Jahrgang 
1847
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dem Sprüchwort zufolge, ſchwer iſt als Wet oder Wetz und in erweiterter Form als Wetfe oder Wetzfe manche Deutungsſchwierigkeiten darbietet.(S. Anm. 4.)

Beſcheidener Wetz⸗Bach, wenn du auch, in treuer Bewahrung deines ganzen Weſens, dein helles Gewäſſer meiſt in ein niedriges Flußbett als die in weiß ſchimmernde, über Schieferlager durch Wieſen⸗ und Waldgründe ſich windende Wetz zurücktreten läſſeſt, dennoch vermagſt du es nicht, deinen waſſerhaltigen Stoff als Bach mit allen ſeinen ſchillernden, den Ortsbenennungen dienenden Zuſammenſetzungen, als: beek und beeke, beck und becke, bich und biche, be und bi, pe und phe (wie z. B. in Ennepe und Laasphe) unſern Blicken dich ganz zu entziehen, noch weniger aber in deinem zu Zeiten höher wogenden Waſſerſtande, als Wetzbe oder Wetz fe, oder(wie du in dieſer Geſtalt dich lieber bezeichnet ſiehſt) als Wetfe und Wetfa, als Wetphe und Wetpha, auf daß der erweiterte Name der mächtigeren äußeren Erſcheinung in etwa annäherungsweiſe entſprechen möge als der waſſerreiche, in ſchnellerem Lauf dahinſtrömende Wetz⸗Bach, den Forſchern der Sprachen und der Geſchichte den Sprachenbrunnen des Sanscrit in ſeinem ap und apa, ſammt dem Perſiſchen ab und aw, dem Keltiſchen ach, dem Gothiſchen ahwa, dem Althochdeutſchen aha, dem Lateiniſchen aqua, dem Lappländiſchen awa, Waſſer, ſowie den anderweitigen Umwandlungen in efa und ifa, effa und iffa, überflutend zu verſchließen.(S. Anm. 5.)

Das haben denn auch unſere Altvorderen zu ihrer Freude wahrgenommen, welche in der Nähe ihrer und unſerer Wetfa ihre Wohnung oder Lare(wie oben nachgewieſen worden) auf der rechts gelegenen Bergabdachung aufzuſchlagen für angemeſſen erachteten und ſo eine Anſiedelung mit Namen Wet⸗fa⸗lar für ſich und ihre Nachkommen als freundliche Wohnungsſtätte gründeten.

Sollte aber dieſes urſprüngliche Lare ſpäter zu einem Lager ſich erweitert, oder, umgekehrt, das ältere Lager in das jüngere Lar ſich verkürzt haben, dergeſtalt, daß Wet⸗fa⸗lär ſammt ſeinen Lare⸗ oder Lager⸗Inſaſſen in althochdeutſcher Sprachform ein legar oder luoger, und(um unſerer Seits dieſer ſprachlichen Entwickelung verwandte Stützpuncte zuzuführen) mit den Schweden und Dänen ein läger oder leyger, mit den Holländern ein lager oder leger, mit den Bewohnern Islands ein lagr oder legr, eine Wohnungs⸗Lagerung ſich bereitete; daß Wet⸗fa⸗lar der Sprache wie dem Leben, dem geſammten deutſchen Reiche wie der Rheinprovinz und Preußen eine Wet⸗Waſſer⸗Wohnungs⸗lagerung (inmitten anderer Lagerungen, wie Aßlar und Dor lar) zur Anſchauung hinſtellte; daß Weit⸗fa⸗lar, im Verlaufe ſeiner ſtädtiſchen Entwickelung, ein Wet⸗f⸗lar, ein Wetz⸗lar, unſer Wetzlar, ſich ſelbſt in's Leben rief dann würde der Schluß unſerer Darſtellung mit zwiefacher Begründung dahin ſich auszuſprechen die vollſte Berechtigung erhalten: daß unſer Wetzlar, obwol von rings lagernden Fluren reich genug umgeben, doch ſein Wetf⸗lar mit Wet⸗flar oder Wetz⸗flar d. i. Wetz⸗flur zu ver⸗ tauſchen ſchwerlich jemals ſich gemüßigt ſehen dürfte.(S. Anm. 6.)

Alſo bewohnt und gelagert mag denn die Stadt, an der dreifachen Strömung der Wetz, der Lahn und der Dill gelegen, deren Hauptfluß, als der Centralpunct, ſeiner Schiffbarmachung mit raſch geförder ter Annäherung entgegenſtrömt, ſo gelegen alſo ein anderes Coblenz(Confluens, Confluentes, Confluentia) mag unſer Wetlar ſeiner ſchönſten Zukunft freudig entgegenblühen! Dann wird dem fröhlichen Anfange, einem hellen lichten Waſſerſpiegel vergleichbar, ein freudiger Ausgang, der Wetzlar's Bürgern eine ſchiffbelebte Wohnungsſtätte in nahe Ausſicht ſtellt, ſich anſchließen und die gegenwärtige Darſtellung, von ſo erfreulichen Ausſichten gehoben und getragen, der frohen Hoffnung ſich hingegeben ſehen, dem ehrenwerthen hiſtoriſchen Vereine ein, wenn gleich flüchtig ſkizzirtes, doch nicht ganz bedeutungsloſes Genrebild, in ſprachlich⸗etymologiſcher Faſſung, zur geneigten Erinnerung an Wetzlar und ſeine Bewohner, vorgeführt zu haben.