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Ein aͤhnliches Verzeichniß beſitzen wir auch von De Candolle.*) 2. Bewegung der Staubgefäße und Staubwege. §. 22.
Unter den vielen Mitteln, deren ſich die Natur bedient, um die Pollenkörnchen bei ihrer Reife auf das Stigma zu bringen, heben wir hier nur diejenigen hervor, welche in einer auffallenden Bewegung, entweder der fructiſicationis partes, oder der ganzen Blüthe mit allen ihren Theilen beſtehen. In ſehr vielen Blüthen ſieht man, beſonders deulich in man⸗ chen Lilien, Storchſchnabelarten, Steinbrechen(Saxifraga) der Parnassia palustris ac. die Staubgefäße ſich den Staubwegen nähern, um die Anthere über das Stigma zu bringen, und dies geſchieht ſogar in manchen Blumen, Nelken und Rauten z. B. abwechſelnd, ſo daß zuerſt die Stamina des äußern Wirtels, d. i., diejenigen, welche mit den Blumenblät⸗ tern alterniren, alſo gegen dem Kelche ſtehen, beginnen, und nach ihnen diejenigen folgen, welche den innern Wirtel bilden, alſo gegen den Blumenblättern ſtehen. In den Blüthen des Sauerach(Berberis vulgaris) und einiger Cactusarten kann man ſogar dieſe Bewe⸗ gung der Staubgefäße gegen das Piſtill durch mechaniſche Berührung hervorrufen. Man darf nur die Spitze einer Federmeſſerklinge, einer Nadel, Borſte ꝛc. auf der Innenſeite an den Grund des Filamentum bringen, ja bei Berberis nur einen feinen Luftſtrom dahin bla⸗ ſen, die Blüthe ſtark erſchüttern, oder in heißes Waſſer tauchen: ſo erfolgt die Bewegung plötzlich und ſchnellend, und nach einigen Augenblicken kehrt das Filamentum, anfangs ſchnell, dann aber langſamer, in ſeine vorige Stellung zurück, und ſo kann man den Ver⸗ ſuch mit demſelben Stamen öfter wiederholen. Die ſilamenta der Wandkräuter(Parietaria) ſtehen vor der Reife des Pollens eingebogen, bei der Reife aber und mit dem Aufſpringen der Anthere ſchnellen ſie zurück und ſchleudern die Pollenkörnchen gegen das Stigma. Am Piſtill kommen ſolche Bewegungen ſeltner vor, und nur in den Weidenröschen(Epilobium), Nigellen, Paſſions⸗Blumen und einigen andern ſieht man die Stigmata, bei Lilien, Tulpen, Nachtkerzen, der Goldfussia anisophylla ꝛc. auch die Griffel, zur Zeit der Pollenreife die Blüthe ſtark erſchüttern, oder ſich gegen die Stamina neigen, und in der Gauklerblume (Mimulus), den Blumen der Bignonien und des Gnadenkrautes(Gratiola) die zwei Plätt⸗ chen des Stigma klaffen, nach Aufnahme des Pollens aber ſich wieder ſchließen.
Nach unſern bei den Blattbewegungen gegebenen Erklärungen kann es nicht ſchwer fal⸗ len, auch hier bald den Grund der angeführten Erſcheinungen aufzufinden. Während ſich die Staubgefäße ausbilden, ſtehen ſie aufrecht, meiſt etwas nach Außen geneigt, weil von
) De Condolle. Phyziologie véegétale. 1832. HI, p. 484.


