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ich unter meinen Herrn Collegen der einzige Lehrer bin, der an der Gründung unſerer Anſtalt Theil genommen und in dieſem langen Zeitraume von 25 Jahren unabläſſig ſeine Kräfte ihr nur gewidmet hat, ſo möge es mir vergönnt ſeyn, in kurzen allgemeinen Umriſſen ein Bild zu entwerfen von dem, was dieſe Anſtalt Anfangs war, wie ſie ſich unter den mancherlei günſtigen und ungünſtigen Berührungen, die ſie getroffen, aufrecht erhalten, was ſie allmälig geworden, und welche Hoffnungen ſie für die Zukunft bietet. Ich will indeſſen nicht reden von der früheren Jeſuiten⸗Schule, nicht von der lateiniſchen oder Oberſchule in der Zeit der freien Reichsſtadt, nicht von dem Gymnaſium, das ſeit 1809 unter der Herrſchaft des Für⸗ ſten Primas hier beſtanden, ſondern nur von unſerem Gymnaſium, das unter preußiſcher Herrſchaft aus jenen Schulen zum Theile hervorgegangen iſt.
Unſere Anſtalt wurde gegründet am 3. November des Jahres 1817, 5 h. an dieſem Tage wurden die von der preußiſchen Regierung berufenen Lehrer in die einzelnen Claſſen des neuen Gymnaſiums eingeführt. Es war damals, wie ſich noch manche unter uns wohl deutlich erinnern werden, eine eigene, viel bewegte Zeit. Der große Kampf für deutſche Nationalität und Selbſtſtändigkeit war glücklich beendigt und ſeit wenigen Jahren waren unſere Gegenden unter preußiſche Hoheit eingetreten. Da regte ſich nun ein neues rüſtiges Leben der Entwicke⸗ lung und freudigen Umgeſtaltung nach allen Richtungen hin. So wie im bürgerlichen und im Staatsleben, ſo begann auch in der wiſſenſchaftlichen, in der geiſtigen Cultur eine friſche, neue Periode. Man hatte erkannt, daß nur die Bildung des Geiſtes, geſtützt auf Religion und Moralität, die wahre, die ſicherſte Grundlage eines gedeihlichen, beglückenden Staatsgebäudes ſeyn könne. Darum war die erſte und wichtigſte Aufgabe der preußiſchen Behörden, neben der neu geordneten Gerichtspflege auch da Bildungsanſtalten ins Daſeyn zu rufen, feſter zu begründen und einem befruchtenden Wirken entgegen zu führen, wo ſie bisher nur kümmerlich, unbeachtet oder gar nicht beſtanden. So ſahen wir damals Volksſchulen, Bürgerſchulen und Gymnaſien in freudigem Wetteifer an verſchiedenen Orten theils neu ins Leben treten, theils in anderer Geſtalt einer friſchen Entwickelung entgegen gehen;— und ſo wurde auch damals unſer hieſiges Gymnaſium in einer gänzlichen Umgeſtaltung des früheren neu gegründet. Wohl waren die Kräfte und die Mittel, die ihm damals zu Gebote ſtanden, noch gering; wir zähl⸗ ten mit dem Director nur vier ordentliche Lehrer und drei Hülfslehrer; auch das Aeußere unſe⸗ rer Anſtalt war noch ſehr beſchränkt und wenig entſprechend dem hohen Zwecke. Dennoch be⸗ gannen wir mit freudigem Muthe und mit feſtem Vertrauen unſer friſches Werk. Herr Di⸗ rector Dr. Snell ſtand an unſerer Spitze und wirkte im Stillen mit ungewöhnlicher Ausdauer tnd Beharrlichkeit für das Gedeihen unſerer Anſtalt, und ich gedenke auch gerne der beiden


