Jahrgang 
1842
Einzelbild herunterladen

38

prima. Die Feierlichkeit wurde mit Choralgeſang und einer religiöſen Anſprache der Schüler von Seiten des Herrn Profeſſor Dr. Schirlitz eröffnet. Hierauf handelte Director Axt über das Thema: Das Ziel der Gymnaſialbildung*); und nachdem Herr Oberlehrer Dr. Lambert freundliche Wünſche und Hoffnungen für den Director und die Anſtalt ausgeſprochen hatte, trat der Primaner Eduard Thorn auf, um Namens der Schüler ihm ebenfalls Glückwünſche und Verſicherungen des Gehorſams und der Anhänglichkeit darzubringen. Choralgeſang ſchloß den Actus. Des Mittags hatten dem Director Axt die Herren Collegen und eine große Anzahl von Freunden und Theilnehmern aus dem Beamten- und dem Bürgerſtande ein Feſtmahl veranſtaltet im Herzoglichen Hauſe.

Im December erhielt der Director Axt den Ruf von Seiten der Hohen Behörden zur Uebernahme des erledigten Directorates zu Kreuznach mit Gehaltserhöhung, dem er zu Oſtern folgte; nachdem ihn Seine Majeſtät mittelſt Aller⸗ höchſter Kabinetsordre vom 2. Febr., mitgetheilt durch das Kön. Hochl. Provinzial⸗Schulcollegium unter dem 27. Febr., Allergnädigſt za beſtätigen geruhet hatten. Am 18. März hielt derſelbe ſeine feierliche Abſchiedsrede in der Aula des Gymnaſiums vor einem zahlreichen Publikum**). Am Abend überreichten ihm die Schüler durch Abgeordnete aus ihrer Mitte einen ſilbernen Pokal, mit der Aufſchrift: Die Liebe hört nimmer auf, 1. Cor. 13, 8., ingleichen einige von ihnen verfaßten Gedichte, und ſagten ihm Lebewohl***).

In Folge dieſer Verſetzung des Herrn Gymnaſial-Directors Profeſſor Dr. Axt nach Kreuznach, wurde durch ein hochverehrliches Reſcript des Königlichen Hochlöblichen Rheiniſchen Provinzial-Schulcollegiums vom 27. Februar d. J. dem Unterzeichneten die huldvolle Eröffnung gemacht, daß ihn, auf den Antrag Eines Königlichen Hohen Miniſterium der Geiſtlichen-, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten, Se. Majeſtät der König mittelſt Allerhöchſter Cabinets⸗ Ordre vom 2. deſſelben Monats, zum Director des Königlichen Gymnaſiums zu Wetzlar zu ernennen geruht haben. Zu⸗ gleich wurde derſelbe angewieſen, das ihm anvertraute neue Amt am 1. April d. J. anzutreten ein Termin, den das Königliche Hochlöbliche Provinzial-Schulcollegium, in huldvoller Berückſichtigung der beſonderen vorliegenden Ver⸗ hältniſſe, demnächſt bis zum 11. April zu verlängern und wegen deßfallſiger Vertretung bei hieſiger Anſtalt durch den erſten Oberlehrer, Herrn Dr. Kleine, das Nöthige zu verfügen die Gewogenheit hatte. So ſchied denn der Unterzeichnete aus ſeiner bisherigen amtlichen Stellung an dem Gymnaſium zu Elberfeld, welchem er ſeit dem Jahre 1824 als Lehrer angehörte, und traf am 7. April in Wetzlar, dem Orte ſeiner neuen Beſtimmung ein, um das ihm übertragene Amt Montag, den 11. April, förmlich anzutreten.

Die Antrittsfeier, zu welcher die Behörden der Stadt, die Eltern der Schüler, die Freunde des höheren Schul⸗ unterrichtes überhaupt und der Anſtalt insbeſondere durch ein gedrucktes Programm waren eingeladen worden, fand in der Aula des Gymnaſiums Statt, und wurde durch Geſang und Gebet, geſprochen von dem Religionslehrer der Anſtalt, Herrn Profeſſor Dr. Schirlitz, in angemeſſener Weiſe eingeleitet. Der darauf folgende Vortrag des Unterzeichneten hatte ſich die Aufgabe geſtellt, das Verhältniß der Gymnaſien zur Wiſſenſchaft, zur Religion und zum Leben in allge⸗ meinen Umriſſen darzulegen. Nachdem hierauf der Unterzeichnete durch den erſten Oberlehrer, Herrn Dr. Kleine, im Namen des Lehrercollegiums in einer herzlichen Anrede begrüßt worden war, empfing derſelbe das Gelöbniß der Erge⸗ benheit und des Gehorſams von Seiten der Schüler, ausgeſprochen durch den Primus derſelben, Albert Petry, mittelſt Handreichung einzelner Schüler aus den verſchiedenen Gymnaſialclaſſen. Ein, von dem Geſanglehrer der Anſtalt, Herrn Cantor Franke, componirter Bewillkommungsgeſang, deſſen Texrt von Herrn Oberlehrer Dr. Kleine für dieſen Zweck angefertigt worden war, ſchloß die erhebende Schulfeier.

Wenn auf der einen Seite das Heraustreten aus liebgewonnenen, durch eine Reihe von Jahren feſt gewurzelten Verhältniſſen; wenn das Scheiden von lieben Schülern, von treuen Amtsgenoſſen und Freunden, von andern würdigen und verdienten Männern, deren vertrauensvolles Wohlwollen dem amtlichen Berufe eine ſo freundliche Geſtalt verleiht; wenn die Trennung von Elberfeld, welches den Unterzeichneten, in Folge ſeiner faſt achtzehnjährigen Lehrer⸗ Wirkſamkeit an dem dortigen Gomnaſium, mit den vielſeitigſten Banden des amtlichen Lebens und geſelligen Verkehres umſchlungen

*) Treu, wie ſte geſprochen wurde, aufgeſchrieben und abgedruckt zum Beſten der Schülerbibliothek, bei Juſtus Brauneck am Kornmarkt. **) Auch dieſe Rede iſt in ähnlicher Weiſe gedruckt und ebendaſelbſt käuflich. Sie enthält auch eine nähere Andeutung der Grunde, die den Director Axt beſtimmen mußten nach Kreuznach zu gehen. ***) Vorſtehendes iſt den handſchriftlichen Mittheilungen des Herrn Directors Dr. Axt entnommen.