Jahrgang 
1846
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Urſache der Blut⸗ und Saftbewegung in den Organismen. §. 10.

Als bewirkende Urſache der Saft⸗ und Chylusaufnahme, ſowie der Bewegung des Saftes und des Chylus in den Gefäßen nehmen manche Naturforſcher eine beſondere Kraft im Organismus an, die ſie Lebenskraft nennen; uns aber will es natürlicher ſcheinen, die Aufnahme und Bewegung dieſer Flüſſigkeiten einer Polarität zuzuſchreiben, bewirkt und un⸗ terhalten theils durch die Elementarkräfte im Innern des Organismus, theils durch allge⸗ meine Naturkräfte von Außen, jedoch ſo, daß durch das Zuſammcnwirken dieſer inneren und äußeren Potenzen jene Bewegung, das Leben der Organismen bedingt iſt.

Im thieriſchen Organismus wied die erwähnte Polarität, dieſer Lebensproceß hervorge⸗ rufen durch den Sauerſtoff, der beim Athmen in die Lunge gebracht und dem Blute mit⸗ getheilt wird*). Dadurch tritt die Lunge in einen polaren Gegenſatz zu dem venöſen Blute und zieht dasſelbe an; ſtößt es aber wieder ab, ſobald es oxrydirt, alſo mit der Lunge, oder vielmehr dem Sauerſtoffe, gleichnamig geworden iſt; es gelangt in die linke Herzkammer und geht von da in das Arterienſyſtem, wo es auf ſeinem Laufe nach und nach mit den nährenden Subſtanzen ſeinen Sauerſtoff abſetzt, ſo desoxydirt in das Venenſyſtem tritt und von Neuem nach der Lunge gezogen wird. Das Blut wird alſo von der einen Seite nach der Lunge gezogen und nach der andern wieder abgeſtoßen und ſo der Kreislauf des⸗ ſelben bewirkt.

Im Pflanzen⸗Organismus dagegen iſt es nicht bloß der Sauerſtoff, welcher, als im Innern wirkende Potenz, jene Polarität hervorruft; ſondern hier wirken noch ganz beſon⸗ ders auf die Bewegung der Säfte ein die äußeren, mächtigen Naturkräfte Licht und Wärme. Die Stomata der Epidermis auf den Blattflächen und andern grünen Pflanzentheilen ſind die Oeffnungen, durch welche der Sauerſtoff der Atmoſphäre in Gasform eingezogen und in die Spiralgefäße gebracht und ebenſo das abgeſchiedene kohlenſaure Gas ausgeſtoßen wird. Das Einziehen und Ausſtoßen dieſer Luftarten geſchieht regelmäßig, und darin beſteht das Athmen der Pflanzen**). Durch den Sauerſtoff in den Spiralgefäßen wird der Saft in den

*) Bei Zuſammenſtellung von Erſcheinungen im Thier⸗ und Pflanzen⸗Organismus haben wir ſtets, wenn es nicht anders angegeben iſt, das Thier und die Pflanze auf der höchſten Stufe der Aus⸗ bildung im Auge.

*n) Daß die Gewächſe im Sonnenſchein Sauerſtoffgas ausgeben, kann die Behauptung, daß ſie regel⸗