jahrhundert theilte ſich das Land in das öſtliche Pommern, Hinterpommern oder Pommerellen genannt, von der Perſante bis zur Weichſel, und in das weſtliche oder eigentliche Pommern, oder Vorderpommern, von der Peene bis Perſante, beide Theile unter beſonderen Herrſchern. In dem weſtlichen Pommern hatte der Biſchof Otto von Bamberg, von dem polniſchen Herzog Boleslav, des Wladislav Hermann's Sohn, unterſtützt, ſeit 1124 das Chriſtenthum verbreitet, und in dem öſtlichen wird Subislav im J. 1170 der erſte chriſtliche Fürſt genannt, deſſen Sohn Sambor das Ciſtercienſer⸗Kloſter Oliva bei Danzig, dem Fürſtenſitze, gründete. Im Jahre 1182, nach dem Sturze des Herzogs Heinrich des Löwen von Braunſchweig, der ſich die Landeshoheit angemaßt, ertheilte der Kaiſer Friedrich I. Barbaroſſa den Fürſten des weſtlichen Pommern, Bogislaw und Caſimir, die Wurde als Herzoge von Slavien unter deutſcher Reichslehnshoheit, und im J. 1184 übergab er das Land als Afterlehen dem Markgrafen Otto I. von Brandenburg, welches der Kaiſer Friedrich II. im Jahre 1217 mit Markgraf Albrecht II. und im J. 1235 mit Johann I. und Otto III. wiederholte, wodurch die beſtändigen Streitigkeiten zwiſchen den Markgrafen und Herzogen veranlaßt werden, vermehrt durch die Eroberungszüge der däniſchen Könige, vorzüglich Waldemars 1., Knud's VI. und Waldemar's II. im 12. und 13. Jahrh., die nicht minder ein Anrecht auf die Unterthänigkeit des Pommerſchen Wendenlandes in Anſpruch nehmen— Die Fürſten von Pommerellen hatten indeſſen auch gegen 1182 den Herzogstitel angenommen, traten aber nicht in den deutſchen Reichsverband, und der Herzog Suantepolc machte ſich im J. 1227 von der polniſchen Lehnshoheit unabhängig, wodurch bei dem Ausſterben ſeiner Herrſcherlinie mit dem Tode ſeines Sohnes Miſtwin's II. im J. 1295 ebenfalls Streitigkeiten zwiſchen den mit ihren Anſprüchen hervor⸗ tretenden Herzogen des weſtlichen Pommerns, den Markgrafen von Brandenburg(Otto IV. und Conrad I.) und den Königen von Polen abwechſelnd ausbrechen, welche der deutſche Orden zu ſeinem Vortheile zu benutzen weiß.


