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der Luft oxydirt, geht dann in die linke Herzkammer und aus dieſer in die Aorta und das Arterienſyſtem, aus welchem es die nährenden Theile an den beſtimmten Orten abſetzt und ſo, desoxydirt, in das Venenſyſtem aufgenommen und durch die Hohlvene von Neuem in die rechte Herzkammer ꝛc. geführt wird.
In dem Pflanzen⸗Organismus iſt die Bewegung der nährenden Theile von der im Thier⸗Organismus ſehr verſchieden. Ein Verdauungsſyſtem kommt im Innern der Pflanzen nicht vor. Die feſten Theile, welche in den Pflanzen⸗Organismus aufgenommen werden ſollen, ſind ſchon in der Erde aufgelöſt und bis zur Aufſaugung durch die Wurzelzaſern vorbereitet worden. Der Boden iſt alſo der Magen der Pflanzen, die Wurzelzaſern ſind die Lymphgefäße im Dünndarm des Thieres; ſie führen den Nahrungsſaft in die Inter⸗ cellulargänge der Wurzeln, aus welchen er in den Stamm, in die Aeſte u. ſ. w. in alle Theile des Gewächſes gelangt, wo er überall mit der, in die Spiralgefäße eingeathmeten Luft in Wechſelwirkung gebracht, orydirt, in die Zellen dringt, um nährende Theile ab⸗ zuſetzen, dann wieder heraustrikt, um in den Saftgängen von Neuem mit der Luft in Be⸗ rührung zu kommen ꝛc. Die Intercellular⸗ oder Saftgänge haben alſo die Function des thieriſchen Arterien- und Venenſyſtems zugleich, nur mit dem Unterſchiede, daß ſie nicht ſelbſt die nahrenden Theile abſetzen, wie das Arterienſyſtem des Thieres. Die Spiralge⸗ gefäße haben die Function des Reſpirationsſyſtems. Daher kann, indem die Luft überall hin in den Pflanzen⸗Organismus gelangt, nicht aber, wie im Thier⸗Organismus, in einem einzelnen Organe, einer Lunge, Kieme ꝛc. ſich dem Nahrungsſafte darbietet, in den Pflanzen kein eigentlicher Kreislauf des Saftes, kein Zurückkehren desſelben an einen beſondern Ort ſtattfinden.
Auch im Aufnehmen der Nahrung finden wir zwiſchen Pflanzen und Thieren ſcheinbar einen großen Unterſchied. Die Wurzelzaſern ſaugen beſtändig Nahrung ein, dafern ſie nur vorhanden iſt. Die Thiere dagegen nehmen nur Nahrung ein, wenn ſie vom Hunger oder Durſt dazu getrieben werden, ja der Menſch, das Haupt der irdiſchen Schöpfung, ißt und trinkt ſelbſt nicht jedesmal, wann er Hunger oder Durſt hat, ſondern macht dieſes oft von ſeiner Vernunfteinſicht abhängig. Doch iſt der angedeutete Unterſchied auch nur ſcheinbar: denn die Wurzelzaſern entſprechen, wie wir oben geſehen haben, nicht dem Munde der Thiere, ſondern den Lymphgefäßen im Dünndarm, und dieſe ſaugen, gleich den Wurzelzaſern, ſo lange ein, als Chylus vorhanden iſt. Das Einnehmen der Speiſen und Getränke da⸗ gegen iſt bei Thieren und Menſchen vom Willen abhängig, und dieſer wurzelt in dem gei⸗ ſtigen Leben derſelben, das dem Pflanzen⸗Organismus fehlt.


