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Anmerkung 1.
Das altdeutſche lar oder lare(auch lari), als Ortsnamen⸗Endung, ſowie als ſelbſtſtändiges Wort, hat verſchiedene Erklärungen erfahren. Das Meiſte ſpricht für die Bedeutung: Aufenthalt, Gemach, Haus, Wohnung(domus, habitatio, domicilium, mansio, statio). So erklärt es Du Fresne im Glossarium ad scriptores mediae et inſimae Latinitatis, Tom. IV, pag. 54. Larem fovere dicuntur, qui in aliquo loco domicilium habent. Mehr in Frage geſtellt läßt dieſe Bedeutung E. G. Graff in ſeinem Althochdeutschen Sprachschatz, Th. II, S. 243, wo es heißt: Lâr in Ortsnamen, etwa domus? cf. nord. läs, sera(d. i. Querriegel, zum Verſchließen einer Thüre, alſo verriegelte, geſchloſſene, geſicherte Wohnung); aber auch lat. lar, lares, deren r ursprünglich s ist; mit den Beiſpielen Frideslari(Fritzlar), auch Friedislar, Butlar, Gozlar(Goslar). Vgl. auch Gilare, Gemach, mansio, wo zugleich auf Lar, oder Lares (Schutzgottheiten, beſonders des häuslichen Heerdes, Hauslaren, 2ν⁸ Gοã0 dαιονεε, εο⁴ οdxα⁵ο) der Römer hingewieſen wird, bei welchen dieſes Wort auch in dem Sinne von Haus, Heerd, Wohnung im Gebrauche war, Beiſpiele bieten die Wörterbücher.
Andere Erklärungen ſind: a. Lar est princeps, lingua Hetrusca. Lars, rοουτοοτνα, T00OTng. Unde Lares apud Romanos sunt Dii 7rοοσπ³σται, familiae, praestites, 71ο³m⁷⁷⁴οι, nach Jos. Scaliger. Vgl. Du Fresne a. a. O. Lar, Princeps Hetruscis, ut docet Scaliger ad Propertium, Lar, Lartis, Dux vel Rex, ut interpretatur Turnebus etc. aber mit dem berichtigenden Zuſatze: Hinc Johannes de Janua: Lar fuit quidam Rex etc. sed tunc facit genitivum Lartis, interposita t, causa differentiae. Siehe auch Fabri Thesaurus Eruditionis Scholasticae u. d. W. Lar.— b. Die Leere (vacuitas) mit Zurückführung auf einen ganz anderen Stamm, nämlich das Adjectivum Lar, laer, vacuus (Jo ann. Schilteri Thesaurus Antiquitatum Teutonicarum, Tom. III, pag. 52 a.) oder Lari, leer, inanis, cf. angels. laernesse, vacuitas(nach Graff a. a. O.).
Ueber Lara als ſelbſtſtändigen Ortsnamen ſiehe das Urkundenbuch für die Geschichte des Nie- derrheins von Theod. Jos. Lacomblet, I. Bd.(Düsseldorf 1840) unter den im Regiſter S. 425 auf⸗ geführten Nummern, insbeſondere Nr. 478, S. 338 in Betreff der Form Lare.
Den Ortsnamen mit doppeltem a, wie z. B. Laar, am Niederrhein unterhalb Ruhrort, konnte in gegenwärtiger Darſtellung(anßer d der Andeutung im Vortrage ſelbſt), keine beſondere Berückſichtigung zu Theil werden.
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Anmerkung 2.*
Es wird für unſern Zweck genügen, vorzugsweiſe die verlängerte Form der Benennung des Wetz⸗ baches in ihren verſchiedenen Schreibweiſen urkundlich ſicher zu ſtellen, dabei jedoch auch der kürzeren, obwol auf mehr indirectem Wege, eine nicht minder conſtatirte Geltung zu geben. Wir entnehmen dieſe urkundlichen Belege ſämmtlich aus dem bekannten Werke: Codex Diplomaticus Exhibens Anecdota Mogun- tiaca etc. Jus Germanicum etc. illustrantia. Ex Latebris in lucem protraxit Valent. Ferd. de Gudenus Tom. I-IV. Göttingae, Francofurti et Lipsiae MDCCXLIII—LVIII. Tom. V. Collegit etc. Henr. Wilh. Anton. Buri. Ibid. MDCCLXVIII.— 1) Wetfa(Tom. II, Nr. XCI, An. 125[5], pag. 125) Preterea legavi.... de quodam Orto meo, sito supra Wetfam etc.— 2) Welfe(Tom. V, Nr. CXLIX An. 1338 p. 197) ge domo.... sita in der Wetfen Gassen und gleich darauf: de domo apud ripam Wetfe sita(Ibid. Nr. CLXXII, An. 1355, Pag. 235): in agro prope ripam die Wetfe sito etc.— 3) Wetzfe (lbid. Nr. CLXXXIV, An. 1383, Pag. 256): Legavit.. ex domo.. sita.. prope ripam que dicitur vul- gariter die Wetzfe. Oder noch früher, in folgender Zuſammenſetzung(Ibid. Nr. CXLVIII, P. 193) de domo.. sita in der Wetzfergassen(eine Ortsbeſtimmung, die bald darauf wiederkehrt). Auch mit doppeltem f: a)(Ibid. Nr. XXVII, An. 12641, pag. 40) Domum.. in vico qui dicitur W9etzffegasse sitam. b) in der Ortsbenennung Obern Wetaffe(Ibid. Nr. CLXV, An. 1350, Pag. 219). Von erst eyn Hufſs und Hob’, in demselben dorffe 00(d. i. Obernquenenbach) gelegen obene.. da man gehet zu Obern Wetaffe(oder gleich darauf wiederholt in einem Worte Obernwetzffe).— Daneben wird aber


