Jahrgang 
1846
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dieſer Seite hauptſächlich der Saft in das Filamentum tritt; beim Reifen des Pollens ver⸗ kürzt ſich nach und nach die Zellenmembran der Innenſeite durch Vertrocknung, was dann eine Bewegung des Filamentum nach dieſer Seite zur Folge haben muß. Daß aber die Stamina des äußeren Wirtels früher reifen, hat ſeinen Grund in der, durch die Stellung bedingten ſtärkeren Einwirkung des Sonnenlichtes. Die auf mechaniſche Berührung, Er⸗ ſchütterung ꝛc. folgende Bewegung der ſilamenta mancher Blumen halten wir ebenſo, wie die Bewegung der Blätter an Mimoſen, Robinien ꝛc.(§. 20), für ein momentanes Ein⸗ ſchlafen. Das Zurückſchnellen der Staubgefäße in den Blüthen der Parietaria iſt Wir⸗ kung plötzlich freigewordener Elaſticität der ſilamenta.

Noch müſſen wir hier etwas ausführlicher gedenken der merkwürdigen Erſcheinungen, welche eine ſüdeuropäiſche, diöciſche Waſſerpflanze, die Vallisneria spiralis, bietet, indem dieſelben alle angeführte Blüthenbewegungen weit hinter ſich zu laſſen ſcheinen. Die Sa⸗ menblüthe dieſes Gewächſes bildet ſich, wie die Staubblüthe, tief unter dem Waſſerſpiegel. Gegen die Zeit des Aufblühens zieht ſich allmählig der ſpiralförmig gewundene Stiel der Samenblüthe auseinander, und verlängert ſich dadurch ſo, daß die Blume über den Waſſer⸗ ſpiegel kommt, wo ſie ſich alsbald zur Beſtäubung öffnet. Die Staubblumen dagegen, welche in kurzgeſtielten Köpfchen oder Kölbchen am Boden ſtehen, können auf dieſe Art nicht über den Waſſerſpiegel gebracht werden, indem ihre Stiele nicht gewunden ſind; da aber auch die Pollenkörnchen nicht durch das Waſſer aufſteigen könnten, ohne ſich zu öffnen: ſo trennen ſich die Blumenköpfchen von ihren Stielen und ſteigen an die Oberfläche, wo ſich die Blüthchen durch einen Ruck von der Spindel des Köpfchens löſen und nun ge⸗ öffnet, truppweiſe um die Samenblüthe herumſchwimmen, bis die Beſtäubung geſchehen iſt. Nach dem Acte der Beſtäubung windet ſich der Stiel der Samenblüthe wieder in ſeine Schraubengänge und zieht ſich mit dem Ovarium unter das Waſſer zurück, damit die Samen dort am Boden reifen.*)

Während Andere vielleicht dieſe Erſcheinung als ein Wunder in der Pflanzenwelt anſtaunen und die Wirkung eines animalen Lebehs darin zu erkennenglauben, ſuchen wir nur das Wunder⸗ volle in den verſchiedenen Mitteln, durch deren Zuſammenwirkung hier der Zweck der Na⸗ tur erreicht wird. Unter Waſſer konnte die Beſtäubung nicht vor ſich gehen, und über dem Waſſer der Same, ſeiner Natur nach, nicht reifen. Darum wurde die Samenblume

*) Picot La Peyrouſe in Roth's neuen Beiträgen I. 1802. 338.