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wollen— Beides im Grunde nicht weſentlich verſchieden, weil die früheren größeren Waldungen der Art(und darunter gar manches weiland finſtere Loh), dermalen vollſtändig ausgebeutet und nur in ver⸗ jüngtem Maßſtabe noch vorhanden, eben noch der Vogelperſpective im eigentlichſten Sinne einzelne aus⸗ reichende Exemplare darbieten und in immer lichterer Geſtalt ihr Inneres der Tageshelle zu erſchließen angewieſen werden. Doch dieſe Lücken in ſachgemäßer Weiſe auszufüllen, den einförmigen Lichtpartieen durch kräftige Schlagſchatten Leben und Farbe zu verleihen und ſomit die Bedeutung der Waldescultur in das rechte Licht zu ſetzen— das bleibt, wie billig, dem Forſtverſtändigen anheim gegeben.
Gleichwol werden Geographen und Hiſtoriker dieſe und ähnliche Erfahrungen auch ihren Unterſuchungen zu Gute kommen laſſen, dergeſtalt, daß dieſe weder in die unerquickliche Leere bodenloſer Conjecturen ſich verlieren, noch auf die ſchwindelnde Höhe luftiger Theorieen ſich verſteigen, noch endlich das Gehölz einzelner Sylbaſſonanzen zu dem Gebäude ihrer ſprachlichen Forſchungen zuſammen führen und ſo„Holz in den Wald tragen“, wie ſehr auch der letztere des erſteren in unſeren Tagen nicht ſelten bedürftig ſeyn mag.
Auch den Laren wird der Alterthumskundige und Sprachſorſcher unverkümmert ihre Stätte(in heiligen Hainen oder Laren) belaſſen, maßen ſie anderwärts ihre Penaten ſicher zu bergen und ihnen, wie Allen, die an einem Orte ſich häuslich niederließen, eine ſichere Wohnung, eine feſte Behauſung, ein dauerndes Bleiben, ein gutes, altes, treues deutſches Lar oder Lare zu beſchaffen im Stande ſind. (S. Anmerkung 1.)
Im Laufe der Zeit wurde dem einfachen Lar oder Lare ein erweiternder Ausbau gegeben nach Innen zu und ſo, ohne weſentliche Veränderung des eigentlichen Stammwortes, ein Lahr gewonnen— welches, dem eigenthümlichen Bedürfniß gemäß, einige Volksſtämme wieder in Lohr oder Lohre umwan⸗ delten, andere in ihrem Laar ſich ſprachlich anzupaſſen ſuchten— ſey es, um die größere Ausdehnung der Anſiedelung auch durch ſchriftliche Bezeichnung dem Auge ſichtbar vorzuführen, auch wol Haus und Hof als doppelt ſicher ausgebaut dem Beſchauer klar und deutlich darzuſtellen, ſey es überhaupt, um das in ſeinem Innern erſtarkte Gemeinweſen ſämmtlicher Gaue Deutſchlands auch nach Außen hin charaktervoller und kräftiger in Geſtalt einer ausgedehnten, ruhigen, volksthümlichen Lagerung hervortreten zu laſſen.
Somit ſey und bleibe denn— indem wir, einem treuen Hausvater gleich, unſerem lieben Lar gebührendermaßen uns wieder zuwenden— auch Fritzlar ein Fredes⸗ oder Frides⸗ d. i. ein befrie⸗ detes Lar, eine geſicherte(Friedens⸗) Wohnung, und Goslar bewahre friedlich ſeine Wohnungs⸗ Stätte an der Goſe, während Sie, meine hochgeehrten Herren, die heute in ſo ſchönem Vereine die Stadt Wetzlar im Bereiche ihres alten Weichbildes zu begrüßen die Freude hat, ſchon aus dieſem Grunde unſerem Wetz-lar ſeine wohnliche Lage an der Wetz oder Wetfe gewiß nicht werden ſtreitig machen wollen.(S. Anm. 2.)
Ja, mag Wetzlar ſelbſt immerhin ſeines Namens Urfprung, ſeiner Häuſer Grund und Lage in ſtiller Beſcheidenheit unter der Hülle verſchiedener Schreibarten zu verbergen trachten, wir werden doch jederzeit und unter allen Formen unſer freundlich⸗ſtilles Wetz⸗lar wiederfinden, namentlich aber, in gemüthlichem Vereine, an Tagen, wie der heutige iſt, mit aufrichtigem Herzen und den beſten Wünſchen ſeiner zu gedenken uns auf's Freudigſte veranlaßt ſehen.(Anm. 3.)
Doch eben im Intereſſe des heutigen Tages liegt es, Wetzlar's Bedeutung, im vollſten Sinne des Wortes, etwas näher in's Auge zu faſſen. Das, was die Stadt war, bleibe unberührt, obwol auch hier das alte Wort»Olim meminisse juvabit« ſeine Geltung und Anwendung ſich bewahren dürfte. So beſchäftigt ſich denn unſere Unterſuchung mit dem, was iſt, und wird daraus die Bedeutung für die Zukunft in gebührender Ruhe ſich entwickeln ſehen.
Wir werfen zunächſt unſeren Blick auf den Anfang des Wortes, der uns— da ja aller Anfang,


