Jahrgang 
1848
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Unterdeſſen wurde für den Orden eine neue Burg am linken Ufer der Weichſel mit Namen Neſſau erbaut und das Eigenthumsrecht des Ordens auf das Kulmerland und auf alle ſeine ferneren Erobe⸗ rungen in Preußen in allen rechtsüblichen Formen von Herzog Konrad von Maſovien wiederholt für ſich und ſeine Nachkommen auf ewige Zeiten urkundlich feſtgeſtellt; eben ſo traten auch der Biſchof Chriſtian von Kulm, ſowie der Biſchof Günther von Plochk ihre Eigenthumsrechte auf einzelne Theile des Kulmer⸗ landes, die ſie bisher beſaßen, in förmlicher Urkunde, nur unter Vorbehalt der biſchöflichen Gerichtsbarkeit, an den Orden ab, und dieſer hatte ſomit an der Weichſel ſeine erſte landesherrliche Heimath feſt und ſicher gegründet.

Jedoch noch zu ſchwach gegen die ſtürmiſchen Einfälle der heidniſchen Preußen, forderte der Landmeiſter Hermann von Balk und der Herzog Konrad von dem Papſte Gregor IX. die Hülfe eines Kreuzheeres, und da dieſe Forderung von Hermann von Salza, dem Hochmeiſter, der den Kaiſer Friedrich II. auf ſeinem Kreuzzuge in's Morgenland begleitet, und zurückgekehrt, denſelben mit dem Papſte wieder ausgeſöhnt hatte, unterſtützt wurde, ſo ließ der Papſt noch im Herbſte des Jahres 1230 in den öſtlichen Ländern Deutſchlands an alle Chriſten die Aufforderung ergehen, das Schwert gegen die heidniſchen Preußen zu ergreifen, und während dieſe Kreuzfahrer ſich ſammelten, begann der Landmeiſter Hermann von Balk im Frühling 1231 von der Burg Neſſau aus ſeinen erſten Zug in's Kulmerland gegen die Preußen. Die Trümmer der alten Burg Turn werden hergeſtellt und ſtärker mit Wall und Mauern befeſtigt, auch zwei andere Burgen werden den Preußen abgenommen und von den Ordensrittern beſetzt; aber bei dem ſchwachen Erfolge der päpſtlichen Aufforderungen durfte noch kein nachdrückliches Vordringen gewagt werden. Erſt im Jahre 1232 erſchien ein Heerhaufen von etwa 5000 Kreuzbrüdern, geführt von Burggraf Burchard von Magdeburg, im Geleite einer anſehnlichen Schaar deutſcher Einzöglinge. Dieſe letzteren, vom Landmeiſter an die Weichſel hingewieſen, erbauten alsbald die Stadt Thorn unter der gleichnamigen Burg, ebenſo die Stadt Kulm, an der Burg gleiches Namens, unter der Obhut des Ritters Berlewin, und die Burg Marienwerder unter dem erſten Verweſer Ludwig von Quiden, und ſo war der erſte Schritt zur Eroberung Pomeſaniens gethan, und während nun der Landmeiſter die Ordnung und Verfaſſung des in Thorn und Kulm ſchnell aufblühenden Bürgerſtandes mit ſeinen Rechten und Freiheiten umſichtig begründete, zogen neue bedeutende Heerhaufen von Kreuzbrüdern heran, von Breslau, von Maſovien, von Kujavien, von Großpolen und aus Pommern, ſo daß ſich ein Heer von 20,000 Mann allmählig ſammelte; und nachdem ſie die Burg Marienwerder mehr noch befeſtigt und den erſten Anbau der Stadt gegründet, gelobten die Preußen, den drohenden Angriff fürchtend, im Jahre 1233 durch eine Geſandtſchaft Unterwerfung mit der Annahme der heiligen Taufe, führten aber den Biſchof Chriſtian, der darauf in ihrem Lande erſchien, treulos gefangen hinweg und tödteten ſeine Begleiter. Im Kreuzheere ſelbſt entſtand Zwieſpalt durch die Anſprüche der biſchöflichen Partei, und erſt nach den ernſten Mahnungen

neuem übernehmen oder abgeben. Er führte die Beaufſichtigung der Städte in ihren Rechten und Freiheiten, und hatte außerdem eine mitberatbende Stimme in allen, das geſammte Land betreffenden Angelegenheiten, namentlich in dem vom Landmeiſter berufenen Landesrathe, ſowie in dem jährlich zuſammentretenden General⸗Kapitel zu Elbing. Er war auch zugleich Kriegshauptmann ſeines Landbezirks und konnte als ſolcher für ſich mit einem Heerhaufen gegen die Heiden ziehen. Es gab ſpäter im Preußenlande 30 Komthuren.

d) Der Hauskomthur ſtand dem Komthur in ſeiner Haus⸗ und Amtsverwaltung zur Seite, beſorgte namentlich die geſammte Wirthſchaftsführung der Ordensburg und trat in Abweſenheit des Komthurs in ſeine Stelle und Amtsgewalt, blieb ihm aber in Allem verantwortlich.*

e) Der Spittler ſtand vorzüglich der Kranken- und Armenpflege in den Hospitälern, ſowie anderen milden Anſtalten auf den Ordensburgen und in ihrem Gebiete vor, wurde vom Landmeiſter eingeſetzt und war dieſem verant⸗ wortlich. Später kam zu dieſen Aemtern noch das des Trapier's mit der Aufſicht über die Traperien der Ordens⸗ häͤuſer, und das des Treßlers mit der Verwaltung des Ordensſchatzes.